FAZ 22.01.2026
10:11 Uhr

Friedrich Merz in Davos: „Die neue Welt ist kein gemütlicher Ort“


Bundeskanzler Friedrich Merz ruft in Davos zu enger Zusammenarbeit in Europa und in der NATO auf. Europa müsse mehr für seine Sicherheit und seine wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit tun.

Friedrich Merz in Davos: „Die neue Welt ist kein gemütlicher Ort“

Bundeskanzler Friedrich Merz hat auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos dazu aufgerufen, die harten Realitäten der Gegenwart zu akzeptieren. „Eine neue Ära hat begonnen“, sagte der Bundeskanzler am Donnerstag vor den Teilnehmern des Forums. „Die neue Welt der Großmächte basiert auf Macht, Stärke und, wenn es darauf ankommt, auf Gewalt. Es ist kein gemütlicher Ort.“ Merz warnte aber davor, zu verzweifeln. „Wir sind dieser neuen Weltordnung nicht ausgeliefert“, sagte er. „Wir können die Zukunft gestalten.“ Hier bedürfe es einer Kombination aus äußerer Sicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Einigkeit in Europa. Hierfür engagiere sich Deutschland. Eine Welt, in der nur Macht zähle, sei ein gefährlicher Ort – zuerst für kleine Staaten, dann für die Mittelmächte und schließlich für die Großen, warnte Merz. Diesem Pfad ins Unheil hielt Merz als größte Stärke die Fähigkeit entgegen, auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt beruhende Partnerschaften und Allianzen aufzubauen. Merz vertraut weiter auf die NATO In der Sicherheitspolitik vertraut Merz weiter auf die NATO, innerhalb der die Europäer allerdings das Vertrauen durch bedeutendere Verteidigungsanstrengungen wieder aufbauen müssten. „Wir werden die Grundsätze wahren, auf denen die transatlantische Partnerschaft beruht, nämlich Souveränität und territoriale Integrität“, sagte der Bundeskanzler, der Dänemark und Grönland seine Unterstützung versicherte und würdigte Präsident Donald Trumps Äußerungen vom Mittwochabend, nach denen Grundzüge einer friedlichen Einigung in der Grönlandfrage erarbeitet wurden. „Jede Drohung, europäisches Territorium mit Gewalt zu erobern, wäre inakzeptabel“, betonte Merz, der Trump von einer Wiederaufnahme seiner Zollpolitik gegenüber Verbündeten abriet. „Neue Zölle würden die Grundlagen der transatlantischen Beziehungen untergraben. Die Antwort Europas wäre geeint, ruhig, besonnen und entschlossen.“ Die Bundesregierung habe sich die Ziele gesetzt, Deutschlands wirtschaftliche Kraft zu stärken und Europa zu einem Schlüsselakteur in der globalen Politik, in der Wirtschaft und im Besonderen in der Verteidigung zu machen. „Wir müssen in der Lage sein, uns selbst zu verteidigen und wir müssen uns damit beeilen“, betonte Merz. In dieser Agenda bestehe kein Raum für Isolationismus und Protektionismus: „Wir wollen die Regeln für fairen Handel und gleiche Wettbewerbsbedingungen stärken. Europa muss das Gegenteil von staatlich geförderten, unfairen Handelspraktiken, Rohstoffprotektionismus, Technologieverboten und willkürlichen Zöllen sein.“ Merz kündigte gemeinsam mit der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni erarbeitete Vorschläge für eine Reduzierung der Bürokratie in Europa an. Das Europäische Parlament hält unterdessen vorerst an dem Stopp des EU-Handelsdeals mit den USA fest. „Zu dem jetzt im Raum stehenden Deal über Grönland sind noch wenige Details bekannt, und ein Vertrag müsste natürlich von Dänemark und vor allem von den Menschen in Grönland getragen werden und kann nicht das Ergebnis von Männerrunden sein“, sagte der Vorsitzende des Handelsausschusses, Bernd Lange (SPD). Es gelte abzuwarten, ob der angekündigte Grönlanddeal wirklich zustande komme und die Souveränität der EU gewahrt werde. „Erst dann können wir beurteilen, wie es mit dem EU-US-Handelsdeal von Schottland weitergeht“, sagte Lange weiter. Die Fraktionen wollen am Montag wieder darüber beraten. Sie hatten die Verabschiedung des EU-US-Deals vom Sommer 2025 am Mittwoch vorerst auf Eis gelegt.