FAZ 07.01.2026
16:25 Uhr

„Fußballer oder nichts“: Das ist der neue Eintracht-Stürmer Arnaud Kalimuendo


„Technisch versiert“ und „modern“: Der Franzose Arnaud Kalimuendo wird wohl der nächste neue Angreifer bei Eintracht Frankfurt. Wie tickt der 22 Jahre alte Offensivspieler? Eine Spurensuche in seinem Heimatland.

„Fußballer oder nichts“: Das ist der neue Eintracht-Stürmer Arnaud Kalimuendo

Einen vielversprechenden Leumund hat er schon mal: „Ich glaube, dass es zwischen der Eintracht und ‚Kali‘ genauso gut funktionieren kann wie einst mit Randal Kolo Muani oder mit Hugo Ekitiké“, meint David Trezeguet. Der ehemalige französische Nationalstürmer, heute 48 Jahre alt, hat in seiner Karriere alles gewonnen: die Weltmeisterschaft und die Europameisterschaft. Und er kennt Kalimuendo aus der französischen Liga. Zur F.A.Z. sagt Trezeguet: „Ich bin überzeugt, dass er in der deutschen Eliteklasse sein Potential deutlich besser ausschöpfen wird als zuletzt in England. Natürlich muss er sich in Bezug auf die Statistiken noch ein Stück verbessern, aber da sind die Pässe, die er spielt, um Platz für einen anderen Spieler zu schaffen.“ Nach Auffassung von Trezeguet hat sich Kalimuendo „zu einem kompletten modernen Angreifer entwickelt“. Sein Landsmann sei nun „reif für die Bundesliga“. Arnaud Kalimuendo selbst brennt auf seine Chance. Nach einem halben Jahr bei Nottingham Forest, in dem er kaum zum Einsatz kam, will der Stürmer bei der Frankfurter Eintracht zeigen, was in ihm steckt. An diesem Mittwoch absolvierte der Stürmer den Medizincheck in Frankfurt. Die offizielle Verkündung des Wechsels, sofern dem nichts Entscheidendes mehr im Weg steht, soll dem Vernehmen nach sehr zeitnah erfolgen. „Ich habe immer gedacht: Fußballer oder nichts“ Kalimuendo spielt, wenn alles gut geht, in einer Liga, die er schon immer kennenlernen wollte. „In meiner Freizeit schaue ich viel Ligue 1, Premier League und die Bundesliga“, sagte er im Herbst 2021 im Gespräch mit dem Monatsmagazin „Onze Mondial“. „Ich verfolge alles gerne, das inspiriert mich, insbesondere die deutsche Meisterschaft, die wahnsinnig spektakulär und torreich ist.“ Sein Spielstil, findet Kalimuendo, passe „bestens zu dieser Liga“. In der Vergangenheit sollen der VfB Stuttgart und Bayer 04 Leverkusen an einer Verpflichtung des Franzosen interessiert gewesen sein. Kalimuendos Weg war früh in seinem Kopf vorgezeichnet. „Als Kind wurde ich gefragt: ‚Was willst du später einmal werden?‘ Ich habe immer gedacht: Fußballer oder nichts. Ich sage das nicht, weil ich keine anderen Pläne hatte oder nicht intelligent genug war. Ich wusste einfach, dass ich Fußballer werden würde, das war mir von vornherein klar.“ Der Werdegang des aus Suresnes (einem Pariser Vorort) stammenden Angreifers war ein Jahrzehnt lang – von seinem zehnten bis zu seinem 20. Lebensjahr – mit Paris Saint-Germain verbunden. Von seinen Anfängen in der Youth League mit 16 Jahren über seinen ersten Profivertrag mit 17 Jahren, seinen ersten Einsatz im Parc des Princes im August 2021 bis hin zum französischen Meistertitel 2022 hat „Kali“ mit dem Champions-League-Sieger einiges erlebt. Bis hin zum Umgang mit den Stars wie Neymar, Lionel Messi, Kylian Mbappé. „Wir kennen alle die ganz großen Spieler des PSG“, schwärmte er damals. „Man lernt wahnsinnig viel von ihrer Professionalität, insbesondere in den Nebenbereichen.“ Die Zweifel, die PSG in der U 15 an ihm hatte, konnte Kalimuendo schnell ausräumen. Ab der U 16 wurde er mehrfach in die französischen Jugendnationalmannschaften berufen. Er überzeugte durch seine herausragenden Qualitäten als Stürmer, aber auch durch seine hochprofessionelle Einstellung. In der U 16 und U 17 lobte sein damaliger Trainer Laurent Huard die vorbildliche Arbeitsmoral des jungen Stürmers. Thiago Motta, in der vergangenen Saison noch Trainer von Juventus Turin, gab ihm ebenfalls eine Chance in der U 19 von PSG. Bei seinen zwei Leihen beim Racing Club de Lens blieb sein Ehrgeiz dem Trainerstab ebenfalls nicht verborgen. „Manchmal verlangte er zusätzliche Arbeit, was zu einer etwas besonderen Beziehung zu den Trainern führte“, erinnert sich Franck Haise, sein damaliger Coach in Lens. „Am Ende einer Trainingseinheit bat er manchmal um bis zu zwanzig zusätzliche Bälle.“Neben seinem vorbildlichen Engagement hat Kalimuendo den Eindruck eines etwas zurückhaltenden, aber umgänglichen Spielers hinterlassen. „Er war seinen Mitspielern und dem Trainerstab gegenüber sehr wohlwollend“, sagt Haise. Und spielerisch? „Heute ist er in der Lage, als hängende Spitze zu spielen, sich zu positionieren, zwischen die Linien zu kommen, weil er technisch versiert ist und sich gut in das Mannschaftsspiel einfügt.“ Im August 2022 wechselte Kalimuendo für gut 20 Millionen Euro von PSG zu Stade Rennes und sorgte dafür, dass ein gewisser Serhou Guirassy (heute Borussia Dortmund) vor die Tür gesetzt wurde, weil die Sportliche Führung der Bretonen Kalimuendo als stärker einstufte. In 177 Partien in der Ligue 1 traf Kalimuendo für Lens und Rennes 61 Mal, zudem legte er 20 Tore auf. Im Sommer 2025 wechselte er schließlich für 30 Millionen Euro nach Nottingham. Doch der Schritt in die Premier League hat sich nicht bezahlt gemacht. Bei Nottingham Forest wurde er innerhalb von wenigen Monaten gleich unter drei Trainern, Nuno Espirito Santo, Ange Postecoglou und Sean Dyche, kein Stammspieler. Nun macht er bei der Eintracht einen Neuanfang.