FAZ 06.03.2026
15:28 Uhr

Freundschaft: Taylor, wir brauchen dich!


Wieso kommt Taylor Swifts „Opalite“ eigentlich ohne Rhein-Main-Gebiet aus? Die Region muss sich beim Marketing doch auf den Megastar verlassen können!

Freundschaft: Taylor, wir brauchen dich!

Songs von Taylor Swift sind auch dann schön, wenn sie nichts mit Ophelia, dem Museum Wiesbaden und der Rhein-Main-Region zu tun haben. Das Video zu „Opalite“, das vor wenigen Wochen herauskam, ist leider, man muss es so sagen, auch ohne Städel, Goethe und Opel-Zoo gelungen. Den Songtext vom endlich gefundenen idealen Partner ergänzt der kurze Film mit warmherzigem Humor um die Geschichte einer einsamen jungen Frau, die sich in Ermangelung würdiger Männer einen Feldstein zum Freund erwählt hat. Dem hängt sie dann ein Freundschaftsarmband um, führt ihn aus und füttert ihn am Tresen einer Bar mit einem Drink, woraufhin sie wegen offenkundigen Wahnsinns des Lokales verwiesen wird. Bedauerlicherweise steht auch diese Bar nicht im Frankfurter Bahnhofsviertel, obwohl es ja durchaus eine gewisse internationale Bekanntheit genießt. Zum Glück für die junge Frau gibt es „Opalite“, das Zauberspray aus dem Internet, mit dem man sich das Leben aufhübschen kann. Ein Sprühstoß, und alles Hässliche ist Geschichte. So landet die Frau im Haus eines nerdigen, ebenso einsamen Junggesellen, gespielt von Domhnall Gleeson, dessen einziger Lebensgefährte ein Kaktus ist. Er hat ebenfalls auf den Sprühhebel gedrückt. Die beiden Außenseiter freunden sich an, mit glücklichem Ende. Schön wäre es für das regionale Marketing natürlich, wenn der Kaktus, an dem Gleeson sich dauernd sticht, aus dem Palmengarten käme. Oder der Felsbrocken, dem Swift ihr Herz geschenkt hat, aus der Grube Messel. Aber man kann nicht alles haben. Andere Weltgegenden brauchen auch ihren Werbeeffekt. In diesem Fall stammt Swifts Luxusbesetzung fast komplett von den Britischen Inseln. Neben Gleeson sind Talkshow-Moderator Graham Norton, Cillian Murphy als Gesicht und Stimme der Werbung für das Zaubermittel und viele andere zu Gast. Da ist für Rhein-Main nichts zu holen, auch wenn jetzt in Wiesbaden die Jugendstil-Villa Neess verkauft wird, in der Friedrich Wilhelm Theodor Heysers Ophelia-Gemälde lange zu Hause war. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Wie wäre es, Taylor? Zur Hochzeit mit Travis Kelce, angeblich am 13. Juni, brauchst du ja bestimmt noch einen Ort, mit dem die amerikanische Presse nicht rechnet. Das Waldstadion ist an dem Tag zwar gerade belegt, aber der Hochzeitsturm auf der Mathildenhöhe ist auch sehr schön.