FAZ 18.01.2026
16:39 Uhr

Gaza-Friedens-Gremium: „Friedensrat“ auf amerikanische Art


Israel kritisiert die Zusammensetzung des Gremiums für Phase zwei des Friedens in Gaza. Das Weiße Haus gibt sich unbeeindruckt.

Gaza-Friedens-Gremium: „Friedensrat“ auf amerikanische Art

Trotz der scharfen Kritik an der Besetzung des Gaza Executive Board, das die Regierung des Gazastreifens beaufsichtigen soll, ist das Weiße Haus offenbar nicht bereit, Israel in dieser Sache entgegenzukommen. Das Nachrichtenportal Axios zitierte einen ranghohen Regierungsbeamten am Samstag mit den Worten, das sei „unsere Show“, nicht die des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Man habe in den vergangenen Monaten Dinge in Gaza erreicht, die niemand für möglich gehalten habe; das werde man fortsetzen. Sonst müsse Israel wieder israelische Soldaten nach Gaza schicken. Wenn Netanjahu jedoch wolle, dass Washington sich um Gaza kümmere, „dann muss das auf unsere Art geschehen“. Im Übrigen, fügte der Beamte hinzu, tue man dem Ministerpräsidenten mit der Sache einen Gefallen. Wenn der Plan scheitere, könne er sagen: „Ich habe es euch ja gesagt.“ Wenn es laufe wie geplant, wisse man wiederum, dass er sich den Erfolg auf die Fahnen schreiben werde. Zuvor hatte es aus Israel kritische Töne zu den amerikanischen Ankündigungen zur Zusammensetzung des Gaza Executive Board gegeben. Die sei „nicht mit Israel koordiniert worden und steht im Widerspruch zu seiner Politik“, hieß es in einer Stellungnahme des Büros von Ministerpräsident Netanjahu. Er habe Außenminister Gideon Saar angewiesen, den amerikanischen Außenminister diesbezüglich zu kontaktieren. Nachdem der amerikanische Sondergesandte Steve Witkoff vergangene Woche angekündigt hatte, man werde zu Phase zwei des Friedensplans für Gaza übergehen, veröffentlichte das Weiße Haus am Freitag Details zu den geplanten Gremien. Ein Gremium ist maßgeblich amerikanisch besetzt Israel nimmt Anstoß an der Zusammensetzung des Gaza Executive Board, das zu Teilen dem – auch namentlich ähnlichen – Executive Board des Board of Peace entspricht, in dem unter anderen auch der türkische Außenminister Hakan Fidan und der qatarische Diplomat Ali Thawadi Mitglieder sind. Beide Länder spielten eine wichtige Rolle bei der Einigung auf eine Waffenruhe im Gazakrieg Anfang Oktober. Sie werden von Israel wegen ihrer engen Kontakte zur Hamas aber kritisch gesehen. Das andere Gremium mit sieben Personen ist nach Informationen des Weißen Hauses maßgeblich amerikanisch besetzt. Neben Witkoff und Außenminister Marco Rubio sitzt auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner im „Friedensrat“. Er hat keine offizielle Regierungsrolle inne, spielte in den Verhandlungen über einen Frieden jedoch eine führende Rolle. Die weiteren Mitglieder sind der frühere britische Premierminister Tony Blair, der amerikanische Unternehmer und Milliardär Marc Rowan, der Chef der Weltbank Ajay Banga und Robert Gabriel, ein Berater, der seit 2016 mit Trump zusammenarbeiten soll. In der Stellungnahme des Weißen Hauses vom Freitagabend hieß es, jedes der Mitglieder werde bestimmte Themen betreuen, die „für die Stabilisierung und den langfristigen Erfolg“ des Gazastreifens von entscheidender Bedeutung seien, unter anderem für Wiederaufbau, Investitionen sowie regionale Beziehungen. Außerdem würden für beide Gremien in den kommenden Wochen weitere Mitglieder bekannt gegeben. Zahlungen, um Mitglied zu werden Der von den Vereinten Nationen unterstützte Friedensrat unter der Schirmherrschaft Donald Trumps sieht nach amerikanischen Medienberichten eine Zahlung von einer Milliarde Dollar vor, um für drei Jahre Mitglied zu werden. Eingeladen wurden neben der Türkei unter anderen auch Argentinien und Ägypten. In dem vom argentinischen Präsidenten Javier Milei auf X veröffentlichten Einladungsschreiben heißt es, der „Friedensrat“ werde das „beeindruckendste und folgenreichste“ Gremium jemals werden. Es sei als „neue internationale Organisation“ angelegt. Über das Gaza Executive Board hieß es im israelischen Sender Kanal 12 unter Berufung auf einen ranghohen amerikanischen Regierungsmitarbeiter, die Vereinigten Staaten hätten Netanjahu bewusst nicht über die Mitglieder des Gremiums informiert – im Wissen, dass die Beteiligung der Türkei und Qatars in Israel nicht auf Zustimmung stoßen würde. Demgegenüber hieß es in Berichten anderer israelischer Medien, die Regierung habe von der Zusammensetzung gewusst. Die Beteiligung Qatars und der Türkei sei „keine Überraschung“ gewesen, zitierte die Zeitung „Yedioth Ahronoth“ israelische Verteidigungsbeamte. Israel habe stillschweigend zugestimmt. Der Sender Kan berichtete, Netanjahu habe versucht, Einfluss auf die Zusammensetzung des Gremiums zu nehmen, sei damit aber nicht durchgedrungen. Der Ministerpräsident muss sich wegen des Themas nun auch innerisraelischer Kritik erwehren. Nicht nur Oppositionspolitiker prangerten die Beteiligung Qatars und der Türkei an und argumentierten, dies bedeute eine Stärkung der Hamas. Auch Koalitionspartner forderten Netanjahu dazu auf, eine Verwaltung des Gazastreifens durch die von Trump eingerichteten Gremien zu verhindern. Der Regierungschef solle stattdessen den Gazakrieg wiederaufnehmen, um die verbliebenen Hamas-Kämpfer zu vernichten, schrieb etwa Polizeiminister Itamar Ben-Gvir von der Partei „Jüdische Stärke“ auf X.