Es ist ein weiter Weg zwischen Japan und Deutschland, nicht nur geographisch. Gesprochen wird anders, und auch in unterschiedlicher Reihenfolge. Stellt sich ein Japaner vor, nennt er erst den Familiennamen, dann seinen Vornamen. Keita Kosugi, oder Kosugi Keita, dem neuen Linksverteidiger der Eintracht, waren all diese Unterschiede kaum anzumerken, bis er auf ein paar seiner Landsleute angesprochen wurde. Natürlich kenne er Hasebe Makoto, den langjährigen Kapitän der japanischen Nationalmannschaft. Oder Kamada Daichi, den Spielmacher der Frankfurter Europapokalsieger anno 2022. Oder Inui Takashi, den letzten japanischen Eintracht-Spieler auf dem linken Flügel. Er kenne also die Eintracht, die an diesem Freitag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga, bei SAT.1 und Sky) gegen Borussia Dortmund in die Bundesliga-Rückrunde startet: „Das ist einer der größten Vereine des Landes und Europas“, sagte er am Mittwoch. Ihm sei nur etwas kalt, sonst habe er sich gut eingelebt. Der Japaner ist erst ein paar Tage in Frankfurt, davor urlaubte er in seiner Heimat. In seiner Spielweise ähnelt Kosugi dem Spieler, den er im Sommer beerben könnte: Sein Körperschwerpunkt liegt ähnlich tief wie der von Brown Nathaniel, dem aktuellen Linksverteidiger der Eintracht. Weil der Deutschamerikaner in dieser Saison aber gegen die besten Flügelspieler Europas (Barcelonas Lamine Yamal, Münchens Michael Olise) gut aussah, wird er im Sommer aller Voraussicht nach wechseln. Kosugi passt aus drei Gründen ins Eintracht-Schema. Erstens: Er spielt in Schweden. Dort kauft die Eintracht gerne Spieler, weil die Preise moderater sind als in Frankreich und die Liga noch nicht bis auf den letzten Spieler durchsiebt ist. Zuletzt schüttelte sie Love Arrhov aus ihrem Sieb, einen 17 Jahre alten Mittelfeldspieler, der für 4,6 Millionen Euro von Brommapojkarna zu ihr stieß. Oder auch Hugo Larsson, vor ein paar Jahren aus Malmö gekommen. Vielleicht, weil die Schweden vom Profil her den Deutschen ähneln, denkt Kosugi: „Sie sind ähnlich groß und spielen ähnlich Fußball.“ Nun also Kosugi, 19 Jahre alt, der bei seinem vorigen Klub Djurgårdens IF so sehr auffiel, dass ihn die Eintracht für 6,5 Millionen Euro verpflichtete. In der Conference League kämpfte sich der Klub aus Stockholm bis ins Halbfinale vor und unterlag dort Chelsea London. In der Liga, die in Schweden dem Kalenderjahr angepasst ist, legte Kosugi in 28 Spielen fünf Tore vor. Fans des Klubs sagen: Er war der auffälligste Spieler bei Djurgården. Zweitens: Kosugi stammt aus Japan. Die Eintracht hat eine lange Tradition mit japanischen Spielern, angefangen mit dem Stürmer Naohiro Takahara. Seit Hasebe auch die Eintracht zeitweise aufs Feld führte, ist der Klub in dessen Heimatland bekannt. Mit den Urawa Red Diamonds, Hasebes Heimatverein, kooperieren die Frankfurter. Ein japanischer Mitarbeiter betreut den internationalen Instagram-Kanal der Eintracht. Neben Kosugi kam vor ein paar Wochen auch der Nachwuchsstürmer Keito Kumashiro zur Eintracht. Und mit Ritsu Doan verpflichtete die Eintracht im Sommer einen der bekanntesten Spieler des Landes. Auch, weil sich das Klubmanagement von diesen Spielern Marketingerfolge verspricht. Drittens: Kosugi kommt, da ist sein Platz noch besetzt. Erst im Sommer wird Linksverteidiger Brown, voraussichtlich nach der Weltmeisterschaft, wechseln – sofern alles nach Plan läuft. „Ich möchte seinen Weg verfolgen und einmal auf sein Niveau kommen“, sagte der Japaner über Brown. Ein halbes Jahr hat er, Kosugi Keita, jetzt Zeit, sich an das Tempo der Bundesliga zu gewöhnen.
