Was ist der aktuelle Stand des Gebäudeenergiegesetzes? Das Gebäudeenergiegesetz (GEG), umgangssprachlich Heizungsgesetz, bleibt ein Streitpunkt in der schwarz-roten Koalition. Bisher schreibt das GEG für neue Heizungen grundsätzlich einen Anteil von 65 Prozent erneuerbarer Energien vor. Bestehende Gas- und Ölheizungen dürfen weiterlaufen, eine generelle Austauschpflicht gibt es nicht. Am Ziel, dass 2045 mit dem fossilen Heizen Schluss sein soll, will die Regierung festhalten. Vereinbart wurde jedoch, das Heizungsgesetz „technologieoffener, flexibler und einfacher“ zu gestalten. Diskutiert werden mögliche Einschnitte bei der staatlichen Förderung und die Frage, wie stark welche Heizungsarten im Zuge der 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energien eingeschränkt werden, beziehungsweise ob es mehr Wahlfreiheit bei Hybridlösungen gibt. Nach Einschätzung von Verbraucherschützern könnten Änderungen noch in diesem Jahr angestoßen werden. Mit einem neuen Gesetz rechnen sie aber erst im nächsten Jahr, spätestens im Mai, wenn europäische Gebäude-Vorgaben in nationales Recht umgesetzt werden müssen. Vor welchen Herausforderungen stehen Hausbesitzer? Die unklare Gesetzeslage stellt viele Hausbesitzer, die ihre Heizungssystem modernisieren möchten oder ihren alten Heizkessel austauschen müssen, weil er nicht mehr funktioniert, vor Probleme. Viele sind verunsichert und warten erst einmal ab. Nach den Zahlen des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie wurden in den ersten drei Quartalen dieses Jahres 14 Prozent weniger Heizungen verkauft als in den ersten neun Monaten des Vorjahrs. Bestellt wurden vor allem Wärmepumpen und Pelletheizungen, während der Absatz von Gas- und Ölheizungen deutlich zurückging. Für den Einbau fossiler Heizungen spricht, dass sie in der Anschaffung günstiger sind und ihre Technik als ausgereift gilt. Muss für eine kaputte Heizung schnell Ersatz her, ist auf die Schnelle oft ohnehin nichts anderes möglich, weil eine Wärmepumpen-Planung viel Vorlauf braucht. Energieberater empfehlen, in so einem Fall als Zwischenlösung auch eine gebrauchte Gasheizung ins Auge zu fassen. Vielleicht ergibt sich in Zukunft ja auch die Möglichkeit, sich an ein Fernwärmenetz anschließen zu lassen. Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern müssen bis Mitte nächsten Jahres ihre Pläne dafür vorlegen, kleinere Kommunen haben zwei Jahre länger Zeit. Grundsätzlich raten Verbraucherschützer jedoch vom Einbau fossiler Heizungen ab, weil die Betriebskosten auf lange Sicht steigen werden. Zudem ist auf eine dauerhafte Versorgung mit fossilen Brennstoffen kein Verlass: Der Mannheimer Energieversorger MVV hat angekündigt, bis 2035 das Gasnetz stillzulegen. Gibt es noch eine Förderung? Wärmepumpen kosten in Deutschland deutlich mehr als in anderen europäischen Ländern. Das wird auch auf die hohe Förderung zurückgeführt. Der Staat bezuschusst die Anschaffung bisher mit 50 Prozent, bei Haushalten mit weniger als 40.000 Euro Nettoeinkommen im Jahr sogar zu 70 Prozent. Je Wohneinheit werden aber nur Kosten von maximal 30.000 Euro gefördert, das heißt bei 70 Prozent gibt es maximal 21.000 Euro. Die Verbraucherzentralen informieren ausführlich in Onlineseminaren darüber, welche Heizungstechnik zu welchem Haus passt, wie Heizungen gefördert werden und wie man beim Heizen sparen kann. Die Termine finden sie hier. Wie entwickelt sich der CO2-Preis? Ein Grund für steigende Betriebskosten fossiler Heizungen sind die steigenden Preise für CO2 – eine Abgabe, die auf Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas erhoben wird, um deren Ausstoß zu verteuern und so Anreize für klimafreundliche Technik zu schaffen. Aktuell ist der Preis bei 55 Euro je Tonne CO2 festgelegt, das macht bei einem Liter Benzin etwa 16 Cent aus. In den nächsten Jahren ist damit zu rechnen, dass die Abgabe deutlich steigen wird. Schon vom nächsten Jahr an werden die Emissionszertifikate versteigert, wobei noch ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro je Tonne gilt. Den Höchstpreis von 65 Euro vorausgesetzt, bedeutet dies nach Berechnungen der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, dass der CO2-Preis die 2000-Liter-Tankfüllung Heizöl um 412 Euro verteuert. Spannend wird es 2028, wenn die CO2-Zertifikate für Heizöl, Gas und Sprit nicht mehr national, sondern europaweit gehandelt werden. Dann rechnen Energieexperten mit deutlich höheren Preisen. Ein weiterer Faktor, der die Preise treiben wird, sind die Netzentgelte. Weil sich immer mehr Haushalte vom Erdgas verabschieden, müssen immer weniger Kunden das Netz finanzieren. Das gilt auch für die Infrastrukturkosten der Heizölhändler. Gibt es 2026 günstigere Energiepreise? Immerhin: Zum Jahreswechsel gehen bei vielen Grundversorgern erst einmal die Preise herunter. Bisher planen laut dem Preisvergleichsportal Verivox 17 Grundversorger in Hessen, die Stromtarife zu senken, im Schnitt um 5,8 Prozent, oder sie unverändert zu lassen. Beim Gas planen elf Grundversorger im Schnitt mit 7 Prozent geringeren Preisen. Bei drei Stadtwerken steht allerdings auch eine Erhöhung der Gaspreise an. Beim Strom ist es vor allem ein staatlicher Zuschuss in Höhe von 6,5 Milliarden Euro zu den Übertragungsnetzentgelten, der die Entlastung möglich macht. Eine vierköpfige Familie in Hessen kann laut Verivox bei einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden Strom 2026 im Schnitt 98 Euro sparen, beim Gas (20.000 Kilowattstunden) sind es knapp 200 Euro. Hintergrund für die Preissenkungen vieler Gasanbieter ist die Abschaffung der Gasspeicherumlage im nächsten Jahr. Die Umlage war vor drei Jahren eingeführt worden, um nach dem russischen Angriff auf die Ukraine die Kosten für das Befüllen der Gasspeicher zu decken. Wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen mitteilt, sind Gasanbieter verpflichtet, den Wegfall der Umlage an ihre Kunden weiterzugeben. Auf der anderen Seite steigen jedoch die Gasnetzentgelte in den meisten Netzgebieten. Wie sich das auf die Endkundenpreise auswirkt, hängt nach Angaben der Verbraucherschützer von den jeweiligen Verträgen und der Preisregelung darin ab. Wie groß ist die Preisspanne? Bei den Grundversorger-Tarifen in Hessen, die jeder automatisch abschließt, der ein Haus oder eine Wohnung neu bezieht, gibt es in Hessen große Unterschiede. Die Stadtwerke Herborn sind laut Verivox mit 50,91 Cent für die Kilowattstunde Strom (inklusive Grundpreis, 4000 Kilowattstunden Jahresverbrauch) der teuerste Anbieter. Die Stadtwerke Gießen verlangen mit 34,61 Cent den niedrigsten Preis, das ergibt auf den Jahresverbrauch gerechnet einen Preisunterschied von knapp 700 Euro. Beim Gas haben die Stadtwerke Weilburg mit 19,61 Cent den höchsten Grundversorgerpreis (20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch, inklusive Grundpreis), den niedrigsten Preis, 11,13 Cent verlangt das Unternehmen Eon in seinem Grundversorgungsgebiet. Ein Unternehmen ist Grundversorger, wenn es in einem Netzgebiet die meisten Haushalte beliefert. Grundversorger-Tarife sind bequem, aber meist vergleichsweise teuer. Der Tarif kann jederzeit mit einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden. Wann lohnt sich ein Wechsel? Ein Wechsel aus der Grundversorgung in einen Sondertarif desselben Unternehmens oder eines überregionalen Anbieters lohnt sich in der Regel. Die Preisunterschiede zwischen den Versorgern sind enorm. Gaskunden könnten mit einem Anbieterwechsel je nach bestehenden Gastarif mehrere hundert Euro im Jahr sparen, teilt Verivox mit. Die günstigsten Gaspreise liegen danach aktuell bei rund 9 Cent, wobei ein Bonus mit eingerechnet ist. Ändert ein Anbieter die Preise, haben Kunden ein Sonderkündigungsrecht. Am 4. Dezember von 17 bis 18.45 Uhr informiert die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz darüber, was bei einem Anbieterwechsel zu beachten ist.
