FAZ 06.12.2025
09:46 Uhr

George Clooney & Adam Sandler: „Ich sag Ihnen, Sie wollen nicht mit einem Mann in Bikershorts ringen!“


George Clooney ist – nun ja, eben George Clooney. Adam Sandler ist ein Meister des deftigen Humors. Was passiert, wenn diese beiden aufeinandertreffen? Ein Gespräch über Lars Eidinger, zugfahrende Filmstars – und wie viele Anzüge der Mensch braucht.

George Clooney & Adam Sandler: „Ich sag Ihnen, Sie wollen nicht mit einem Mann in Bikershorts ringen!“
Mitglieder des Impfberater-Ausschusses der Gesundheitsbehörde CDC während der Beratungen in Atlanta, Georgia. Berichten zufolge gab es in dem Gremium heftige Debatten. (Foto: Alyssa Pointer/REUTERS)

Erst langes Warten im virtuellen Vorraum, dann springt der kleine Ausschnitt der Zoom-Kamera plötzlich ins Vollbild: George Clooney sitzt links, Adam Sandler rechts neben ihm. Der Hintergrund schwimmt in pfirsichfarbenem Weichzeichner, die beiden Hollywood-Stars sind von London aus zugeschaltet. Sandler fummelt an der Laptopkamera, ändert den Winkel. Sandler: Ich hoffe, das verwischt auch meinen Unterkörper. Warum, tragen Sie etwa keine Hosen? Clooney: Ich nicht. Sandler: George trägt nie Hosen. Clooney: Niemals! Als ich Ihren neuen, gemeinsamen Film „Jay Kelly“ im Sommer in Venedig beim Filmfestival gesehen habe, war ich überrascht, dass es solch ein klassischer Hollywoodfilm ist – ein Roadmovie, aber im Zug. Erinnerte mich sehr an Hitchcock. War das ein guter Ort, um den Star, den Sie spielen, Mr. Clooney, auf Augenhöhe mit seinem Publikum zu bringen? Clooney: Sie haben recht, es hat diesen fast schon altmodischen Vibe. Ich jage in dem Film ja meiner Tochter hinterher, die den Bohemien-Lebensstil ausprobieren will. Ein Flugzeug hätte da zu viel Geld ins Spiel gebracht, deshalb der Zug. Erinnern Sie sich beide, wann Sie das letzte Mal im echten Leben in einem Zug unterwegs waren? Clooney: Ich nehme sehr häufig den Zug zwischen London und Paris. Und ich bin bestimmt alle zwei Wochen mit dem Zug von Aix-en-Provence nach Paris unterwegs. Ich fahre immer Zug. Sandler: Ich nehm die U-Bahn in New York. Das zählt als Zug, oder? Clooney: Klar. Sandler: Nicht der bestriechende Zug, aber ein Zug! Wie bleiben Sie dabei unerkannt? Clooney: Ach, manchmal sagen Leute „Hallo“. Die reden ganz normal mit uns. Sandler: Ja, das ist alles sehr zivilisiert. Sie sind also noch nie einem Taschendieb zum Opfer gefallen wie dem von Lars Eidinger im Film gespielten? Sandler: Vielleicht, aber dann ist es mir noch nicht aufgefallen. Clooney: Ich hab ihm gerade das Portemonnaie geklaut. Sandler: Mein Handy, meinen Pass, alles . . . Clooney: Dein gesamter persönlicher Kleinkram ist jetzt in meinem Besitz. Wie war’s denn, mit Lars Eidinger zu arbeiten? Clooney: Was für ein toller Schauspieler. Sandler: Als wir gedreht haben, vor zwei Jahren, war er gerade in Deutschland für einen Preis nominiert. Und just als wir die Verfolgungsszene nach dem Taschenraub im Zug drehen wollten, haben sie die Preisträger bekannt gegeben. Lars hat das auf seinem Smartphone verfolgt und leider nicht gewonnen. Und direkt danach haben wir ihn aus dem Zug jagen müssen . . . Clooney (lachend): Ich glaube, er hat bei der Kampfszene mit mir ein bisschen härter zugeschlagen als geplant. Aber nein, im Ernst, der kann wirklich alles spielen, von Shakespeare bis zur Film­komödie. Wir waren uns sehr bewusst, dass er uns schauspielerisch überlegen ist. Sandler: Er war so emotional bei jeder Aufnahme; bei jeder Klappe war er komplett in seiner Figur verschwunden. Und ich kann Ihnen verraten, der ist stark! Man sieht es ja ein wenig im Film, wenn er da in Bikershorts losrennt – diese Waden! Clooney: Ich sag Ihnen, Sie wollen nicht mit einem Mann in Bikershorts ringen! Sandler: Vor allem nicht mit Lars! Mr. Clooney, Sie haben mal erzählt, dass Sie als Kind an einer Lähmung gelitten haben . . . Clooney: Oh ja, die Hälfte meines ­Gesichts war gelähmt. Sandler: Wie lange ging das? Clooney: Sechs Monate. Und Sie sagten, diese Zeit sei für Ih­ren Humor prägend gewesen, weil Sie lernten, über sich selbst zu lachen. Clooney (das Gesicht zu einer Grimasse verziehend): Klar, wenn man über Monate nur so nuscheln kann, muss man sich über sich selbst lustig machen. Das hat auf jeden Fall dazu beigetragen, dass ich über mich selbst lachen kann. Aber das hatten mir meine Eltern sowieso schon beigebracht. Ich mach das heute noch. Sandler: Du bist ziemlich gut darin. Mr. Sandler, wie war das bei Ihnen? Wie haben Sie gelernt, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen? Sandler: Das lief ähnlich, meine Familie hat mich gern geneckt. Die war sehr gut darin, das Leben nicht zu ernst zu nehmen. Clooney: Hören Sie, fairerweise muss man sagen, er nimmt sich selbst sehr ernst. Sandler (lachend dazwischen): Nur andere Leute tun das eben nicht. Und wann haben Sie entschieden, dass sich daraus eine Karriere stricken lässt? Sandler: Das war Glück. Ich wusste nicht, was ich mit meinem Leben anstellen sollte. Ich habe mich bei Colleges beworben und sagte zu meinem Bruder, mit dem ich ein Zimmer teilte: Welches Hauptfach soll ich denn belegen? Er antwortete: Du solltest Komiker werden. Clooney: Hat er dich dann nicht zu ei­nem open-mic-Wettbewerb mitgenommen? Sandler: Genau, er fuhr mit mir nach Boston, zu ’nem open-mic. Und da hab ich angefangen. Clooney: Und hast du das Publikum gleich beim ersten Mal von den Socken gehauen, oder war’s ein Desaster? Sandler: Ich bin die ersten Jahre beim Publikum nur durchgefallen. Es war furchtbar; ich weiß nicht, warum ich überhaupt weitergemacht habe. Aber ich mochte es, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben etwas hatte, dem ich mich komplett hingeben konnte. Ich wusste, dass ich niemals ein professioneller Athlet sein würde. Das war mein Traum als Kind gewesen, bis mein Vater mich beiseitenahm und sagte: Das wird leider niemals klappen. Also war ich froh, dass ich etwas gefunden hatte, das für mich funktionierte. Mr. Clooney, in „Jay Kelly“ spielen Sie einen Star, der von seiner Karriere langsam Abschied nimmt – Kollegen spekulierten in ­Venedig schon, ob Sie selbst nun ­verkünden würden, dass Sie die Schauspielerei an den Nagel ­hängen. Haben Sie je darüber nachgedacht? Oder sich Gedanken ­gemacht, was Ihr Vermächtnis wäre? Clooney: Ich bin jetzt 64 Jahre alt, wahrscheinlich sollte ich das langsam mal tun. Aber ich schau nicht oft zurück. Ich habe zwei acht Jahre alte Kinder – ich weiß, ich hab damit spät angefangen –, aber mein Fokus liegt auf der Zukunft. Und ich genieße sehr, dass das so ist. Das mit dem Vermächtnis bestimmen andere Leute; darüber hat man selbst keine Kontrolle. Ein paar Sachen haben sich für mich im Laufe der Jahre verändert, ich muss nicht mehr so hart nach einem guten Job suchen wie zu Beginn meiner Karriere. Und ich muss nicht mehr ­darum kämpfen, eine vernünftige Gage zu bekommen, wie das fast 20 Jahre lang der Fall war. Aber ich finde es eben ­gerade sehr angenehm, dass ich noch ­immer nach vorn schauen kann und ­etwas in diesem Beruf finde, auf das ich mich freue und das ich zuvor noch nicht getan habe. Sandler: Was für ein Glück es ist, wenn so was passiert. Wenn man etwas angeboten bekommt, das einen interessiert und das völlig neu ist, und man kann dem einfach nachgehen. Ich schaue auch nicht zurück; ich denke nicht darüber nach, was die Leute denken werden, wenn’s mich mal nicht mehr gibt. Clooney: Ich glaube, sobald man aufhört, nach vorn zu schauen, und sich auf die Vergangenheit versteift, ist man in der falschen Richtung unterwegs. Ich kenne viele Leute, die zu viel an Vergangenem festhalten, und ich finde das selten hilfreich. Schauen wir also nach vorn. Das kann leider auch beängstigend sein, denn gerade diskutiert die Filmbranche viel über den Einsatz von KI. Was können Schauspieler und Regisseure dagegen tun? Clooney: Nicht viel derzeit. Diesen Geist bekommen wir so schnell nicht mehr in die Flasche zurück. Dieses „Sora 2“ . . . Eine App, mit deren Hilfe sich Filmclips generieren lassen. Clooney: Das ist echt gruselig; damit ist es möglich, dass Leute Videos schaffen, in denen sie in Wimbledon gegen Rafael Nadal Tennis spielen – und es sieht absolut echt aus! Ich glaube, es könnte darauf hinauslaufen, dass bekannte Leute ihre Körper komplett einscannen lassen und das dann lizenzieren, sodass man das nicht mehr klauen kann. Ich bin jetzt aber auch nicht scharf darauf, dass ich 30 Jahre nach meinem Tod einfach in einer Tamponwerbung auftreten könnte. Die Möglichkeit, dass so ein Schund passieren kann, gibt es nun. KI wird aber an ähnliche Probleme stoßen, wie wir sie in Hollywood sowieso schon haben: Es ist nicht so einfach, einen Star zu erschaffen. Es ist einfach, jemanden eine Rolle füllen zu lassen. Aber wieso jemand zum Star wird, das lässt sich nicht so einfach bestimmen. Ich kann es auch nicht sagen, wie das funktioniert. Als „Sora 2“ vor knapp zwei Monaten auf den Markt kam, hat es ein Erdbeben in unserer Branche ausgelöst; die Studios und Agenten gerieten in Panik, denn damit kann man Filme, vor allem so etwas wie „Spiderman“, einfach selbst machen, sehr schnell, sehr billig. Und das ist beängstigend, denn unsere Branche macht mit solchen Filmen viel Geld. In Ihrer Branche sieht es wahrscheinlich ähnlich aus? Durchaus. Clooney: Meine Frau ist Anwältin, und inzwischen gibt es KI-Richter, die innerhalb von zwei Minuten mit einer Genauigkeit von 98 Prozent vorhersagen können, ob ein Urteil „Schuldig“ oder „Nicht schuldig“ lauten wird. Sandler: Echt? Clooney: Es ist beängstigend. Ihre Frau fürchtet das also auch? Clooney: Alle haben gerade davor Angst. Jetzt haben Sie uns hier auch Angst eingejagt. Tut mir leid, ich versuche die ­Stimmung mit meiner letzten Frage wieder zu heben: Mr. Sandler, die „Vogue“ hat Sie vor vier Jahren zur Stilikone ernannt, wegen Ihres entspannten „Schnell mal zum Gemüseladen gehen“-Looks. Sandler (auf Clooneys weißes Poloshirt zeigend): Können Sie meinen Einfluss erkennen? Ich wollte Sie eigentlich fragen, ob Sie beim Dreh etwas von Mr. Clooney über Stil gelernt haben, denn er sieht im Film wie immer tadellos aus. Sandler: Ich sag Ihnen, was der Unterschied ist: Wenn ich in ein Geschäft gehe, die Kleidung an einer Puppe sehe und denke: Mann, das sieht cool aus, das will ich haben. Dann probiere ich es an, und es passt nicht zu mir, es fühlt sich nicht richtig an. Mein Freund Clooney hier, der ist diese Schaufensterpuppe. Bei ihm sitzt alles perfekt, was er anzieht, und er sieht verdammt cool aus. Clooney: Das stimmt nicht. Adam trägt bei unseren Premieren sehr elegante Anzüge, er sieht darin sehr gut aus. Ich mag diesen Look bei ihm. Sandler: Das ist sehr nett von dir, Mann. Du hast übrigens meine Frau in der Annahme bestärkt, dass ich mich gern so anziehe. Gestern bin ich in London eine Straße runtergelaufen, und sie zeigte begeistert auf die Anzüge im Fenster eines Herrenausstatters. Und ich sagte nur: Ich geh da jetzt nicht rein, ich habe genug Anzüge, ich brauche keine weiteren. Clooney hat mich dazu gebracht, 13 Anzüge zu kaufen. Clooney: Einen Anzug, du hast nur drei verschiedenfarbige Krawatten. Sandler: Wenn man den umdreht, geht der als zwei Anzüge durch. Clooney: Okay, du hast zwei Anzüge und fünf Krawatten. Sandler: Stimmt. Clooney: Statt ihm Modetipps zu geben, trage ich selbst jetzt weite kurze Hosen. Sehr bequem. Sandler: Du hast auch tolle Waden. Das mag der Grund sein, warum Sie niemand im Zug erkennt. Sandler: Ja, Clooney in Adam-Sandler-Klamotten, damit rechnet niemand.