FAZ 20.11.2025
14:57 Uhr

Friedensplan für Ukraine: Der Versailler Vertrag lässt grüßen


Angeblich gibt es einen neuen Anlauf zur Beendigung des russischen Überfalls auf die Ukraine. Die 28 Punkte sind aber kein Plan für den Frieden, sondern für den nächsten Krieg.

Friedensplan für Ukraine: Der Versailler Vertrag lässt grüßen

Sollte tatsächlich stimmen, was über den angeblich von Moskau und Washington ausgehandelten „Friedensplan“ für die Ukraine berichtet wird, dann würde dieses Papier einen Ehrenplatz neben dem Versailler Vertrag verdienen. In ihm war Deutschland die Alleinschuld am Ersten Weltkrieg zugewiesen worden. Es musste Gebiete an die Sieger abtreten und massiv abrüsten, bestimmte Waffen wurden ihm ganz verboten. All das und mehr soll nun auch das russisch-amerikanische Papier verlangen – allerdings nicht vom Aggressor, sondern von den Überfallenen. Sie würden mit Bedingungen, die für ein souveränes Land unerträglich sind, dafür bestraft, dass Russland ihr Land mit einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg überzogen hat. Moskau aber würde mit Gebietsgewinnen belohnt – und mit der Aussicht, auch noch die übrige Ukraine unter sein Joch zwingen zu können. Denn die könnte, militärisch geschwächt und demoralisiert, einem neuerlichen Ansturm der massiv aufrüstenden russischen Armee nicht widerstehen. Sicherheitsgarantien als Ausgleich für die Wehrlosigkeit? Aber sollen die Ukrainer zum Ausgleich ihrer Wehrlosigkeit nicht (noch unbekannte) amerikanische Sicherheitsgarantien bekommen? Die gab es schon einmal, im Budapester Memorandum, in dem sogar Moskau zusagte, die Souveränität und die Grenzen der Ukraine zu achten. Garantien von Trump wären nur etwas wert, wenn er amerikanische Soldaten in der Ukraine stationierte. Das schloss er bisher kategorisch aus, Putin auch. In Frieden und Freiheit wird die Ukraine nur leben können, wenn sie der NATO angehört – was auf absehbare Zeit nicht der Fall sein wird – oder mithilfe des Westens sich selbst so gut verteidigen kann, dass Putin zu der Einsicht kommt, sein Krieg habe keine Aussicht auf Erfolg oder werde gar zu einem Risiko für sein Regime. Auch das kann noch lange dauern. Wer aber dem Kreml die Kapitulation Kiews auf dem Silbertablett serviert, wie es der 28-Punkte-Plan täte, bereitete schon den Boden für den nächsten Angriff, auf die Restukraine und vielleicht andere Länder. Auch das Münchner Abkommen lässt grüßen.