Was hat es mit der Sonnenbrille auf sich, die Emmanuel Macron seit ein paar Tagen trägt? In Davos erzielte seine Fliegerbrille, die entfernt an den Look des Schauspielers Tom Cruise aus Top Gun erinnert, fast genauso viel Aufsehen wie die geharnischte Rede des französischen Präsidenten gegen eine neue Weltordnung, in der nur das Recht des Stärkeren gelte. Die Zeitung „Libération“ titelte am Mittwoch mit einem Foto des Präsidenten mit der Sonnenbrille. In den Gläsern spiegelte sich das Gesicht Donald Trumps. Dabei steckt hinter dem ungewöhnlichen Look des Franzosen nur der Wunsch, sein blutunterlaufendes Auge zu verbergen. Auf einem Militärflug von Paris zum Atomwaffenstützpunkt in Istres in Südfrankreich am 15. Januar platzte ein Äderchen in seinem rechten Auge. Bei seiner Neujahrsansprache an die Streitkräfte fingen die Fernsehkameras sein blutrotes Auge ein, mit dem er nur in die Sonne blinzeln konnte. „Ein Zeichen der Entschlossenheit“ „Bitte entschuldigen Sie das unschöne Aussehen meines Auges. Sehen Sie es einfach als unbeabsichtigten Verweis auf das Auge des Tigers zu Beginn dieses Jahres. Für diejenigen, die den Bezug verstehen, ist es ein Zeichen der Entschlossenheit. Sie ist unerschütterlich“, sagte Macron. In Frankreich spielt der Begriff „Auge des Tigers“ nicht nur auf den legendären Song „Eye of the Tiger“ zum Film des Boxers Rocky Balboa an. Als „Tiger“ bezeichneten die Franzosen auch ihren Kriegsminister und Ministerpräsidenten Georges Clemenceau, der 1918 den Sieg über Deutschland errang. In französischen Militärkreisen wird er deshalb verehrt. Und auf eines legen die Franzosen auch noch Wert. Das Sonnenbrillenmodell stammt keinesfalls von einem amerikanischen Label, sondern es handelt sich um eine Fassung „made in France“. Macron hat übrigens einen Leibarzt, der ständig in seiner Nähe ist. Das ist auch dem Umstand geschuldet, dass der französische Präsident ständig einsatzbereit sein muss, ist er doch als Oberbefehlshaber der Armee auch Herr über die Atomstreitmacht.
