Arnaud Kalimuendo kann nichts dafür, denn er hat keinen Einfluss auf plötzliche Trainerwechsel. Aber seine Gedanken wird sich der französische Fußballstürmer in diesem Fall schon gemacht haben. Auch wenn der 24 Jahre alte Neuprofi von Eintracht Frankfurt das auf Nachfrage nicht bestätigen will. Mit Trainer Dino Toppmöller arbeitete Kalimuendo nur kurz zusammen, weil sich die Frankfurter am vergangenen Sonntag nach dem 3:3 in Bremen von dem Fußballlehrer getrennt hatten. Ein schneller Trainertausch war dem Angreifer schon in seiner Zeit in der Premier League bei Nottingham Forest widerfahren. Stoßen diese Erfahrungen bei ihm auf Unbehagen? Nein. „So ist der Fußball, man muss auf alles vorbereitet sein“, sagte Kalimuendo bei seiner Vorstellung im ProfiCamp unaufgeregt. „Große Sportler müssen sich an so eine Situation anpassen.“ Mit anderen Worten: Er will das Beste daraus machen. Marco Rose wird als Eintracht-Topkandidat genannt Mit dem gebürtigen Saarländer Dino Toppmöller konnte sich Kalimuendo in seiner Muttersprache unterhalten. Das hat ihm die Eingewöhnung auf seiner ersten Auslandsstation in Deutschland erleichtert. Von Toppmöllers Nachfolger darf der Stürmer diese Sprachkenntnisse nicht erwarten. Als Frankfurts Topkandidat bei der Neubesetzung der anspruchsvollen Aufgabe wurde in den vergangenen Tagen Marco Rose genannt. Nach seiner Freistellung im März 2025 ist der 49-Jährige noch vertraglich an RB Leipzig gebunden. Aber ist Rose wirklich die Wunschlösung der Hessen, die an diesem Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) im Waldstadion auf den Tabellendritten TSG Hoffenheim treffen und dementsprechend gefordert sein werden? Bei der Entscheidungsfindung ist aus Eintracht-Sicht Eile geboten. Schließlich ist die Mannschaft, die seit dem 2:3 am Mittwoch bei Qarabag Agdam Gewissheit hat, dass sie sich in der kommenden Woche im Anschluss an das Tottenham-Spiel nach der Ligaphase aus der Champions League verabschieden wird, sportlich und mental in einem besorgniserregenden Zustand. Vor allem beim Verteidigen hat sie jeden Halt verloren, davon kündet die Gegentorflut. Das Frankfurter Fußballsystem ist in seinen Grundfesten erschüttert. Schnellstmöglich sollte die Eintracht, bei der wegen der gravierenden Mängel der Eindruck entstehen kann, dass sie die defensiven Abläufe in den vergangenen Monaten zu wenig trainiert hat, nun einen Trainer finden, der dem Team die Stabilität verleiht, die nötig ist, um abermals einen internationalen Wettbewerb erreichen zu können. Der Neue muss internationale Erfahrung mitbringen Hält die Serie siegloser Spiele an, werden die Hessen in der Tabelle schnell den Anschluss an die Startplätze für das internationale Geschäft verlieren. Die Qualifikation für einen Wettbewerb ist jedoch auch wirtschaftlich von immenser Bedeutung. Ein Trainer, der womöglich nur eine kurze Perspektive in Frankfurt besitzt, kann nicht die Lösung sein. Vielmehr sollte der Klub einen Coach verpflichten, dem er zutraut, auf lange Sicht die hohen Ansprüche zu erfüllen. Internationale Erfahrung wird der neue Mann auf jeden Fall mitbringen müssen. Einiges spricht zudem dafür, dass er sich mit schwierigen Situationen auskennen sollte. Im besten Fall ist er eine Autoritätsperson mit natürlicher Ausstrahlung. Wie aus dem Umfeld der Eintracht zu hören ist, zählt nun auch der 57 Jahre alte Norweger Kjetil Knutsen, Trainer von Bodø/Glimt, zu den Kandidaten. Dessen Team besiegte in dieser Woche in der Königsklasse Manchester City 3:1. In den Fokus soll zudem Alexander Blessin gerückt sein. Der 52-Jährige trainiert Frankfurts Ligarivalen St. Pauli. Auf Spielerseite ist Arnaud Kalimuendo als Leihprofi von Nottingham Forest bisher der Königstransfer in der Winterpause. Der Rechtsfuß, dem es in der Premier League an Spielzeit mangelte, bringt eine Eigenschaft mit, die in der momentanen misslichen Lage von Vorteil ist: Im Vergleich zu seinen Teamkollegen, die deutlich an Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl eingebüßt haben, ist er durch seine kurze Vereinszugehörigkeit ziemlich unbelastet im Umgang mit den großen Problemen. „Ich will hier meine Positivität reinbringen“, sagte Kalimuendo denn auch. „Ich hoffe, damit helfen zu können.“ Auf dem Podium im Pressekonferenzraum ist das dem in der Nähe von Paris geborenen Offensivspieler gelungen, der jeden Zuhörer mit einem Handschlag begrüßt hatte. Das ist die große Ausnahme. Verbal ging er voran und verbreitete mit seiner Unbekümmertheit Mut und Zuversicht. Die Situation sei im Moment „nicht optimal“, räumte Kalimendo zwar ein. „Trotzdem sehe ich eine sehr, sehr gute Moral in der Mannschaft. Das Team hat eine starke Mentalität.“ Nur die gewünschten Erfolgserlebnisse brachte das nicht ein. Auch auf dem Platz hat Kalimuendo schon Eindruck hinterlassen. Nachdem sein nach Nizza ausgeliehener Landsmann Elye Wahi die Erwartungen nicht erfüllte, scheint er die erhoffte Verstärkung zu sein. Der 1,75 Meter große Angreifer ist schnell, spiel- und abschlussstark. Außerdem setzt er die Gegenspieler mit seinem Pressing unter Druck. Beim 3:3 zu Hause gegen Dortmund bereitete Kalimuendo den Treffer zum 2:2 vor und hatte auch am 3:2 seinen Anteil. In Bremen – die Begegnung ging ebenfalls 3:3 aus – erzielte er in der ersten Minute das 1:0. Kalimuendo ist der Mann an vorderster Stelle „Im Moment ist mir wichtig, aktiv zu sein, Tore zu erzielen und Vorlagen zu geben“, sagte der Stürmer. In der Champions League kann die Eintracht aufgrund der Regularien nicht mehr auf Kalimuendo zurückgreifen. Im Duell mit Hoffenheim hingegen wird er wieder an vorderster Stelle zum Einsatz kommen. Mit den Torjägern Hugo Ektiké (heute Liverpool) und Randal Kolo Muani (Tottenham) verfügt Kalimuendo über namhafte Vorbilder in Frankfurt. Beide waren am Main mit ihrer Treffsicherheit Stürmer der Extra-Klasse. „Sie hatten hier einen riesigen Einfluss, ich trete da in sehr große Fußstapfen“, meint der Neuzugang, gibt sich jedoch selbstbewusst: „Ich bin zuversichtlich, dass ich sie füllen werde.“ Im Sommer könnten die Frankfurter Kalimuendo für rund 25 Millionen Euro fest verpflichten. Würde er gerne über die Saison hinaus bei der Eintracht bleiben? Das sei „immer eine komplexe Situation. Es liegt auch nicht in meinen Händen“, sagte er. Dem Angreifer ist diese Situation aus seiner Heimat vertraut. Damals war er von Paris St. Germain – dort verbrachte er als Fußballspieler seine Jugendjahre, bevor er 2020 sein Profidebüt gab – an Lens ausgeliehen. „Was ich jetzt tun kann, ist einfach dem Team auf dem Platz zu helfen, Leistung zu bringen“, sagte Kalimendo. „Wir wollen uns gemeinsam verbessern, aus Fehlern lernen und zusammenwachsen.“ „Die Umstände waren damals andere“ Vor seinem Wechsel informierte er sich unter anderem bei seinem neuen, alten Teamkollegen Arthur Theate, mit dem er gemeinsam in Rennes spielte, über die Bedingungen in Frankfurt. „Das hat mir das Gefühl gegeben, dass ich mich hier sehr wohlfühlen werde.“ Die Bundesliga hatte Kalimuendo zuvor im Fernsehen verfolgt. „Meine Erwartungen wurden direkt erfüllt. Ich sehe volle Stadien und viel Respekt zwischen Spielern und Fans. Es ist eine fantastische Liga mit vielen Toren.“ Sportvorstand Markus Krösche wollte Kalimuendo schon früher nach Frankfurt lotsen. „Die Umstände waren damals andere“, teilte der Stürmer mit. „Aber besser spät als nie.“
