In Darmstadt bekämpft die Feuerwehr seit dem frühen Donnerstagmorgen ein Feuer auf dem Gelände des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung. Es war gegen 6.30 Uhr in einer elektrischen Versorgungseinrichtung in einer Industriehalle ausgebrochen; in dem Gebäude brennen unter anderem Kunststoffe und elektrische Anlagen. Das ist nach Angaben der Feuerwehr der Grund für die starke Rauchentwicklung und die schnelle Ausbreitung des Feuers. Der Campus wurde am Morgen umgehend geräumt. Verletzte gab es nach bisherigen Erkenntnissen keine, und auch Gefahrstoffe sind laut Messungen der Feuerwehr nicht ausgetreten. Trotzdem ging eine Warnung an die Nachbarschaft heraus; die Anwohner sind aufgefordert, ihre Fenster und Türen zu schließen sowie Lüftungs- und Klimaanlagen abzustellen. Die Rauchwolke über dem Forschungszentrum im Darmstädter Stadtteil Wixhausen ist kilometerweit zu sehen, in der Nachbarschaft ist das Feuer weithin zu riechen. Anfängliche Meldungen, wonach der Brand in einem Umspannwerk ausgebrochen war, haben sich so nicht bestätigt. Nach wie vor ist unklar, wie groß der Schaden ist. Ebenso die Frage nach der Ursache. Das Feuer wird auf jeden Fall Auswirkungen auf den im Bau befindlichen neuen Teilchenbeschleuniger FAIR haben. Der hessische Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD), der sich den Schaden gemeinsam mit dem Darmstädter Oberbürgermeister Hanno Benz (SPD) angeschaut hat, sprach von einem „schwarzen Tag“ für den Wissenschaftsstandort Darmstadt. Die Beteiligten gehen davon aus, dass das Unglück den Bau der neuen Teilchenbeschleunigeranlage FAIR noch einmal verzögert. Denn nach Angaben des Forschungszentrums sollte der Teilchenstrahl für die neue Anlage im bestehenden Betrieb erzeugt werden. Das wird wegen des Brandschadens aber vorerst nicht möglich sein. Nach Angaben des Ministers war ein erster experimenteller Betrieb von FAIR für Dezember 2026 vorgesehen. Die hessische Landesregierung halte aber trotz des Rückschlags an der Entwicklung des Forschungsstandorts und am Bau von FAIR fest. Wie ein Sprecher der Feuerwehr sagte, gestaltet sich das Löschen wegen der Ausdehnung des brennenden Gebäudes kompliziert. Derzeit werden nach seinen Worten die Flammen mit Wasser zurückgedrängt. Für die eigentlichen Löscharbeiten müssten Teile des Gebäudes weggenommen werden. Die Feuerwehr ist mit 160 Leuten im Einsatz und geht davon aus, dass die Löscharbeiten bis in die späten Abendstunden dauern werden. Die hohe Brandintensität und die starke Rauchentwicklung erschweren das Vordringen der Feuerwehr. Um die Brandherde zu erreichen, müssen Teile des Gebäudes abgetragen werden. Laut Gremmels handelt es sich bei der Halle um einen Altbau, der ohnehin zur Sanierung anstand. An den Löscharbeiten sind die gesamte Darmstädter Feuerwehr, Berufsfeuerwehr und Freiwillige, beteiligt, zudem Kollegen aus den Landkreisen Darmstadt-Dieburg und Groß-Gerau. Es wurden Kräne aufgestellt, und auch die Werksfeuerwehren von Merck und dem Industriepark Wiesbaden unterstützen bei den Löscharbeiten. Zudem sind 30 Kräfte des Rettungsdiensts an der Unglücksstelle versammelt. Die Gesellschaft für Schwerionenforschung wurde 1969 in Darmstadt gegründet. Ziel war es, einen Beschleuniger für Ionen schwerer Elemente bis hinauf zum Uran zu errichten, der von Forschern aus aller Welt genutzt werden konnte. Von 1973 an wurden der Linearbeschleuniger UNILAC sowie weitere Forschungs- und Betriebsgebäude auf einem Gelände bei Darmstadt-Wixhausen gebaut. In den folgenden Jahren entdeckten Wissenschaftler mithilfe der GSI-Anlagen mehrere neue chemische Elemente und gewannen neue Einblicke in die Eigenschaften von Materie. 1997 wurden erstmals Krebspatienten mit Kohlenstoffionen aus der Beschleunigeranlage bestrahlt; das Verfahren wird mittlerweile in spezialisierten Kliniken angewandt. 2003 wurde der Beschluss zum Bau des Beschleunigers FAIR auf dem GSI-Areal gefasst: Er soll unter anderem die Entstehung von Elementen unter den extremen Bedingungen des frühen Universums simulieren. Die Bauarbeiten für das Milliardenprojekt begannen 2017. Seit 2008 firmiert die GSI als Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung. Sie ist Teil der Helmholtz-Gemeinschaft, eines Zusammenschlusses von deutschen Großforschungseinrichtungen. Etwa 1500 Mitarbeiter sind bei der GSI beschäftigt; hinzu kommen jährlich rund 1000 Gastforscher.
