FAZ 29.01.2026
16:53 Uhr

Gerüchte um Serena Williams: „Das ist kein Ja oder Nein“


Plant Serena Williams etwa ein Comeback als Tennisspielerin? Ihre Reaktion auf die Frage im amerikanischen Frühstücksfernsehen ist jedenfalls vielsagend. Andere haben ihr Urteil längst gefällt.

Gerüchte um Serena Williams: „Das ist kein Ja oder Nein“

Ein eher unterschätzter Vorteil der australischen Sonne ist der Schatten, den sie wirft. Für die Fotografinnen und Fotografen, die in den vergangenen Wochen bei den Australian Open ihrer Arbeit nachgingen, gibt es dadurch reihenweise spektakuläre Tennis-Motive abzulichten. Es gibt kein anderes Grand-Slam-Turnier, bei dem das Spiel zwischen Hell und Dunkel auf den Courts derart faszinierend ist. Wobei nun, da sich das Turnier in allen Konkurrenzen auf die Endspiele am Wochenende zubewegt, die Gelegenheiten seltener werden. Am Donnerstag standen in Melbourne die Halbfinals der Frauen auf dem Plan. Doch schon als Aryna Sabalenka, Weltranglistenerste und zweimalige Siegerin in Australien, die Ukrainerin Elina Switolina 6:2, 6:3 besiegte, stand die Sonne zu tief, um noch in die Rod Laver Arena zu scheinen. Etwa zwei Stunden später, um 23:07 Uhr Ortszeit, als dann auch die für Kasachstan startende Russin Jelena Rybakina die Amerikanerin Jessica Pegula 6:3, 7:6 (9:7) bezwungen hatte, hatte die Nacht längst begonnen. Und doch standen, wenn man so will, die Spielerinnen ein wenig im Schatten – im Schatten nämlich, den die übergroße Tennis-Ikone Serena Williams noch immer wirft. „Ich weiß auch nicht, ich werde einfach sehen, was passiert“ Williams, 44 Jahre alt und seit vier Jahren im Tennis-Ruhestand, war wenige Stunden zuvor Gast in der „Today Show“ gewesen, die so etwas wie Amerikas beliebtestes Frühstücksfernsehen ist. Dort plauderte sie ein wenig über ihren anstehenden Auftritt im Rahmen der Super-Bowl-Halbzeitshow, über die Hochzeit ihrer Schwester Venus und machte ein bisschen Werbung für eine Abnehmspritze, deren Testimonial sie ist. Dann kündigte die Moderatorin plötzlich an, dass sie ja fragen müsse, weil die tennisbegeisterten Kolleginnen und Kollegen sie sonst nicht in Ruhe ließen: Was es denn damit auf sich habe, dass sich Williams kürzlich wieder in das Anti-Doping-Programm der Tennis-Integritätsbehörde ITIA habe aufnehmen lassen? Plane sie etwa ein Comeback? Die Reaktion war vielsagend. Williams wirkte ein bisschen wie jemand, der seine eigene Überraschungsparty erst bis ins Detail geplant hat, dann aber trotzdem das überraschte Geburtstagskind spielt. Sie druckste herum: „Habe ich das? Ich wusste gar nicht, dass ich da abgemeldet war.“ Sie lachte, alberte mit den Menschen im Studio herum, sagte, dass ihr „aktueller Status Hausfrau“ sei, dass sie einfach Spaß habe und ihr Leben genieße. „Das ist kein Ja oder Nein“, sagte sie dann noch. „Ich weiß auch nicht, ich werde einfach sehen, was passiert.“ Noch immer der größte Name im Frauentennis Das alles klang allerdings viel zu anders als das, was sie noch Anfang Dezember zu dem Thema gesagt hatte, um nicht hochgradig verdächtig zu wirken. Damals hatte Williams noch recht scharf auf die aufkommenden Gerüchte reagiert. „Oh mein Gott, Leute, ich komme NICHT zurück. Dieses Lauffeuer ist verrückt“, schrieb Williams auf der Social-Media-Plattform X. Jetzt sagte sie, dass sie das gerade„nicht diskutieren“ könne, dass sie zwei Kinder und ein erfülltes Leben habe. Immerhin war sie sich mit der Moderatorin einig, dass man mit dem Gespräch nun wohl einige Schlagzeilen produziert habe. Denn viele in der Tennisszene haben ihr Urteil ohnehin längst gefällt. Jim Courier beispielsweise, ehemals Profi und Grand-Slam-Sieger, heute TV-Experte, sagte am Rande der Australian Open kürzlich: „Solange sie sich nicht verletzt, gibt es keinen Zweifel daran, dass sie irgendwann irgendwo wieder spielt.“ Die Belastungen, die es mit sich bringe, Teil des Anti-Doping-Programms zu sein, seien viel zu hoch, als dass man sich das freiwillig antue: „Niemand, der nicht die Absicht hat, professionell Tennis zu spielen, wird sich auf diese Liste setzen lassen. Insbesondere nicht jemand mit so viel Erfahrung.“ Dass Williams’ Spiel mit den Gerüchten nun ein derart großes Thema ist, ist zweifellos ein bisschen ungerecht gegenüber all jenen Spielerinnen, die in den vergangenen zwei Wochen in Melbourne um Punkte und Siege gespielt haben. Gegenüber Sabalenka und Rybakina, die nun an diesem Samstag in einer Neuauflage des Finals von 2023 um den Titel spielen. Aber Fakt ist: Serena Williams ist noch immer der größte Name im Frauentennis. Ein Comeback würde die Scheinwerfer wieder stärker auf das Frauentennis richten. Egal wie es aussieht. Denkbar ist etwa, dass sie sich genau wie ihre ältere Schwester Venus, die gerade in Australian bei ihrer Erstrundenniederlage einen Altersrekord für Grand-Slam-Turniere aufgestellt hat, als Teilzeitprofi auf Wildcards für ausgewählte Events verlässt. Oder dass sie gelegentlich gemeinsam mit ihrer Schwester im Doppel antritt, wie sie das besonders zu Beginn ihrer Karriere oft getan hatten. Als Sabalenka am Donnerstagabend über ihren vierten Finaleinzug bei den Australian Open in Serie sprach, wurde sie natürlich prompt auch auf Serena Williams angesprochen. Mehrmals sogar. Noch sei das zwar kein großes Thema unter den Spielerinnen, sagte sie. Aber im Bilde war sie offensichtlich auch. „Ich freue mich für sie, was immer Sie glücklich macht“, sagte Sabalenka. „Sie ist eine große Persönlichkeit und eine lustige Person. Das wird cool.“ Es klang nicht so, als sorgte sich Sabalenka, die derzeit beste Tennisspielerin der Welt, davor, die Aufmerksamkeit künftig wieder mit Williams teilen zu müssen. Denn wo Schatten ist, ist immer auch Licht – und im Falle von Serena Williams ist das sogar ähnlich hell wie die Sonne über Australien.