FAZ 02.02.2026
15:03 Uhr

Frau vor U-Bahn gestoßen: Täter von Hamburg kam über Flüchtlingsprogramm


Der Südsudanese, der eine junge Frau mit sich in den Tod gerissen hat, war über ein UN-Programm nach Deutschland gekommen. In Hamburg war er offenbar polizeibekannt.

Frau vor U-Bahn gestoßen: Täter von Hamburg kam über Flüchtlingsprogramm
Herbert Reul bekommt es mit der hausinternen Revision zu tun. Er soll für Sanierungen auf dem Polizeigelände in Wuppertal deutlich zu viel Geld zugesagt haben. (Foto: Henning Kaiser/dpa)

Der 25 Jahre alte Mann aus Südsudan, der in Hamburg vor eine U-Bahn gesprungen ist und dabei eine Frau mit sich in den Tod gerissen hat, war über ein Flüchtlingsprogramm der Vereinten Nationen nach Deutschland gekommen. Das sogenannte Resettlement-Programm der UN-Flüchtlingsorganisation (UNHCR) richtet sich an besonders schützenswerte Flüchtlinge, die in ihren Erstaufnahmeländern nicht sicher sind. Das UNHCR trifft in den Lagern eine Vorauswahl von Personen. Diese müsse außerhalb ihres Heimatlandes Schutz gesucht haben und damit als Flüchtling im Rahmen einer vom UNHCR durchgeführten Flüchtlingsstatusüberprüfung anerkannt sein. Deutsche Beamte des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) und Sicherheitsbehörden führen daraufhin Interviews mit den Personen durch. Erst dann dürfen sie nach Deutschland einreisen. Anders als sonst üblich findet das Asylverfahren also schon vor der Einreise statt. Nach seiner Ankunft in der Bundesrepublik 2024 erhielt Aripo A. daher unmittelbar einen Aufnahmestatus und einen dreijährigen Aufenthaltstitel. Die Merz-Regierung hat das Programm ausgesetzt Zwischen dem 1. Januar 2024 und dem 30. Juni 2025 kamen insgesamt 6912 Schutzberechtigte so nach Deutschland. Das geht aus einer Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion hervor. 3385 Personen waren demnach männlich, 3527 weiblich. 3297 Personen waren minderjährig. Im März 2025 setzte das Bundes­innenministerium das Programm aus; Grund waren die Abwahl der Ampelregierung und die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD. Die schwarz-rote Koalition hatte sich darauf verständigt, alle freiwilligen Aufnahmeprogramme so weit wie möglich zu beenden. Aripo A. lebte in einer Flüchtlingsunterkunft in Hamburg-Wandsbek. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, soll er zwei Tage vor dem tödlichen Vorfall einen Polizisten angegriffen haben. Allerdings sei er danach wieder freigelassen worden. Bei dem Opfer am U-Bahnhof Wandsbek Markt handelte es sich um eine 18 Jahre alte Iranerin, die zuletzt in einem Frauenhaus gewohnt haben soll. Laut seiner Akte, aus der die Zeitung zitiert, stammt A. aus der Region um das Melut-Becken. Dem Vernehmen nach stammt A. aus einer christlichen Familie, islamistische Kämpfer sollen seine Eltern und seinen Onkel ermordet haben. Mit nur zwölf Jahren floh er allein in das Flüchtlingslager Kakuma in Kenia, wo er offenbar zehn Jahre lang lebte, bis ihn die Vereinten Nationen für die Umsiedlung auswählten. Dokumente zu seiner Identität fehlten weitgehend. Sein Geburtsdatum wurde in der Akte auf den 1. Januar 2001 datiert; ob er tatsächlich an diesem Datum geboren wurde, ist unklar. Behörden tragen üblicherweise den 1. Januar als Geburtsdatum ein, wenn keine offiziellen Geburtsurkunden oder andere Ausweispapiere vorliegen. Obwohl das Bundesinnenministerium das Programm im März 2025 aussetzte, mussten danach noch einige Personen aufgenommen werden, die in Deutschland geklagt hatten. Laut Polizei kamen am Sonntag etwa 150 Personen an dem U-Bahnhof in Hamburg zu einer Gedenkfeier zusammen. Zudem versammelten sich an einem Nebeneingang rund 50 AfD-Anhänger. Auf der anderen Straßenseite versammelten sich rund hundert Gegendemonstranten.