Geld für den Präsidenten! Das ist ein heikles Thema im deutschen Sport. Nicht im Fußball auf höchster Ebene. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Bernd Neuendorf, erhält vom Dachverband rund 250.000 Euro im Jahr. Sein Kollege Gianni Infantino als gewählter Chef des Weltfußballverbands ein paar Millionen. Aber dort, wo Männer und Frauen der Ehre wegen ein Amt im Sport übernehmen und in ihrer Freizeit am Schreibtisch sitzen oder durch die Lande ziehen, bewegt die Diskussion die Gemüter: eine Vergütung fürs Ehrenamt? Zu dieser Reform könnte es am Samstag auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) kommen. So steht es im Beschlussvorschlag unter Tagesordnungspunkt 14.4.5: „Der Verband ist ermächtigt, für Präsidiumsmitglieder angemessene Aufwandsentschädigungen für Arbeits- und Zeitaufwand zu gewähren.“ Das würde im Fall der Zustimmung von 2027 an gelten. 2000 Euro im Monat für den Präsidenten Ein altes Thema. Den Kandidaten um die Nachfolge des 2021 zum Rückzug gedrängten DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann war versprochen worden, dass die Finanzierung geregelt werde. Daraus wurde nichts. Hörmanns Nachfolger Thomas Weikert zog 2023 einen entsprechenden Antrag kurzfristig zurück. Seitdem kreiste eine eigens eingesetzte Kommission um die Frage und gebar nun eine Antwort: In Zukunft soll es im Amt des Präsidenten nach gesicherten Informationen der F.A.Z. 2000 Euro im Monat geben, alle anderen Präsidiumsmitglieder bekämen 1000 Euro. Auch jene, die nicht von der Mitgliederversammlung ins Präsidium gewählt werden, sondern qua Amt zum Präsidium gehören wie etwa das IOC-Mitglied Michael Mronz. Sie auszuschließen, ist diskutiert, aber verworfen worden. 2000 Euro im Monat. Das erscheint weder Fisch noch Fleisch. Eine Aufwandsvergütung gilt längst als gerecht, wenn nicht sogar dringend notwendig, weil der Einsatz, vor allem für den Präsidenten oder eine künftige Präsidentin, einen parallel ausgeübten Beruf kaum zulässt. Weikert, Rechtsanwalt mit kleiner Kanzlei in Limburg, ist rund 190 Tage im Jahr für den DOSB unterwegs, obwohl das Präsidium inzwischen „nur noch“ als Aufsichtsgremium verstanden wird. Er könne doch weniger machen, behaupten Gegner mit Verweis auf die Rolle. Den Präsidenten, heißt es im DOSB, wolle aber jeder sehen, in Deutschland und nun im Zuge der Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele auch im Ausland. Die Protagonisten einer Vergütung sehen in der Fortsetzung des Ehrenamtes unter diesen Bedingungen eine Selbstbeschränkung, weil viele Interessierte und Fähige sich den Job nicht leisten könnten oder wollten. Bislang orientiert sich der DOSB am Reisekostengesetz (für Beamte), zahlt Weikert 250 Euro pro Monat gegen Belege und stellt ihm einen Dienstwagen zur Verfügung. Nur noch Reiche oder Freigestellte mit Rückkehrrecht an der Spitze? Die Freunde einer angemessenen Bezahlung versprechen sich von der Reform eine höhere Attraktivität des Amtes. Sie spekulieren auf das Interesse talentierter Führungspersönlichkeiten, die zwar wenig Durchgriffsrechte und das hohe Risiko, ständig von der Meckergesellschaft angezählt zu werden, nicht scheuen, aber dafür ungern draufzahlen wollen. Was man für 24.000 Euro im Jahr bekommt? Vielleicht am Samstag eine Satzungsänderung. Die überschaubare Monatspauschale erscheint gering genug, die Empörung über den Verlust des Selbstverständnisses einer Ehrenamtsgesellschaft im Zaum zu halten. Wie zu hören ist, werden sich Landessportbünde nicht querstellen. Was mit ihrer Professionalität zusammenhängt. Dort gibt es längst bezahlte Chefs an der Spitze. Die großen Spitzenverbände sollen auch nicht abgeneigt sein. Widerstand leisten eher die kleineren – auch mit Hinweis auf die Finanzierung. Steuergelder dürfen nicht investiert werden. Die Summe wird von den Mitgliedsbeiträgen abgezwackt. Zurzeit zählt der DOSB 29,3 Millionen Mitgliedschaften, ein Rekord. Am Samstag ist mit Widerspruch im Plenum – sonst selten – zu rechnen. Für den Antrag, die Satzung zu ändern, müssen zwei Drittel der anwesenden Delegierten stimmen. Das ist die größte, nicht zu unterschätzende Hürde. Dann aber ist das Spiel frei für jene, die aus strategischen Gründen 2000 Euro für einen guten Einstieg halten. Mit einfacher Mehrheit der Delegierten könnte die Pauschale in Zukunft gesteigert werden.
