Der Berliner Weihbischof Matthias Heinrich erinnert sich noch gut an den Tag, als der Mauerbau begann. „Ich war damals sieben Jahre alt. Wir hörten morgens im Radio, dass die Grenze geschlossen war. Ich spürte die Angst meiner Eltern und große Unsicherheit.“ Seine Großeltern väterlicherseits wohnten damals im östlichen Berliner Bezirk Friedrichshain, seine eigene Familie im westlichen Stadtteil Steglitz. Zur Angst vor einem neuen Krieg trat die Sorge um die Verwandten im Ostteil der Stadt, und sie bestand nicht zu Unrecht: Es dauerte viele Jahre, bis der Vater seine Eltern wiedersah und der Junge Matthias seine Großeltern. Wenn der Weihbischof an diesem Donnerstag, dem 65. Jahrestag des Mauerbaus, in der frisch sanierten Sankt-Hedwig-Kathedrale in Mitte eine Heilige Messe ausdrücklich zum Gedenken an alle Opfer der deutschen Teilung hält, so weiß er aus persönlicher Erfahrung, wovon er spricht. „Es gab so viele, die unter dieser Diktatur litten, zum Teil bis heute leiden. Die politisch verfolgt wurden, ihre Ausbildung, ihr Studium und ihren Beruf nicht frei wählen durften, eingesperrt wurden oder an der Mauer starben, und viele andere Opfer, die man nicht übersehen sollte.“ Die Mauer konnte das Bistum nicht zerstören Heinrich, geprägt von seiner katholischen Mutter, studierte Katholische Theologie, zuerst an der Freien Universität Berlin, später in Paderborn und Irland. Er war der Erste in seiner Familie, der sich „tiefer in die Materie einarbeitete“, wie er sagt. Während des gesamten Studiums hielten die jungen angehenden Theologen Kontakt mit den Theologiestudenten im Ostteil der Stadt, besuchten sie zu Weihnachten und anderen Festtagen. Durch das Bistum hatten die DDR-Oberen zwar eine Mauer gezogen, doch die Einheit selbst konnten sie nicht zerstören. Das Bistum behielt einen Bischof, eine Kathedrale, so schwer es die DDR-Behörden den Gläubigen auch zu machen versuchten. „Die Verbundenheit blieb“, sagt Heinrich. Wenn man ihn heute fragt, ob er im Westen oder im Ostern Berlins gelebt habe, so antwortet er: „Weder noch. Ich bin schon an der Hand meiner Eltern durch das Brandenburger Tor gegangen, als es noch gar keine Mauer gab. Dann schauen immer alle ungläubig: So ein Fossil bin ich!“ Für die Gedenkveranstaltung habe das Erzbistum versucht, so viele der Menschen wie möglich aus diesen schweren Jahren zu erreichen und einzuladen. Die Sankt-Hedwig-Kathedrale hat heute keine eigene Gemeinde mehr. „Wir versuchen, die Menschen nach der Umgestaltung der Kathedrale wieder zurückzugewinnen“, sagt Heinrich. Das gelinge, auch dank wachsender Zahlen von Gläubigen aus Polen, Italien und Kroatien, schon recht gut.
