Die Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten bringen in diesem Sommer nicht nur ein Autorennen und Mixed-Martial-Arts-Kämpfe in die Innenstadt Washingtons. Es sollen auch noch mehr Soldaten der Nationalgarde in der Hauptstadt eingesetzt werden. Man wolle sicherstellen, dass Washington zum Jubiläum die „sicherste Stadt in Amerika“ sei, hieß es jüngst in der Ankündigung der Bezirksstaatsanwaltschaft. Geplant ist der Einsatz weiterer 1500 Nationalgardisten, dann insgesamt etwa 5000. Ein Bericht der moderaten Washingtoner Denkfabrik „Niskanen Center“ stellt jedoch infrage, wie groß der Einfluss der Soldaten auf die Kriminalität in der Stadt tatsächlich ist. Laut den Forschern gab es eine messbare Verbesserung: So seien seit der Entsendung von 2000 Nationalgardisten im August 2025 knapp ein Viertel weniger Gelegenheitsdiebstähle verzeichnet worden. Keine messbaren Veränderungen soll es allerdings im Falle von Gewaltverbrechen gegeben haben. In der Untersuchung heißt es: „Was die Nationalgarde bewirkt hat, war ein massiver plötzlicher Schock durch die Sichtbarkeit uniformierter Militärangehöriger auf den Straßen von Washington.“ Bei Gelegenheitsdelikten scheine diese Taktik gewirkt zu haben – allerdings nicht im Falle von Gewaltverbrechern, die von der bloßen Präsenz patrouillierender Beamter weniger abgeschreckt werden. Nicht in Brennpunkten unterwegs Präsident Donald Trump hatte die Nationalgarde im vergangenen Jahr mit der Begründung nach Washington beordert, die Stadt werde von Gewaltverbrechen „heimgesucht“, sei eine „nationale Schande“ und einer der gefährlichsten Orte der Welt. Die aktuelle Kriminalitätsstatistik der Polizei verzeichnet einen Rückgang von Gewaltverbrechen von drei Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr. Doch die Zahl war ohnehin rückläufig: Sie ging im Vergleich von 2024 zu 2025 um 29 Prozent zurück. Die Nationalgarde, das hält auch der Bericht fest, patrouilliert dieser Tage vor allem an Orten des öffentlichen Lebens: in Parks etwa, um Denkmäler herum und an Knotenpunkten wie dem Hauptbahnhof in Washington. Im Gegensatz zur Polizei dürfen die Soldaten Personen festhalten, allerdings niemanden festnehmen; auch das dürfte dazu beitragen, dass ihre Abschreckungswirkung begrenzt ist. Das „Niskanen Center“ schreibt, die Nationalgardisten seien „nicht in Brennpunkten mit hoher Kriminalitätsrate“ unterwegs und deswegen auch nicht in der Lage, gezielt gegen Gewalt in den am stärksten benachteiligten Vierteln der Stadt vorzugehen. Der Einsatz sei „keine Verschwendung“ gewesen, wohl aber ein „teures Instrument, das an den falschen Orten für die falschen Arten von Verbrechen eingesetzt wurde“. Die Patrouillen, so die Denkfabrik, hätten auch nicht dazu beigetragen, Kapazitäten innerhalb der Washingtoner Polizei für Orte mit hoher Kriminalitätsrate freizumachen. Stattdessen sei das Einsatzgebiet des Metropolitan Police Departments „im Wesentlichen unverändert“ geblieben. Laut einer Schätzung des Kongresses kostet der Einsatz der Soldaten bislang rund 1,5 Millionen Dollar pro Tag. Diese Zahl dürfte sich mit der Entsendung 1500 weiterer Nationalgardisten in etwa verdoppeln. In dem Bericht der Denkfabrik heißt es, die täglichen Kosten pro Person seien sechzig Prozent höher gewesen als bei einem Polizisten. So sei die Entsendung der Nationalgarde ein „teures Instrument“, das gezielter hätte eingesetzt werden können.
