Die erste Lektion der Woche erhält das Testosteron-Geschwader aus den noch verbliebenen 19 Male-Model-Aspiranten von Heidi Klum persönlich. Und die lautet: Versprochen ist versprochen. Vor Wochenfrist hatte Klum dem 45-jährigen Jill versichert, seinen bereits leicht Richtung Friedrich Merz schwindenden Haaransatz durch ein fremdhaarbasiertes Auffrischungsprogramm wieder in den Werkszustand zurückzuversetzen. Und was Klum ankündigt, das hält sie auch. Jetzt mal von Quotenversprechen abgesehen. Ihr GNTM-Beiboot „On & Off the Catwalk“ nämlich kann seine Erfolgsprognosen nicht einlösen und folgt dem für Fernsehsender stets etwas unangenehmen Leitsatz: „Schwach beginnen, aber dafür stark nachlassen.“ Nach enttäuschenden 590.000 Zuschauern zur Premiere lockte der zweite Teil der Familien-Doku aus dem Hause Klum mit 490.000 Zuschauern nochmals knapp 17 Prozent weniger Menschen vor die Bildschirme. 17 Prozent Einbruch, das kennt man sonst nur von der Borussia-Dortmund-Aktie nach K.o.-Runden in der Champions League. Liebe Grüße an Dortmunds Next Innenverteidigermodel Ramy Bensebaini an dieser Stelle. Zum Glück für Jill ist Heidi Klums Mutterformat Germany’s Next Topmodel weiterhin nicht das Borussia Dortmund, sondern das Real Madrid der Modelshows und liefert stabile Einschaltwerte. Völlig entspannt kann sie daher ihr Versprechen einhalten und Jills flächendeckenden Geheimratseckenansatz korrigieren. Noch vor der ersten Werbepause evolviert Jill per individuellem Einzel-Sonderumstyling frisurseitig von Olaf Scholz zu Gil Ofarim. Matthew muss GNTM verlassen Stichwort Frisur: Auch Kandidat Matthew wird rasiert. Allerdings nicht von Klums Coiffeur-Team, sondern von seinem Arbeitgeber. Laut Eigenangabe ist er Verkäufer bei der Luxusmarke Hermès. Und die gewährt ihm keinen Sonderurlaub für Ausflüge in die Modelwelt. Verständlich. Wer Handtaschen verkauft, die den Wert einer kleinen Eigentumswohnung locker übersteigen, kann es sich nicht erlauben, dass sein Personal für das Posieren mit Drogeriemarkt-Haarspray bekannt wird. Matthew muss daher kampflos den Contest verlassen. Ibo und Boureima sind aber noch da. Zum Glück, denn beide sind noch jung und haben somit ein hervorragendes Gedächtnis. Zu Beginn der vollmundig angekündigten Castingwoche erinnern sie sich unisono an einen der bekanntesten Leitliniensätze von Heidi Klum: „Ein Model ohne Job ist kein Model!“ Womit wir in Folge sieben bereits am Logik-Peak der Staffel angelangt wären. Denn die These stimmt. Ein Model ohne Job ist kein Model. So wie ein Bäcker ohne Brot kein Bäcker ist. Oder wie es in unserer Branche heißt: Eine Kolumnistin ohne GNTM ist keine Kolumnistin. Das erste Casting findet fashionbranchenfremd für ein Musikvideo von Beatrice Egli statt. Für Alexavius ist damit nach GNTM-Bademantel und Heidi-Reisebus das nächste Eskalationslevel freigeschaltet: Schlagerstar-Euphorie. Der Name Beatrice Egli ruft in ihm Gefühle hervor, zu denen der durchschnittliche Deutsche nicht mal bei einem siebenstelligen Lottogewinn fähig ist: „Beatrice Egli ist so eine deutsche Musik-Ikone, jeder kennt Beatrice Egli!“ Naja. Da gibt Alexavius den Donald Trump der Modebranche: zwei Behauptungen, beide falsch. Beatrice Egli ist Schweizerin – und nicht jeder kennt sie. Mitkandidat Benjamin beispielsweise hat von ihr noch weniger gehört als David und Victoria Beckham von ihrem Sohn Brooklyn. Das Casting gewinnt übrigens Tony. Er ist gehörlos und bringt so möglicherweise nicht die schlechteste Voraussetzung mit, einen ganzen Tag lang immer wieder denselben Beatrice Egli-Song zu hören. Das anschließende Casting für eine zehnseitige Modestrecke in der „Instyle Men“ gewinnt Louis. Kurz darauf holt sich dann Luis den Shooting-Job beim Konkurrenzmagazin „Blonde“. Und hier jetzt Vorsicht: Das ist kein Schreibfehler. Es handelt sich um unterschiedliche Luis/Louis. Dann geht es aber endlich um Mode. Designer Dawid Tomaszewski ruft zum Casting. Der Berliner Modeschöpfer steht für minimalistische Opulenz. Das jedenfalls sagt die „Vogue“. Ich persönlich finde ja, er verkörpert eher zurückhaltenden Maximalismus, aber ich bin natürlich auch kein Modemagazin. Dabei passt Zurückhaltung insgesamt sehr viel besser zu Tomaszewski. Vor allem, weil der sein Wirken stets sehr realdistanziert betrachtet: „Ich mache etwas ganz Besonderes, da ich Couture schaffe, was ja gar nicht in Deutschland existiert.“ Ach so. Für die Weltstars, die sich bereits in Tomaszewskis Gibt-es-gar-nicht-Couture geworfen haben, ist das egal. Und das sind so einige: Beyoncé, Madonna und Lady Gaga etwa. Und in diesem Reigen stimmgewaltiger Musikikonen darf natürlich Bill Kaulitz nicht fehlen, quasi die Lady Gaga Sachsens. Bei Tomaszewskis Suche nach „einer Mischung aus maskulin und Balletttänzer“ macht schließlich Luis das Rennen. Ein souveräner Doppelsieg. Nach dem Job beim „Blonde“-Magazin holt er sich jetzt auch noch den beim blonden Modeschöpfer. Um ihre Rauswurf-Entscheidung zu treffen, inszeniert Klum am Ende der Castingwoche noch den obligatorischen Final Walk. Dazu hat sie ein knallgelbes Studio bauen lassen: „Heute ist alles in meiner Lieblingsfarbe Gelb.“ Benjamin schaltet am schnellsten und vermutet: „Vielleicht machen wir eine Senf-Kampagne!“ Zum Glück ist das Studio nicht braun. „Vielleicht machen wir eine Durchfall-Kampagne“ hätte den Abend sicher nicht versöhnlich abgerundet. Nikeata Thompson, eine Schauspielerin und ehemalige Tänzerin, choreografiert den Entscheidungslauf und Heidi Klum identifiziert zwei anatomische Ungereimtheiten. Bei Denzel stellt sie fest: „Sein Kopf ist viel zu weit vorne!“ Das stimmt. Mit der Körperhaltung, mit der er den Catwalk abschreitet, würde er sich an einem Pissoir die Nase brechen. Kaum besser schneidet Godfrey ab: „Du gehst immer von einem Bein zum nächsten!“ Ganz im Gegenteil zu echten Supermodels. Die gehen stets von einem Bein zum gleichen. Am Ende hat Godfrey Glück, er darf bleiben. Kopfstürmer Denzel dagegen nicht. Er und Vyvian müssen das Malemodel-Loft verlassen. Morgen werden ihnen einige weibliche Kandidatinnen folgen. Wer genau, das erfahren Sie dann hier als allererste!
