FAZ 11.02.2026
15:48 Uhr

Fusion von SpaceX und xAI: Elon liefert nicht mehr


Früher hat Elon Musk mit neuen Produkten von sich reden gemacht. Jetzt jongliert er lieber mit seinen Unternehmen. Was soll das?

Fusion von SpaceX und xAI: Elon liefert nicht mehr

Wenn Elon Musk und Donald Trump eines gemeinsam haben, dann dass sie wissen, wie man in die Schlagzeilen kommt. Eigentlich ist in der vergangenen Woche nicht mehr passiert, als dass ein Mann innerhalb seines enormen Vermögens ein paar Beteiligungen umstrukturiert hat. Das auf Künstliche Intelligenz (KI) spezialisierte Unternehmen xAI (Mehrheitseigentümer: Elon Musk) ist jetzt Teil des auf Raumfahrtraketen und Satelliten spezialisierten Unternehmens SpaceX (Mehrheitseigentümer der stimmberechtigten Anteile: Elon Musk). Gleichwohl sind die beiden nicht börsennotierten Unternehmen dabei so hoch bewertet worden, dass es die teuerste Fusion aller Zeiten ist. 250 Milliarden Dollar hat Musk für xAI veranschlagt. Zusammen mit der einen Billion Dollar, die SpaceX bisher wert gewesen sein soll, macht das 1,25 Billionen: das größte privat geführte Unternehmen der Welt. SpaceX ist damit Musks anderem Weltkonzern Tesla fast ebenbürtig, der zuletzt auf eine Bewertung von 1,3 Billionen Dollar kam. Das neue Unternehmen sei „die ambitionierteste vertikal integrierte Innovationsmaschine auf (und außerhalb) der Erde“, sagte Musk, mit KI, Raketen, Weltrauminternet und „der wichtigsten Plattform für Echtzeitinformationen und freie Rede“. Mit Letzterer war offenbar X gemeint, ehemals Twitter und heute Teil von xAI, also jene Plattform, auf der Musks eigene Beiträge vom Algorithmus bevorzugt behandelt werden. Dass aus der langen Riege von Musks Unternehmen ausgerechnet diese zwei verschmelzen würden, war keineswegs ausgemacht. Kurz zuvor hatte Musk Berichten zufolge noch darüber nachgedacht, SpaceX mit Tesla zu fusionieren. Das allerdings wäre komplizierter geworden, weil Tesla börsennotiert ist. Der Autobauer hatte vor einem Monat zwei Milliarden Dollar in SpaceX investiert. Musks Vermögen beträgt jetzt über 800 Milliarden Über die Fusion mit dem hoch verschuldeten KI-Start-up dürften zumindest die anderen Eigentümer von SpaceX nicht nur glücklich sein, schmälert sie doch womöglich den Marktwert des wirtschaftlich ungleich gesünderen Weltraumgeschäfts. Musk selbst wird durch die Fusion auf dem Papier noch einmal deutlich reicher, auf über 800 Milliarden Dollar wird der Wert seines Firmenimperiums nun geschätzt. Das ist insofern bemerkenswert, als es bei den handfesten Produkten aus der Musk-Welt zuletzt eher stockte. Beispiel Tesla: Der E-Auto-Pionier wird inzwischen von der Konkurrenz aus China in Bedrängnis gebracht. Musks Cybertruck taugt mehr als Lachnummer denn als ernsthafter Wettbewerber, im vergangenen Jahr ist der Absatz um 48 Prozent gefallen. Statt neue Modelle auf den Markt zu bringen, stellt Musk sogar altbewährte ein. Die Fahrzeuge, die Tesla einst an die Spitze der E-Auto-Bewegung katapultierten, das Model S und das Model X, werden bald vom Markt genommen. Stattdessen will Tesla die Kapazitäten für humanoide Roboter unter dem Markennamen Optimus verwenden. Wann die marktreif sind? Unklar. Mehr Schlagzeilen wegen sexualisierter Deepfakes Zweites Beispiel Künstliche Intelligenz: Mit xAI ist Musk 2023 vergleichsweise spät auf den KI-Zug aufgesprungen. Einst hatte er zu den Mitgründern des ChatGPT-Entwicklers Open AI gehört, sich dann aber mit seinen Kompagnons über die Ausrichtung des Unternehmens zerstritten. Doch was wie ein unaufholbarer Vorsprung aussah, glich Musk schnell aus: Zwischenzeitlich galt Musks Chatbot Grok als fast gleichauf mit ChatGPT oder Claude. Doch während die Vorreiter der Branche von Innovation zu Innovation eilen (gerade erst hat ein neues Produkt aus dem Hause Anthropic ein Börsenrutschen ausgelöst), machen Grok und das daran angeschlossene soziale Netzwerk X vor allem Negativschlagzeilen wegen der massenhaften Verbreitung sexualisierter Deepfakes. Am Mittwoch durchsuchten französische Ermittlungsbehörden die Büros von Musks Plattform in Paris wegen des Verdachts auf Cyberkriminalität. Das Muster zieht sich noch weiter durch Musks Imperium. Mit The Boring Company wollte er in zahlreichen Städten Hochgeschwindigkeitstunnel bauen. Bisher sind davon nur ein paar Meilen in Las Vegas tatsächlich nutzbar. Musk war immer ein Großmaul. Er posaunte spektakuläre Ideen heraus, ohne dass diese auch nur ansatzweise in die Nähe der Umsetzung kamen. Zum Mars geflogen ist eine SpaceX-Rakete bis heute nicht, obwohl Musk es einst für 2024 angekündigt hat. In diese Kategorie fällt vorerst auch die Idee von Rechenzentren im Weltall, mit denen Musk nun die Fusion von xAI und SpaceX begründet. Der Strombedarf von KI sei so groß, dass es nur im Orbit möglich sei, die nötige Energie über Solarzellen zu generieren. Dabei ist schon die Frage ungelöst, wie sich kosteneffizient die enorme Menge an Hitze im Vakuum abtransportieren ließe, die die KI-Chips erzeugen. Musk war eine Zeit lang abgelenkt Aber Musk war eigentlich auch immer jemand, der lieferte. Als noch keiner so recht an Elektroautos glaubte, brachte er eines auf den Markt, das die Leute auch wirklich fahren wollten. Als die NASA ihr Spaceshuttle-Programm einstellte, baute Musk Raketen, die weniger kosteten als alles je Dagewesene. Das ist lange her. Zwischendurch ließ sich das damit erklären, dass Musk abgelenkt war. Ein halbes Jahr lang hielt ihn seine politische Tätigkeit für die Trump-Regierung auf Trab, wo er binnen kürzester Zeit bemüht war, größtmöglichen Schaden anzurichten. Schätzungen gehen davon aus, dass allein seine abrupte Abschaffung der Entwicklungshilfeorganisation USAID bis 2030 neun Millionen Menschenleben kosten wird. Musk machte mehr mit Hitlergrüßen als mit Innovationen von sich reden. Doch aus Washington hat Musk sich im Mai zurückgezogen. Spätestens wenn im Sommer tatsächlich der Börsengang von SpaceX kommt, mutmaßlich der größte der Geschichte, wird sich zeigen, ob Musks große Ankündigungen auch die Anleger überzeugen können. Dass Musk durchaus noch das Potential hat, wahrhaft Revolutionäres möglich zu machen, zeigt die letzte Firma in seinem Portfolio: Neuralink, das Unternehmen, das Chips in menschliche Gehirne einpflanzen will. Der erste Testpatient, ein querschnittsgelähmter Mann, bei dem das 2024 gelang, berichtete vor Kurzem davon, wie er heute auf „magische“ Weise Computer mit seinen Gedanken steuern kann. Es ist ein Beispiel dafür, wozu Musk einmal fähig war – und vielleicht immer noch sein könnte.