FAZ 11.12.2025
09:55 Uhr

Gartenarbeit: Die Harke ist der Freund des Menschen


Im Herbst und Winter ist die Harke des Menschen bester Verbündeter bei der Gartenarbeit. Denn der Laubbläser ist für Feiglinge.

Gartenarbeit: Die Harke ist der Freund des Menschen
Evelyn Palla, Bahn-Chefin seit Oktober. (Foto: Christoph Soeder/dpa)

Wann wurde eigentlich die Harke erfunden? Wenn es um die großen Entdeckungen der Menschheit geht, redet man meist von Rad, Bier und Prostitution. Verkehr, Alkohol und Sex sind aber auch spannender als Arbeit und Alltag. Beim Harken des Herbstlaubs allerdings wird klar: Es ist die Harke, die das Leben einfacher macht, bequemer und lebenswerter. Sicher, vor Kurzem hat die Menschheit den Laubbläser erfunden, jetzt könnte alles noch schneller gehen, zumal der Garten groß ist und die Harke klein. Aber die Nachbarn halten Pferde, deswegen verbietet sich das dauernde Röhren. Umso mehr lernt man das treue alte Gartengerät schätzen, das nicht von Treibstoff oder Strom lebt, sondern vom Ellenbogenschmalz. Simpel ist sie, die Konstruktion. Ein Stil aus Holz, ein Holm und mehrere Zinken. Ähnlich einfach wie Spaten, Hacke, Forke und andere nützliche Dinge aus uralten Zeiten. Irgendwann muss jemand darauf gekommen sein, dass man die Halme von gedroschenem Getreide, Heu, Zweige und Laub mit einem solchen Gerät bequemer aufnehmen kann als mit den Händen. Wo stammt sie her? Wer hat die Harke erfunden? Fast unvorstellbar: Es hat einmal eine Zeit gegeben, in der es die Harke noch nicht gab. Gewiss keine schöne Zeit, denkt man sich, während die Plastikzinken störrisch im Moosrasen stecken bleiben. Dort lassen sie sich immerhin leicht wieder herauslösen, während das Zusammenraffen großer Mengen organischen Materials mit den Händen zeitraubend und mit viel Bücken verbunden ist. Die Harke hingegen schont den Rücken, auch wenn er kräftig durchgearbeitet wird. Wo aber stammt sie her? Wer kam auf sie? War es im Zweistromland zur Zeit der ersten städtischen Zivilisationen, die für so viele Fortschritte verantwortlich sind, unter anderem für das oben erwähnte Bier? Oder kannten die Menschen die Harke schon zuvor? Stammt sie aus der Zeit der Erfindung des Ackerbaus? Oder half sie schon Jägern und Sammlern beim Verteilen der Asche des Lagerfeuers? Haben Archäologen Harkenreste in prähistorischen Ackerfurchen gefunden? Verwendeten Nilbauern sie im alten Ägypten auf bewässerten Feldern? Kannten die Griechen das Werkzeug? Die Römer? Überlebten Zinken und Stiele unter der Asche Pompejis? Spielte die Harke eine Rolle im Leben des Gärtners der Grabanlagen, für den Maria Magdalena Jesus am Ostermorgen hält? Ein erster Blick ins Internet gibt nach der Rückkehr aus dem Garten ins Haus wenig Aufschluss. Die Harke war der Antike bekannt. Aber das Altertum ist groß und weit und das Antikenwissen des Netzes dürftig. Es hat für derart analoge Objekte und Tätigkeiten wenig übrig. Sucht man nicht nach der norddeutschen Harke, sondern nach dem süddeutschen Rechen, gehen die Antworten erst recht in Richtung Rechenmaschine. Computer erkennen eher sich selbst als das Zeitalter harter Handarbeit. Ein Grund mehr, zur Harke zu greifen. Jede Minute, die fern elektronischer Endgeräte verbracht wird, ist eine gute Minute. Während die letzten Blätter von der langsamsten Eiche fallen, sind die Gedanken freier als je vor dem Schirm.