FAZ 11.12.2025
17:44 Uhr

Frauen-Ligaverband FBL: Liga ohne Kompass


Der Frauen-Ligaverband markiert im Fußball eine neue Ära der Selbstgestaltung. Doch zurück bleibt das Gefühl, dass der Verband schneller ins Leben gerufen wurde, als er mit Inhalt gefüllt werden kann.

Frauen-Ligaverband FBL: Liga ohne Kompass

Die Gründung des Frauen-Ligaverbandes hätte ein Moment der Aufbruchstimmung sein können. Hier hätte das Signal gesendet werden können, dass die Klubs der Frauen-Bundesliga Verantwortung übernehmen wollen. Stattdessen hinterlässt die Pressekonferenz, bei der das dreiköpfige Präsidium vorgestellt wurde, vor allem Fragen – und das Gefühl, dass dieser Verband womöglich schneller ins Leben gerufen wurde, als er mit Inhalt gefüllt werden konnte. Die Vereine haben mit dem „FBL e.V.“ einen wichtigen Schritt getan. Er markiert den Beginn einer neuen Phase, in der die Klubs die Entwicklung ihrer Liga stärker selbst gestalten wollen – mit dem Ziel, für mehr Sichtbarkeit, eine bessere Vermarktung und dadurch höhere Einnahmen zu sorgen. Doch nach der Gründung bleibt offen, wie die nächsten Schritte konkret aussehen sollen. Man wolle Themen angehen und Gespräche – vor allem mit dem DFB – fortsetzen, hieß es immer wieder. Aber was das inhaltlich bedeutet, welche Schwerpunkte der neue Verband setzen möchte, ist weiterhin unklar. Auch auf wiederholte Nachfrage wurden keine konkreten Maßnahmen genannt, nicht präzisiert, mit welchen Aufgaben der neue Ligaverband beginnen wird. Für eine Institution, die künftig die Geschicke einer gesamten Liga lenken will, ist das erstaunlich wenig. Und zeigt, dass die FBL noch am Anfang eines Findungsprozesses steht, der offenkundig mehr Zeit benötigt. Der Ligaverband braucht den Einsatz von Klub-Bossen wie Hellmann Das ist nachvollziehbar. Aber der deutsche Frauenfußball braucht dringend bessere Strukturen, um im internationalen Vergleich nicht den Anschluss zu verlieren. Gerade deshalb wäre es wünschenswert gewesen, dass der Ligaverband bei seiner öffentlichen Premiere klarer zeigt, wohin die Reise gehen soll. Für den Erfolg der FBL wird es auch darauf ankommen, ob einflussreiche Klub-Bosse wie Axel Hellmann (Eintracht Frankfurt) oder Jan-Christian Dreesen (FC Bayern München) ihren Worten Taten folgen lassen. In den vergangenen Tagen waren sie vor allem als Kritiker des DFB aufgetreten, weniger als Gestalter des Frauenfußballs. Wenn der Ligaverband aber wirklich Fahrt aufnehmen soll, braucht er genau diesen Einsatz: Rückenwind aus den großen Vereinen und Verantwortliche, die mehr tun, als nur Missstände zu benennen. Die FBL bietet die Chance, zu korrigieren, was in den vergangenen Jahren verpasst wurde. Der Frauenfußball steht an einem Punkt, an dem Orientierung wichtig ist. Der neue Verband kann diese Richtung vorgeben. Solange aber unklar bleibt, wofür die FBL eigentlich steht und wohin sie steuern will, bleibt dieser Verband ein Schiff ohne Kompass.