FAZ 02.01.2026
17:35 Uhr

Friedenslicht: Das Erlöschen der Kerze verhindern


2025 kam das Friedenslicht wieder aus Bethlehem, man konnte es sich in Kirchen abholen. Wie eine Flamme zu Hause zum Großprojekt wird.

Friedenslicht: Das Erlöschen der Kerze verhindern

Sie ist jedes Jahr eine große Geste, diese kleine Flamme: das Friedenslicht, das die Kinder und Jugendlichen der Pfadfinder in Österreich und Deutschland verbreiten. Von Mitte Dezember an kann man es in Kirchen und anderen Orten abholen, viele tun das, wenn sie an Weihnachten in die Gottesdienste gehen. 2024 hatte es des Kriegs wegen niemand aus Bethlehem holen können, 2025 aber hat es wieder geklappt. Dass das Licht, das von Kerze zu Kerze, mit Flugzeug und in vielen Zügen, über Österreich und Deutschland weitergetragen wird, „aus diesem sehr verwundeten Land“ kommt, wie der Jerusalemer Kardinal Pierbattista Pizzaballa sagte, macht es zu einer besonderen Verpflichtung. Allerdings hätten wir, als wir es an Heiligabend aus der Kirche mitgenommen haben, nicht gedacht, dass aus diesem symbolischen Auftrag ein, wenn man das in diesem Zusammenhang so nennen darf, geradezu kämpferischer Ehrgeiz erwachsen könnte. Und das nur, weil wir im vergangenen Jahr, als wir vom 24. Dezember an mit dicken Stumpenkerzen bis zur Silvesternacht das Lichtlein genährt hatten, in einem Moment der Feier- und Sektlaune das Licht vergaßen. Und es zu Neujahr ausgegangen ist. Welche Schande! Zur Sicherheit brennen zwei Kerzen parallel Das, hat sich der Hausherr vorgenommen, dürfe nicht wieder passieren. Das Licht, einmal nach Hause getragen, ist über die Weihnachtsfeiertage sicherheitshalber gleich auf zwei dicke Kerzen verteilt worden. Zeit genug, eine ausgefuchste Strategie zu entwickeln, die am Samstag, dem ersten möglichen Einkaufstag nach den Feiertagen, in einem Großeinkauf gipfelte: drei Grablichter der Extrakategorie 100 Stunden Brenndauer. Der Einwand, ein Grablicht sei ein etwas schwieriges Symbol für das zarte Pflänzlein des Friedens, wurde mit Hinweis auf die Pflegefreundlichkeit und Lebensdauer dieser Art Kerze hinweggewischt. Nun also brennt das Friedenslicht weiter und weiter, sturm- und brandsicher verwahrt in einem Windlicht vor dem Fenster. Der Hüter des Feuers ist stolz auf seine Findigkeit. Nur auf die Frage, wie lang denn das Friedenslicht auf diese Weise weiter betrieben werden solle, hat sich noch keine Antwort gefunden. Schätzungsweise in den Sommerferien dürfte es sich ergeben, dass wir mehr als 100 Stunden lang das Haus verlassen. Womöglich muss dann der Nachbar nicht nur die Tomaten gießen, sondern auch das Weihnachtslicht nähren.