Dass sich Lamine Yamal und Lionel Messi schon im Jahr 2007 trafen, also vor fast zwanzig Jahren, ist ein Prolog, den damals niemand erahnen konnte. Das Baby Lamine erst recht nicht, der seinerzeit 20 Jahre alte Fußballstar Messi auch nicht. Das Foto, das den Spanier in einer kleinen Badewanne mit dem Argentinier zeigt, ist schon jetzt ikonisch. „Es ist verrückt“, sagte Messi am Freitag. „Jetzt treffen wir in einem WM-Finale aufeinander.“ Das Foto wurde damals für einen Wohltätigkeitskalender gemacht. Mehrere Spieler des FC Barcelona posierten mit ausgelosten Kindern. Dass Yamal und Messi auf einem Foto zu sehen sind, war purer Zufall. Zufall ist es aber nicht, dass ihre Mannschaften, Spanien und Argentinien, an diesem Sonntag (21.00 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, im ZDF und bei MagentaTV) im Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 aufeinandertreffen. Die F.A.Z.-Prognose berechnen Daniel Memmert und Fabian Wunderlich von der Deutschen Sporthochschule für die F.A.Z. seit der WM 2014. Auch bei diesem Turnier gaben sie für die wichtigsten Spiele Einzelprognosen ab und bewerteten die Titelwahrscheinlichkeiten aller Teams laufend, basierend auf verschiedenen Werten, wobei der Wettmarkt am wichtigsten ist. Dabei wird deutlich, dass Spanien und Argentinien nicht ohne Grund im Finale stehen. Schon „im Halbfinale standen genau die vier Mannschaften (Spanien, Argentinien, Frankreich und England/d. Red.), die auch vor Turnierbeginn die höchsten Titelchancen hatten“, sagt Memmert. „Natürlich gab es auf Einzelspielebene Überraschungen, viele Spiele auch, die möglicherweise enger verliefen als erwartet, bei denen sich aber am Ende doch der Favorit durchgesetzt hat.“ In den K.-o.-Runden waren Ergebnisse wie Norwegens Sieg über Brasilien oder das deutsche Ausscheiden gegen Paraguay nicht unbedingt zu erwarten. Dennoch: „Insgesamt waren große Überraschungen die absolute Ausnahme.“ Die Titelwahrscheinlichkeiten der Finalisten waren gegenläufig. „Spanien war vor dem Turnier Topfavorit, hatte aber nach der Vorrunde den schwersten Turnierpfad der Favoriten erwischt“, sagt Wunderlich. „Argentinien hingegen hatte nach der Vorrunde den einfachsten Weg aller Favoriten und in puncto Titelwahrscheinlichkeit die Spanier sogar überholt.“ Da Argentinien aber in den K.-o.-Spielen oft knapp vor dem Aus stand, hat sich die Prognose wieder gedreht: „Durch den Sieg gegen Frankreich im Halbfinale ist Spanien nun im Finale wieder der Favorit auf den Titel.“ Nicht nur der Titel, auch die Auszeichnung zum Spieler des Turniers wird an diesem Sonntag vergeben. „Auch diese Information lässt sich am Wettmarkt gut ableiten“, sagt Memmert. Der Favorit ist demnach Messi, auch wenn er persönlich für den Spanier Rodri votiert. „Beim besten Nachwuchsspieler geht es eindeutig in Richtung der beiden Spanier Lamine Yamal oder Pau Cubarsí.“ Wichtiger als Einzeltitel wird aber der goldene WM-Pokal sein. An Spannung sollte es nicht mangeln im Stadion vor den Toren New Yorks. „Dass es vom Ergebnis her ein enges Finale wird, ist natürlich nicht sicher, aber recht wahrscheinlich“, sagt Wunderlich. „Zudem ist die erwartete Anzahl an Toren in solchen Finals vergleichsweise gering, die Chance ist also hoch, dass es bis zur letzten Minute spannend bleibt.“ Im Endspiel treffen die bestplatzierten Teams der Weltrangliste aufeinander. Argentinien ist in der Tabelle des Weltverbandes FIFA, die den Stand am 11. Juni, also vor WM-Start, zeigt, Erster, Spanien Zweiter. Bei den Marktwerten ist die Reihenfolge gedreht. Die spanischen Spieler sind durchschnittlich 46,92 Millionen Euro wert, die der Argentinier 31,06 Millionen Euro. Das alles ergibt eine Siegwahrscheinlichkeit von 41,7 Prozent für Spanien; für den Weltmeister aus Argentinien sprechen 26,8 Prozent. Dafür, dass die Partie unentschieden endet, sprechen 31,5 Prozent. Sollte es so kommen, sind die Spanier in einer Verlängerung oder gar im Elfmeterschießen immer noch Favorit, mit einer Titelwahrscheinlichkeit von 58,5 Prozent. Dass Messi und Argentinien nach 2022 wieder jubeln, ist zu 41,5 Prozent wahrscheinlich.
