FAZ 25.01.2026
14:13 Uhr

Genaue Prüfung: Fürstliches Geschenk mit Lasten


Die Übertragung von wichtigen Vermögenswerten des Hauses Hessen an das Land könnte ein Geschenk für die Allgemeinheit sein. Aber die Risiken müssen transparent gemacht werden.

Genaue Prüfung: Fürstliches Geschenk mit Lasten

Was für eine große Idee: Es ist unbestritten, dass das Schloss Fasanerie und das Schloss Friedrichshof kulturelle Leuchttürme sind, deren Verfall keine Landesregierung zulassen sollte. Die Prüfung dieser Transaktion, die nun beginnen soll, ist sinnvoll, und sie muss akribisch sein. Denn die Konstruktion des Geschenks, das der Landgraf von Hessen dem Land machen will, wirft durchaus auch Fragen auf. Während die verlustreichen Schlösser an das Land gehen sollen, ist in den vorliegenden Dokumenten von anderen, potentiell profitablen Assets des Hauses – etwa dem Weingut Prinz von Hessen oder großen landwirtschaftlichen Flächen in Schleswig-Holstein (Gut Panker) – nicht die Rede. Eine eingehende Prüfung, eine „Due Diligence“, müsste klären: Behält die Familie die „Cash Cows“ und übergibt die „Cash Burner“? Ein besonders heikler Punkt ist das Schlosshotel Kronberg. Die Übernahme der Immobilie und des Betriebs impliziert, dass das Land Hessen faktisch zum Betreiber eines Luxushotels wird. Zwar ist das Land über Staatsweingüter oder Staatsbäder durchaus unternehmerisch tätig, doch der Betrieb eines Fünfsternehauses in einem denkmalgeschützten Schloss ist ein Hochrisikogeschäft. Die notwendigen Investitionen in Millionenhöhe wären erst der Anfang. Und: Die Überführung privater, oft schlanker Stiftungsstrukturen in den öffentlichen Dienst führt selten zu Kostensenkungen. Trotz aller Kritikpunkte muss man aber auch die Alternative betrachten. Was passiert, wenn das Land „Nein“ sagen würde? Das Haus Hessen macht deutlich, dass es die Last nicht mehr tragen kann. Ein scheibchenweiser Ausverkauf oder ein Investitionsstau, der die Bausubstanz gefährdet, wäre die Folge. Das Land stünde dann vor dem kulturpolitischen Desaster, tatenlos beim Verfall nationalen Erbes zugesehen zu haben. Insofern hat Donatus von Hessen einen starken Hebel: Er bietet dem Staat die Rettung des Erbes an, bevor es zur Ruine wird. Der Wert von 450 Millionen Euro ist real – er ist nur nicht liquide. Es ist gebundenes Vermögen, das man nicht essen, aber sehr wohl bestaunen kann. Für das Land Hessen kann dieser „Deal“ sinnvoll sein, aber: Die Trennung von profitablen und unprofitablen Unternehmensteilen des Hauses muss transparent gemacht werden. Und: Der Betrieb des Hotels muss so gestaltet werden, dass das unternehmerische Risiko nicht beim Steuerzahler liegt. So, aber nur so, könnte die Übernahme von Fasanerie und Friedrichshof ein Gewinn für die Allgemeinheit sein – ein öffentliches Erbe, das allen Hessen gehört.