FAZ 11.12.2025
15:56 Uhr

Friedensnobelpreisträgerin: Machado will nach Venezuela zurückkehren und „Tyrannei“ beenden


Friedensnobelpreisträgerin will nach Venezuela zurückkehren

Friedensnobelpreisträgerin: Machado will nach Venezuela zurückkehren und „Tyrannei“ beenden

Die venezolanische Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado hat sich bei ihrem Besuch in Norwegen kämpferisch gezeigt. „Natürlich kehre ich zurück“, sagte sie am Donnerstag in einem Interview mit dem britischen Sender BBC. Sie wolle „diese Tyrannei sehr bald beenden“, äußerte sie später nach einem Besuch des norwegischen Parlaments und einem Treffen mit dem norwegischen Regierungschef Jonas Gahr Störe. Die Oppositionspolitikerin bedankte sich bei allen, „die ihr Leben riskiert haben, damit ich heute hier sein kann“. Machado war nach der umstrittenen Wiederwahl des linksnationalistischen Präsidenten Nicolás Maduro im Juli 2024 in Venezuela untergetaucht. Nach ihrer Ankunft in Oslo am frühen Donnerstagmorgen war sie zum ersten Mal seit elf Monaten wieder in der Öffentlichkeit aufgetreten. Sie winkte vom Balkon ihres Hotels der Menge zu und begrüßte später ihre Anhänger auf der Straße. Im Interview mit der BBC betonte Machado, sie sei sich vollkommen bewusst, welches Risiko sie eingehe, indem sie ihr Versteck verlasse. Sie wolle aber dort sein, „wo ich unserer Sache am nützlichsten sein kann“. Nach ihrem Besuch im norwegischen Parlament sagte Machado, sie werde den Friedensnobelpreis „zum richtigen Zeitpunkt nach Venezuela zurückbringen“. Sie werde jedoch nicht sagen, „wann das ist oder wie es sein wird“. Bei einer Pressekonferenz mit Norwegens Regierungschef hob die venezolanische Oppositionspolitikerin hervor, wie sehr sie das Wiedersehen mit ihren drei Kindern in Oslo bewegt habe: „Ich habe alle drei gleichzeitig umarmt und das war einer der außergewöhnlichsten spirituellen Momente meines Lebens.“ Reise nach Norwegen „extrem gefährlich“ Machado war am Mittwoch mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden, hatte die Zeremonie aber verpasst. Stellvertretend für sie nahm ihre Tochter Ana Corina Sosa Machado die Auszeichnung entgegen. Das norwegische Nobel-Institut würdigte Machado als „eines der ungewöhnlichsten Beispiele für Zivilcourage in Lateinamerika in der jüngsten Zeit“. Über ihre Reise aus Venezuela nach Norwegen, die laut dem Nobelinstitut von „extremer Gefahr“ geprägt war, verlor Machado kaum Worte. Bei ihrer Pressekonferenz sagte sie lediglich, sie habe dabei „Unterstützung von der US-Regierung“ erhalten. Das „Wall Street Journal“ berichtete über Einzelheiten von Machados Reise: Demnach habe Machado ihr Versteck in einem Vorort von Caracas verlassen, in dem sie seit fast einem Jahr gelebt hatte, um gemeinsam mit zwei Unterstützern zu einem Fischerdorf an der Küste Venezuelas zu gelangen. Auf der zehnstündigen Fahrt dorthin hätten sie zehn Armee-Checkpoints passieren müssen. Machado habe dabei eine Perücke getragen. Von dem Küstenort sei es mit einem Fischerboot über das offene Meer zur Karibikinsel Curaçao gegangen. Das amerikanische Militär sei im Vorhinein informiert worden, um zu vermeiden, als vermeintliches Drogenschmuggelboot angegriffen zu werden. Nach einer Übernachtung auf Curaçao sei Machado dann mit einem Privatflugzeug nach Oslo geflogen. Treibende Kraft der Opposition Machado ist die wichtigste Vertreterin der venezolanischen Opposition. Sie war im vergangenen Jahr die treibende Kraft hinter der Kampagne des Oppositionskandidaten Edmundo González, der die Präsidentenwahl nach Einschätzung der Regierungsgegner und zahlreicher Drittstaaten gewann. Trotz der Betrugsvorwürfe ließ sich der autoritäre Präsident Maduro allerdings zum Sieger erklären. González ging daraufhin nach Spanien ins Exil. Auch zahlreiche andere Oppositionelle sind längst ins Ausland geflohen. In Venezuela wird unter anderem wegen Vaterlandsverrats gegen Machado ermittelt. Die venezolanische Staatsanwaltschaft hatte zuletzt angekündigt, Machado als flüchtig zu betrachten, sollte sie das Land verlassen. Bei einer Rückkehr nach Venezuela drohen ihr schwerwiegende Folgen wie die Verhaftung oder ein Einreiseverbot. Die große Frage ist deshalb, wie es mit Machado nach ihrer Zeit in Oslo weitergehen wird. Das „Wall Street Journal“ berichtete, dass es Machados Plan sei, sich zunächst auszuruhen und anschließend durch Europa zu reisen, um Unterstützung für die Opposition in Venezuela zu mobilisieren. Demnach ist auch ein Besuch in der US-Hauptstadt Washington geplant, und schließlich die Rückkehr nach Venezuela. Machado selbst äußerte sich in Oslo nur vage zu ihren Plänen. Sie schaue von Tag zu Tag, wie es weitergehe, wolle nun aber zunächst einige Stunden mit Kollegen, Freunden und ihren Kindern verbringen, sagte sie. Auch Arztbesuche stünden nach der langen Zeit im Untergrund an. Einige Treffen könnten „sehr nützlich sein“, bevor sie so bald wie möglich nach Venezuela zurückkehren werde, versicherte sie. „Ich werde zurück in Venezuela sein. Daran habe ich keine Zweifel.“