Was es im Taunabad schon seit elf Jahren gibt, könnte bald auch im Taunusbad möglich sein: Frauenschwimmen. So wird es genannt, wenn wie in dem Schwimmbad in Oberursel zu bestimmten Zeiten nur Besucherinnen Zutritt haben. Die Stadt Usingen versucht gerade herauszufinden, wie viele der weiblichen unter den 15.900 Einwohnern sich so ein Angebot wünschen – und warum. Erste Ergebnisse gibt es schon, aber die Umfrage unter den Usingerinnen hat erst vorige Woche begonnen und soll noch ein paar Monate laufen. Davon berichten die städtische Frauenbeauftragte Nadine Fork und Vertreterinnen des Ausländerbeirats am Donnerstag im Rathaus. Fork sagt, bevor die Stadt an den Kreis als Betreiber des Taunusbads herantrete, wolle sie erst einmal Daten sammeln. Die Idee kam vom Ausländerbeirat. Bei Veranstaltungen hätten ausländische Frauen den Wunsch nach einem Frauenschwimmen geäußert, sagt die Vorsitzende Kate Wagner. Also entwarfen Beirat und Frauenbeauftragte einen Fragebogen, der über einen QR-Code zugänglich ist. Der findet sich etwa auf Flyern, die bald in Usingen ausliegen und aushängen sollen. 93 Prozent Zustimmung bei Umfrage unter Frauen Schon jetzt haben sich 71 Frauen beteiligt. Der Ausländerbeirat hat die Umfrage unter Frauen verteilt, „die wir kennen“, wie die Engländerin Wagner berichtet. Auf die Frage „Würden Sie ein Schwimmbad besuchen, wenn es regelmäßig einen Frauentag ohne Männer gäbe?“ antworteten 93 Prozent mit Ja. Als Hauptgrund nannten 61 der 71 Frauen, sie fühlten sich unter Frauen wohler. 49 gaben religiöse oder kulturelle Motive an, mehr als 40 nannten körperliche Selbstsicherheit und Privatsphäre als Gründe. Etwa ein Drittel hat nach eigenen Angaben schlechte Erfahrungen mit männlichen Badegästen gemacht. Mehr als die Hälfte der Frauen besucht bisher nicht regelmäßig ein öffentliches Bad. Dabei ist es aus Sicht der Frauenbeauftragten wichtig, dass gerade Mütter gut schwimmen können, um auf ihre badenden Kinder aufpassen zu können, etwa am beliebten Hattsteinweiher. Eine Idee ist daher, das Frauenschwimmen mit Kursen zu kombinieren. Notwendig wäre es zudem, dass zu den Frauenschwimmzeiten immer eine Bademeisterin Dienst hätte – eine Personalfrage, mit der sich der Kreis dann befassen müsste, genauso wie mit der Frage eventuell längerer Öffnungszeiten. Die Frauen, die bisher abgestimmt haben, fänden den Samstag- oder Sonntagnachmittag bis 17 Uhr ideal für ein Frauenschwimmen. Da schließt das Bad derzeit um 15 Uhr. Jetzt gilt es herauszufinden, ob sich auch Usingerinnen ohne Migrationshintergrund und insgesamt genug Frauen eigene Badezeiten wünschen. Fork sagt, die Zahl müsste schon „im höheren dreistelligen Bereich“ liegen, um das Vorhaben anpacken zu können. Das Taunusbad liegt zentral am Schlossgarten, Frauen, denen es nach Oberursel zu weit ist, müssten also keinen längeren Weg auf sich nehmen. Im Oberurseler Taunabad, das im Dezember 2014 eröffnet hat, wird das Frauenschwimmen seit Januar 2015 angeboten. „Die Idee war und ist es, Frauen im Taunabad ein Zeitfenster zum Schwimmen in einem geschützten Bereich anzubieten, in dem sie nicht den Blicken von Männern ausgesetzt sind“, heißt es von den Stadtwerken. Manche hätten religiöse, andere gesundheitliche Motive. Aus Sicht der Stadtwerke wird das Angebot gut angenommen. Im Schnitt kämen 80 bis 120 Frauen, heißt es auf Anfrage. Das Kombibad mit Halle und Freibad bietet das Frauenschwimmen nur in der Wintersaison an, immer an zwei Sonntagen im Monat von acht bis zehn Uhr. Die Teilnehmerzahl sei über die Jahre recht konstant geblieben. Verändert habe sich, dass der Anteil muslimischer Frauen gestiegen sei. Inzwischen sei er sehr hoch: „Aus Befragungen wissen wir, dass die Frauen am Sonntagmorgen aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet anreisen.“
