FAZ 26.01.2026
13:05 Uhr

Gerd Knebel gestorben: Der wo da so lustig war


Mit der Gruppe Flatsch! und dem Comedyduo Badesalz hat er das Hessische in ganz Deutschland bekannt gemacht. Nun ist der Comedian und Musiker Gerd Knebel im Alter von 72 Jahren gestorben.

Gerd Knebel gestorben: Der wo da so lustig war

Die Aufforderung „Busfahrer, zieh die Jacke aus“ mag wie eine Drohung klingen, doch auf den Schulhöfen im Rhein-Main-Gebiet der Achtzigerjahre galt sie eher als Code: „Haha, du weißt, wie isch mein’. Ganz mein Humor!“ Die Sentenz wies einen als Wissenden aus, als einen, der einen sagenhaften Sketch womöglich schon einmal live gesehen hatte. Dieser von zwei Männern gespielte Sketch handelte grob vom Besuch eines Volkszählers bei einer Privatperson. Dieser Besuch eskaliert, weil sich der Befrager am offerierten alkoholfreien (!) Bier besäuft. Das ist schön albern, verknüpft aber auch geschickt die damalige Skepsis vor der Volkszählung 1987, gegen die es 1983 Massenproteste gab, mit einer seinerzeit weitverbreiteten Fernsehwerbung für Bier der Marke Clausthaler sowie der Angewohnheit des Möbelhändlers Ikea, jedem Objekt einen Namen zu geben, so auch einem Stuhl, der in diesem Sketch ebenfalls eine Rolle spielt, weil ihn der bierselige Befrager namens Herbert zu seinem stummen Trinkkumpan erklärt. Darsteller dieses Sketches waren keine ausgewiesenen Schauspieler, sondern zwei Männer, die bis dahin vor allem als Musiker bekannt waren: Henni Nachtsheim, Sänger und Saxophonist bei den Rodgau Monotones, und Gerd Knebel, Frontmann extraordinaire bei der Gruppe Flatsch! Bei beiden Gruppen spielten humoristische Texte und die Verwendung des südhessischen Dialekts (RMV-Hessisch, um genau zu sein) eine große Rolle, bei Flatsch! zudem auch kleine Szenen zwischen den Liedern, doch die Festzelte und Gemeindesäle rund um Frankfurt füllten sie eben mit Rockmusik, die im Falle von Flatsch! stets auch mit einer staunenswerten Bühnenshow einherging. Knebels Erfolg mit TV-Sketch-Shows wie „Och joh“ Ihre Bekanntheit als Musiker sicherte Knebel und Nachtsheim von Anfang an großes Interesse, als das Wort die Runde machte, die beiden Freunde würden unter dem Namen Badesalz auch ein wortlastiges Bühnenprogramm bieten. Manche Quellen behaupten, der erste Badesalz-Auftritt soll am 24. Dezember 1982 im Frankfurter Sinkkasten gewesen sein, andere meinen, das Duo schon vorher einmal in Hanau gesehen zu haben, doch waren Gastspiele der beiden als Badesalz in den nächsten Jahren eher sporadisch, weil sie mit ihren Bands nun in ganz Deutschland auftraten. Als sich mit der Zeit das große Interesse am Thema Dialekt-Rock erschöpfte und viele Protagonisten dieser Welle wieder zu von ihren Fans weiterhin innig geliebten Lokalmatadoren wurden, begann hingegen für Badesalz erst die eigentliche Karriere. Mit den TV-Sketch-Shows „Och joh“ (1990, ARD) und „Comedy-Stories“ (1999–2000, Sat.1) erreichten sie ein Millionenpublikum, traten sogar bei Rock am Ring auf und heimsten Goldene Schallplatten für die Verkäufe ihrer Alben ein, auf denen sie ihre Gags versammelten, die nicht nur das Hessische, sondern auch Figuren wie den „Pappa“ und dessen 42 Jahre alten Ingenieurssohn in ganz Deutschland bekannt machten. Auch in zahlreichen Bühnenprogrammen, vom „Super Dong Dong“ in den Achtzigerjahren bis zu den „Kaksi Dudes“, die ab 2019 aufgeführt wurden, präsentierten Knebel und Nachtsheim Abziehbilder jener leutseligen Zeitgenossen, die von nichts eine Ahnung haben, davon aber viel, und nicht zuletzt deshalb forsch darauf losplappern. Die teils irrwitzigen Wendungen der Dialoge waren dabei nicht selten Knebels Spontanität zu verdanken, der sich weder für Kalauer noch für flache Witze zu schade war, mit so manchem Geistesblitz aber selbst Uraltwitze wie jene Frage nach der Lieblingsbehausung von Katzen (Antwort: Mietshäuser) mit der Gegenfrage „Welcher Vermieter?“ in neue Höhen der Absurdität treiben konnte. Als ein großer Freund schwarzen Humors war Knebel, der seit Langem in der hessischen Stadt Rodgau lebte und zwei Kinder hat, abseits der freundlichen Badesalz-Späße auch mit eher garstigen Soloprogrammen wie „Wörld of Drecksäck“ auf den Kabarettbühnen unterwegs, bei denen man eher zweimal schlucken musste, als sich vergnügt auf die Schenkel zu schlagen. Diesen Hang zum schwarzen Humor lebte er auch in verschiedenen musikalischen Projekten aus, sei es in der Deutschrockband Angst vor Clowns, in der englischsprachigen Formation Giftdwarf oder beim Rap-Projekt Dirty Dabbes. Eher eine Knebel-typische Skurrilität war sein letzter musikalischer Streich als auf Spanisch singender Gerdo Sintrenza, wobei der Nachname „Ohnezopf“ auf seinen markanten haarlosen Schädel anspielte. Podcast mit dem Titel „Die Badesalz-Story“ Den wird man nicht mehr auf den Bühnen erleben können. Wie am Sonntag bekannt geworden ist, ist Gerd Knebel am 24. Januar nach einer schweren Krebserkrankung gestorben. Er wurde 72 Jahre alt. Wie sein Freund Henni Nachtsheim auf der Facebook-Seite von Badesalz mitteilt, haben er und Knebel noch einen zwölfteiligen Podcast mit dem Titel „Die Badesalz-Story“ produziert, der in den nächsten Monaten veröffentlicht werden soll.