Der britische Premierminister Keir Starmer will sein Land „zurück ins Herz Europas“ führen. Starmer sagte in einer Rede, in der er seinen Status als Partei- und Regierungschef gegen wachsende Kritik aus den eigenen Reihen verteidigte, der Austritt aus der Europäischen Union habe Großbritannien „ärmer und weniger sicher“ gemacht. Es sei die Aufgabe seiner Regierung, das Verhältnis zur Europäischen Union wieder zu stärken. Das Vereinigte Königreich müsse enger heranrücken „an jene Länder, die am stärksten unsere Werte und Interessen teilen“. Er versprach, dass das zweite Gipfeltreffen Großbritanniens mit der EU-Führung in diesem Sommer „einen großen Sprung nach vorn“ bringen solle und die wirtschaftliche und verteidigungspolitische Zusammenarbeit vertiefen werde. Als weiteres Kooperationsfeld mit der EU nannte Starmer den Jugendaustausch. Während sich die britische Seite in den vergangenen Jahren lange zögerlich gezeigt hatte, eine großzügige Regelung für Studienaufenthalte, Praktika und Arbeitsaufenthalte junger Europäer in Großbritannien zuzulassen, sprach der Premierminister jetzt von einem „ehrgeizigen“ Vorhaben. Labour brauche „stärkere Vision ihrer selbst“ Er stellte dies in den Zusammenhang weiterer Pläne zur Förderung britischer Jugendlicher und gab an, seine Regierung wolle dafür sorgen, dass „jedes einzelne Kind“ die Möglichkeit erhalte, das Beste aus seinen Anlagen und Talenten zu machen. Zu diesem Zweck soll die staatliche Förderung von Lehrstellen ausgebaut werden, es sollen neue Schulen für Handwerk und Technik entstehen; Jugendliche mit Behinderungen sollen besser gefördert werden. Als drittes Beispiel einer erneuerten, zielgerichteteren Politik seiner Regierung kündigte Starmer die Verstaatlichung des British-Steel-Stahlwerkes in Scunthorpe an. Er beschrieb die politische Auseinandersetzung in Großbritannien kurz nach der schweren Niederlage für Labour in den Kommunal- und Regionalwahlen als „einen Kampf um die Seele unserer Nation“. Die Labour-Partei könne diesen Kampf nur als eine „stärkere Vision ihrer selbst“ gewinnen, nicht aber als Abklatsch der Grünen oder der Reform-UK-Partei des Brexit-Betreibers Nigel Farage. „Ich werde nicht weglaufen“ Der Premierminister ließ erkennen, dass er die Führung der Partei und Nation nicht von sich aus abgeben will. Falls die Hinterbänklerin Catherine West oder einer der mutmaßlichen prominenten Konkurrenten um den Posten des Parteichefs eine Kampfkandidatur anmelden, werde er „diesen Wettbewerb nicht scheuen“, sagte Starmer. Er beteuerte, er „werde nicht weglaufen“, und warnte zugleich mögliche Herausforderer, indem er an die Regierungsära der Konservativen erinnerte. Diese hätten „ein Chaos durch ständige Führungswechsel“ angerichtet. Starmer beteuerte: „Einem solchen Chaos werden wir das Land nicht aussetzen.“ Im Blick auf die jüngsten Wahlergebnisse sagte Starmer, die Verluste für seine Partei seien „hart, sehr hart“ gewesen. Er trage dafür die Verantwortung; er trage zugleich aber auch eine Verantwortung dafür, jetzt nicht aufzugeben. Starmer erneuerte seine Ankündigung, es müssten drastischere politische Maßnahmen ins Werk gesetzt werden als bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren gedacht. Die Abfolge von Krisen seit zwei Jahrzehnten, zu der jüngst der Irankrieg hinzugekommen sei, erlaube keine Rückkehr zum „Status quo“. Nun sei ein größerer Ansatz notwendig, was das Verhältnis zur EU, die Energiesicherheit, die äußere Sicherheit und wirtschaftliches Wachstum angehe. Starmer gestand neuerlich ein, seine Regierung habe „natürlich auch Fehler gemacht“, beharrte aber darauf, in den „großen Linien“ den richtigen Kurs verfolgt zu haben.
