FAZ 29.12.2025
11:12 Uhr

Gegen Musk und Zuckerberg: Chaos Computer Club regt „digitalen Unabhängigkeitstag“ an


Die Hacker-Vereinigung plädiert für mehr Unabhängigkeit von den amerikanischen Tech-Plattformen. Unterstützung bekommt sie etwa vom Autor der „Känguru-Chroniken“.

Gegen Musk und Zuckerberg: Chaos Computer Club regt „digitalen Unabhängigkeitstag“ an

Der Chaos Computer Club und viele weitere Organisationen haben zu einem monatlichen „digitalen Unabhängigkeitstag“ aufgerufen. Vom 4. Januar an will das Bündnis an jedem ersten Sonntag im Monat Menschen dazu ermuntern, ihre digital genutzten Plattformen kritisch zu hinterfragen und zu Angeboten zu wechseln, die es demokratiefreundlicher einschätzt. Dies teilten die Aktivisten im Rahmen des Chaos Communication Congresses in Hamburg mit. Ziel der Aktion sei es, die Demokratie zu schützen. „Mir dem Digital Independence Day wollen wir Vielfalt und Freiheit stärken, weil es dringend nötig ist“, sagte Björn Staschen, Mitgründer von Save Social. Die Initiative koordiniert den „digitalen Unabhängigkeitstag“ („Di.Day“). Zu den Befürwortern gehört auch Schriftsteller Marc-Uwe Kling, der unter anderem die „Känguru-Chroniken“ verfasste. „Unser digitales Leben befindet sich in der Hand weniger Superreicher“, sagte Kling laut Mitteilung zum „Di.Day“. Mit der Monopolstellung ihrer Unternehmen bestimmten Menschen wie Elon Musk, Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg rund um den Globus, wie sich die Menschen online informierten, wie sie diskutierten, kommunizierten oder handelten. „Einen solchen unkontrollierten Einfluss sollte kein Mensch und kein Unternehmen besitzen, weil wir dann nicht mehr in Freiheit leben können.“ Mit dem „Di.Day“ soll beispielsweise erreicht werden, dass Menschen zu unabhängigen digitalen Angeboten wechseln, die besseren Datenschutz bieten. Das könnten datenschutzfreundliche E-Mail-Anbieter, unabhängige Messenger wie Signal und Browser wie Firefox und Ecosia sein, teilte das Bündnis weiter mit. Eine visuelle Anleitung, sogenannte Wechsel-Rezepte, hat Illustrator Florian Biege („Stadt der träumenden Bücher“, „Normal und die Zero Heroes“) für die „Di.Day“-Internetseite illustriert. Noch bis zum Dienstag treffen sich rund 16.000 Menschen auf dem 39. Jahreskongress des Chaos Computer Clubs in Hamburg. Auf dem Programm finden sich insgesamt 165 Vorträge, teils als nächtliche Veranstaltungen. Der Chaos Computer Club ist den Angaben zufolge die größte europäische Vereinigung von sogenannten White-Hat-Hackern. Um Betroffene vor Schaden zu schützen, melden Mitglieder des CCC Schwachstellen in Datensystemen an die Verantwortlichen, damit diese Lücken geschlossen werden.