FAZ 13.02.2026
07:53 Uhr

Frankfurter zentrum: In der Suchthilfe auf das Wesentliche konzentrieren


Frankfurts Oberbürgermeister und die Sozialdezernentin haben sich auf vier Träger geeinigt, die das Suchthilfezentrum übernehmen sollen. Das wurde auch Zeit. Worum es eigentlich geht, wurde längst aus den Augen verloren.

Frankfurter zentrum: In der Suchthilfe auf das Wesentliche konzentrieren

Nachdem in den vergangenen Monaten immer wieder Unstimmigkeit darüber herrschte, wie und von wem das geplante „Neue Frankfurter Suchthilfezentrum“ geführt werden soll, haben sich nun Sozialdezernentin Elke Voitl (Die Grünen) und Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) für einen Weg entschieden. Das ist auch gut so. Denn nun kann es weitergehen, es kann geplant, gebaut und schlussendlich eröffnet werden. Dass der Verein Jugendberatung und Jugendhilfe mit der integrativen Drogenhilfe, der Aidshilfe Frankfurt und der Malteser Suchthilfe gemeinsam unter der Leitung der Stadt ein so wichtiges, in Deutschland einmaliges und für die Drogenkranken entscheidendes Projekt führt, ist wegweisend. Denn die Probleme der Menschen im Bahnhofsviertel sind komplex und vielschichtig, nicht für jeden funktionieren alle Hilfen gleich gut, manche brauchen mehr Beziehungsarbeit, andere brauchen mehr Regeln. Deshalb sind Angebote mit verschiedenen Ansätzen notwendig, genau die können die unterschiedlichen Träger mit ihrer jeweiligen Expertise bieten. Ausstiegsorientierte Drogenhilfe ist nicht immer gleich In den aufgeheizten Diskussionen um das Suchthilfezentrum und das Bahnhofsviertel wurde oft vergessen, dass ein Weg der Sozial- und Drogenhilfsarbeit nicht zwangsläufig besser oder schlechter als ein anderer ist. Es war und ist nicht zielführend, Sozialarbeitern, die jeden Tag einer schweren Arbeit nachgehen, vorzuwerfen, menschenverachtend zu sein oder die Drogenkranken in der Sucht halten zu wollen. Ausstiegsorientierte Drogenhilfe, wie sie schwerpunktmäßig nun auch von der Sozialdezernentin und dem Oberbürgermeister für das Suchthilfezentrum festgelegt wurde, bedeutet nicht zwangsläufig, dass Betroffene einen Entzug machen und für immer abstinent sind; das ist manchen Abhängigen schlicht nicht möglich. Ausstiegsorientierte Drogenhilfe kann auch bedeuten, einen Süchtigen erst einmal aus der offenen Drogenszene im Bahnhofsviertel in einer Einrichtung in einem anderen Stadtteil unterzubringen und dann zu versuchen, mit ihm und für ihn wieder einen Weg in die Zivilgesellschaft zu finden. Es ist gut, dass Voitl und Josef die Hervorhebung ihrer „unterschiedlichen Schwerpunkte“, wie Josef es in einer Pressekonferenz ausdrückte, beiseitegelegt und einen Kompromiss gefunden haben, der ebendiese Facetten beachtet. Und es ist gut, dass dieser Kompromiss sich nicht länger damit befasst, ob auswärtige Süchtige in Frankfurt in der Drogenhilfe versorgt werden und, wenn ja, welche. Viel zu lange wurde in der öffentlichen Debatte aus den Augen verloren, worum es eigentlich geht: kranken Menschen Heilung und einen Weg aus dem Elend des Bahnhofsviertels zu ermöglichen.