Urs Fischer soll den FSV Mainz 05 vor dem Abstieg aus der Bundesliga bewahren. Am Sonntagnachmittag vermeldete der Verein die Verpflichtung des Schweizers als Nachfolger des vier Tage zuvor aus dem Amt geschiedenen Bo Henriksen. Als Feuerwehrmann haben die Rheinhessen den früheren Trainer von Union Berlin allerdings nicht verpflichtet, sondern ihn mit einem Zweieinhalbjahresvertrag bis zum 1. Juli 2028 ausgestattet. Fischer, in seiner Heimat unter anderem Pokalsieger und zweimaliger Meister mit dem FC Basel, ist seit rund zwei Jahren vereinslos; zuletzt hatte er in einem Interview mit „transfermarkt.de“ erzählt, für eine neue Aufgabe bereit zu sein. „Die tägliche Arbeit auf dem Platz fehlt mir.“ Die wird er am Montag am Bruchweg aufnehmen, seine erste Aufgabe ist es, die Mannschaft auf das Conference-League-Spiel bei Lech Posen am Donnerstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Conference League) vorzubereiten. Eine Woche später kommt als vorerst letzter internationaler Gegner Samsunspor nach Mainz, in der Bundesliga stehen vor der Winterpause noch die Spiele bei Bayern München (Sonntag um 17.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Dazn) und gegen den FC St. Pauli an. „Urs Fischer hat als Trainer an allen Stationen eindrucksvoll bewiesen, dass er Mannschaften strukturieren und entwickeln und darüber hinaus mit seiner ruhigen, aber emphatischen Art jede Kabine gewinnen kann“, sagt 05-Sportvorstand Christian Heidel. „Seine Erfolge und Fähigkeiten haben ihn zu einem begehrten Trainer gemacht.“ Union Berlin hatte der heute 59-Jährige zunächst in die Erste Liga und dann nacheinander in die Conference League, die Europa League und die Champions League geführt. „Im Fußball gibt es keine einfachen Aufgaben, aber genau das macht es auch interessant“, wird Fischer in einer Mitteilung seines neuen Klubs zitiert. „Der Verein Mainz 05 passt auch insgesamt zu mir. Die solidarischen Mainzer Werte abseits des Platzes und der Wille, auf dem Platz niemals aufgeben und den Gegner immer unter Druck setzen zu wollen, die Emotionen auf den Rängen: Ich freue mich auf die Herausforderung und bin davon überzeugt, dass wir das Ruder als Team rumreißen werden.“ Einfacher ist die Aufgabe mit dem ersten Spiel nach der Trennung von Bo Henriksen nicht geworden. Im Gegenteil: Weil die Rheinhessen 0:1 gegen Borussia Mönchengladbach unterlagen und alle in Schlagdistanz liegenden Konkurrenten punkteten, beträgt der Rückstand des Tabellenletzten auf den 15. Rang jetzt schon sechs Zähler. An den Ideen und Vorgaben, mit denen Interimstrainer Benjamin Hoffmann die Mannschaft aufs Feld geschickt hatte, lag es nicht, dass die 05er abermals leer ausgingen. Der für diese eine Partie aus der U 23 aufgerückte Coach hatte seine Anfangself hinten und vorne umgekrempelt. Die größte Überraschung gelang ihm bei der Besetzung des Angriffs. Zum Einen beorderte er den von Henriksen öffentlich angezählten Nelson Weiper wieder ins Team. Zum anderen stellte er ihm Fabio Moreno Fell zur Seite. Der 25-Jährige war im Sommer vom Verbandsligaverein TSV Gau-Odernheim an den Bruchweg gewechselt, nachdem er seinen Heimatklub mit 50 Toren in die Oberliga geschossen hatte. In der Regionalliga stehen nach 16 Einsätzen zehn Treffer zu Buche. „Ich wollte einen zweiten Stürmer dabei haben, und von Fabio weiß ich, was er draufhat, welche Stärken er hat, dass er Situationen erkennt“, erläuterte Hoffmann. Der Debütant bedankte sich mit einem guten Auftritt. Immer anspielbar, machte er viele Bälle fest, ging in die Tiefe und traute sich mit zunehmender Spieldauer technische Kabinettstücke zu. Moreno Fell deutete an, dass er fürs Erste mehr als eine aus dem Mut der Verzweiflung geborene Lösung sein kann. Weiper wiederum, der eine schon länger nicht mehr gesehene Spielfreude offenbarte, hätte zum Phönix aus der Asche werden können, ließ aber zwei Großchancen zum Ausgleich ungenutzt. Der Trainer vermutet dahinter ein klassisches Stürmerphänomen. „Nelly braucht das Vertrauen und auch die Minuten“, sagte Hoffmann. „Wenn er mal trifft, fallen das zweite, dritte, vierte Tor leichter.“ Diese Momente müsse Weiper sich erarbeiten, immer wieder. „Ich glaube, dass er den Weg gehen kann.“
