FAZ 08.05.2026
18:41 Uhr

Gerichtsprozess: Ex-Mitarbeiterin von Sam Altman: „Sie wollen dich nicht“


Der Rechtsstreit zwischen Elon Musk und Sam Altman wirft ein neues Licht auf eines der größten Führungsdramen der vergangenen Jahre im Silicon Valley. Eine prominente Zeugin zeichnet ein wenig schmeichelhaftes Bild von Altman.

Gerichtsprozess: Ex-Mitarbeiterin von Sam Altman: „Sie wollen dich nicht“

Sam Altman war verzweifelt. Es war November 2023, der Verwaltungsrat von Open AI hatte ihn abrupt als Vorstandschef entlassen, und er versuchte, die Entscheidung rückgängig zu machen. In einem Prozess im kalifornischen Oakland, in dem sich Altman und Elon Musk gegenüberstehen, wurde jetzt eine ganze Serie von Handy-Nachrichten publik, die er damals mit Mira Murati austauschte. Murati war übergangsweise zu seiner Nachfolgerin ernannt worden. Altman bombardierte sie mit panisch klingenden Nachrichten, in denen er um Updates von den Beratungen des Verwaltungsrats bat, von denen er offenbar ausgeschlossen war. Einmal fragte er, ob es „tendenziell gut oder schlecht“ für ihn aussehe, Murati antwortete: „Tendenziell sehr schlecht.“ Er bat darum, „hereinkommen“ und an den Gesprächen teilnehmen zu dürfen, Murati antwortete, der Verwaltungsrat wolle ihn nicht dabeihaben. Nur wenige Minuten später fragte Altman: „Wollen sie mich immer noch nicht?“ Murati antwortete: „Sie wollen dich nicht.“ Kurz danach schrieb sie, dem Verwaltungsrat sei es egal, wenn alle Mitarbeiter von Open AI kündigten. Altmans zwischenzeitlicher Rauswurf bei Open AI war eines der größten Führungsdramen im Silicon Valley in den vergangenen Jahren. Auch wenn es in Muratis Nachrichten zunächst nicht so klang, wurde er nach wenigen Tagen wieder auf seinen Posten zurückgeholt. Murati spielte in der Episode eine etwas undurchsichtige Rolle. Sie schloss sich einer Gruppe von mehreren Hundert Mitarbeitern an, die Altmans Rückkehr forderten und andernfalls mit ihrer Kündigung drohten. Allerdings berichteten Medien später, sie habe sich selbst vor Altmans Entlassung beim Verwaltungsrat über seinen Führungsstil beklagt und ihn als manipulierend beschrieben. Etwa ein Jahr nach dem Machtkampf verließ Murati Open AI, seither hat sie ein eigenes Unternehmen gegründet. Spielte Altman Manager gegeneinander aus? Murati sagte jetzt auch in dem Prozess in Oakland aus, wobei sie dies anders als viele andere Zeugen nicht vor Ort tat, sondern in einer Videoaufzeichnung. Sie gab darin eine wenig schmeichelhafte Beschreibung Altmans ab. Sie sagte, ihrer Meinung nach sei Altman nicht immer ehrlich zu ihr gewesen und habe ihre Arbeit untergraben. Er habe „Chaos“ angerichtet und Manager gegeneinander ausgespielt. Er habe „eine Sache zu einer Person und das komplette Gegenteil zu einer anderen Person“ gesagt. Murati sagte, Altmans Führungsstil sei auch nach seinem kurzzeitigen Rauswurf problematisch geblieben. Sie erklärte aber auch, dass sie dafür gewesen sei, ihn als Vorstandschef zurückzuholen. Der in der Technologiebranche mit Spannung verfolgte Prozess in Oakland begann vor rund zwei Wochen. Er geht auf eine Klage zurück, die Musk 2024 gegen Open AI und einige seiner Führungskräfte eingereicht hat, darunter Altman und Greg Brockman, der heute Präsident von Open AI ist. Musk war wie Altman und Brockman 2015 einer der Mitgründer von Open AI und hatte das Unternehmen anfangs maßgeblich mitfinanziert. Er hat es dann aber 2018 im Streit verlassen. Musk wirft seinen damaligen Mitgründern Vertragsbruch und ungerechtfertigte Bereicherung vor. Er argumentiert, dass Open AI seine Mission, Künstliche Intelligenz zum Nutzen der Menschheit zu entwickeln, kommerziellen Interessen untergeordnet habe. Musk stützt seine Argumentation vor allem darauf, wie Open AI im Laufe der Zeit seine Struktur verändert hat. Das Unternehmen wurde einst als nicht gewinnorientierte Organisation gegründet. 2019 wurde daneben ein Unternehmen mit Gewinnabsicht etabliert, das jedoch der ursprünglichen Gesellschaft unterstellt blieb. Im vergangenen Jahr wurde die Struktur nochmals angepasst. Open AI ähnelt nun stärker einem traditionellen Unternehmen und bereitet gerade seinen Börsengang vor. Musk fordert dreistelligen Milliardenbetrag – und Altmans Rücktritt Open AI weist Musks Anschuldigungen zurück und wirft ihm vor, eine „Belästigungskampagne“ zu führen, um einem Wettbewerber zu schaden. Der Anwalt von Open AI sagte in seinem Eröffnungsplädoyer, Musk habe seine Klage eingereicht, weil er seinen Willen nicht bekommen habe. Seine Mitgründer hätten die „Dreistigkeit“ besessen, Open AI ohne ihn zu einem Erfolg zu machen, und das habe ihm nicht gefallen. Musks Anwalt argumentierte, Open AI würde es ohne Musk nicht geben. Er warf Altman und Brockman vor, dass sie „eine wohltätige Organisation gestohlen“ hätten. Musk verlangt in seiner Klage den Rücktritt von Altman und Brockman. Er fordert außerdem die Rückzahlung „unrechtmäßiger Gewinne“ an die nicht gewinnorientierte Gesellschaft. Ein von ihm herangezogener Experte hat diesen Betrag auf 134 Milliarden Dollar beziffert. Muratis stellt Altmans Vertrauenswürdigkeit infrage Muratis Aussage ist relevant, weil sie Altmans Vertrauenswürdigkeit infrage stellt. Auch Musk selbst hat in dem Prozess schon ausgesagt. Er beschrieb sich als Opfer einer Intrige von Altman und Brockman. „Ich war ein Narr, der ihnen gratis Geld gegeben hat, um ein Start-up gründen zu können.“ Musk hat sich parallel zu dem Prozess auch auf seiner Plattform X geäußert. Er nannte Altman „Scam Altman“, also einen Betrüger. Altman war noch nicht im Zeugenstand, aber Brockman hat schon ausgesagt. Auf seinen Auftritt war mit Spannung gewartet worden, weil im Vorfeld des Prozesses ein Tagebucheintrag von ihm ans Licht gekommen war, der suggerierte, dass er Milliardär werden wolle. Brockman sagte jetzt im Gericht, dass es ihm nicht in erster Linie ums Geld gehe, sondern um die Mission von Open AI. Er erklärte allerdings auch, dass sein Anteil am Unternehmen heute einen Wert von 30 Milliarden Dollar habe. Die Auswahl der Geschworenen für den Prozess war nicht ganz leicht. Mehrere potentielle Geschworene äußerten sich in Fragebögen, die sie auszufüllen hatten, sehr negativ über Musk. Unter anderem wurde er als „Weltklassewiderling“ und „ein Stück Müll“ beschrieben. Auf einem anderen Fragebogen stand: „Elon sind Menschen egal.“ Musks Anwalt spielte in seinem Eröffnungsplädoyer auf solche Voreingenommenheiten an und sagte über Musk: „Ob man ihn mag oder nicht mag: Man kann nicht bestreiten, dass er eine Legende in der Technologiewelt ist.“ Musk hat offenbar in letzter Minute noch einen Versuch unternommen, den Rechtsstreit einvernehmlich zu beenden. Wie aus einem Gerichtsdokument hervorgeht, schrieb er zwei Tage vor Beginn des Prozesses eine Nachricht an Brockman und fragte ihn, ob er an einem Vergleich interessiert wäre. Brockman habe daraufhin vorgeschlagen, dass beide Seiten alle ihre Ansprüche fallen lassen könnten. Dies kam für Musk offenbar nicht infrage, und er schrieb zurück: „Bis Ende der Woche werdet Sam und du die meistgehassten Männer in Amerika sein.“