Frauen in Vorstandsetagen sind im deutschsprachigen Raum weiterhin selten. Besonders rar sind weibliche Manager in börsennotierten Gesellschaften in Österreich. Ihr Anteil an den Vorständen der im umfassenden Wiener Börse Index (WBI) gelisteten Konzerne liegt bei 13,8 Prozent und stagniert damit auf niedrigem Niveau. Das zeigt das aktuelle Mixed Leadership Barometer der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY zum Jahresbeginn 2026. In Deutschland ist ihr Anteil inzwischen in Dax-Unternehmen gut ein Viertel. In den 54 untersuchten österreichischen Unternehmen gibt es derzeit keine einzige Vorstandsvorsitzende. Von den insgesamt 188 Vorstandsmitgliedern sind lediglich 26 Frauen. Wenn Frauen in das oberste Führungsgremium aufsteigen, dann selten an die operative Spitze. Die meisten Managerinnen verantworten Finanzen oder operative Segmente. Nach Wirtschaftszweigen liegen Energie sowie Transport & Logistik voran. Schlusslichter sind die Automobil- und Telekommunikationsbranche. EU-Richtlinie soll es richten Helen Pelzmann, Partnerin bei EY Law, äußert Kritik am Entwurf des Gesellschaftsrechtlichen Leitungspositionengesetzes, das die EU-Richtlinie Women on Boards umsetzen soll. Der Entwurf sei im Vergleich zur ursprünglichen Fassung spürbar verwässert worden. Eine ursprünglich geplante verbindliche Regelung, wonach in Vorständen mit mehr als zwei Mitgliedern mindestens eine Frau vertreten sein muss, wurde gestrichen. Damit werde aus einem klaren Gleichstellungsinstrument eine weitgehend unverbindliche Empfehlung, schlussfolgert Pelzmann. Besser sieht die Situation in den Kontrollgremien aus, wo bereits gesetzliche Quoten greifen. In den Aufsichtsräten liegt der Frauenanteil bei 31,7 Prozent, ist damit aber wieder geringer als in Deutschland. Ab Ende Juni soll eine verschärfte Quote von 40 Prozent für Aufsichtsräte gelten. Derzeit erreicht die Finanzbranche mit 40,5 Prozent als einzige diesen Wert im Schnitt. Frauen verbessern die Ertragskraft Der geringe Anteil von Frauen in den Führungsetagen steht im Widerspruch zur Erfahrung, wonach Unternehmen mit Frauen an der Spitze ertragreicher bilanzieren als Unternehmen ohne. Diesen Schluss legt eine Untersuchung des Complexity Science Hub Vienna (CSH) nahe, in der ein Zusammenhang zwischen Frauen im Vorstand und der Ertragskraft anhand japanischer Firmen untersucht wurde. Die Studie – im Fachmedium International Review of Financial Analysis veröffentlicht – stützt sich auf Daten von rund 4000 börsennotierten japanischen Unternehmen, die zwischen 2004 und 2013 erhoben wurden. Nach Aussagen des Hauptautors Matthias Raddant handelt es sich dabei um eine der größten jemals für entwickelte Volkswirtschaften analysierten Stichproben. Firmen mit mindestens einem weiblichen Vorstandsmitglied schnitten hinsichtlich ihrer Ertragskraft besser ab als solche ohne Frauen im Vorstand, zeigt die Analyse.
