FAZ 28.11.2025
17:19 Uhr

Frankfurter Nahverkehr: Normalität statt Ausbau im Nahverkehr


Die Kürzungen des Fahrplans wegen fehlender Fahrer werden weitgehend zurückgenommen. Doch der Weg zu einem größeren Angebot ist weit.

Frankfurter Nahverkehr: Normalität statt Ausbau im Nahverkehr

Es ist zunächst einmal eine gute Nachricht: Nachdem das Angebot zwei Jahre lang wegen fehlender Fahrer eingeschränkt war, erreichen zumindest die Frankfurter U-Bahnen mit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember wieder das Leistungsniveau von Ende 2023. Dazu hat die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) erhebliche Anstrengungen unternehmen müssen, sie hat mit einer großen Kampagne um Personal geworben und die Schulungskapazitäten erhöht. Der übrige Fahrplan hingegen wird an die Verkehrsbedingungen angepasst. Weil Busse und Straßenbahnen wegen Staus und Baustellen schlechter vorankommen, werden längere Fahrtzeiten eingeplant. Auf diese Weise solle mehr Zuverlässigkeit erreicht werden, wie Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert (Die Grünen) sagt. Das war auch schon das Ziel des gekürzten sogenannten Stabilitätsfahrplans. Denn spontane Verspätungen und Ausfälle sind für die Fahrgäste letztlich ärgerlicher, als wenn sie vorher wissen, dass ein Bus oder eine Bahn nicht kommt. In einem Jahr sollen auch die Fahrtzeiten der U-Bahn angepasst werden. Weil sie über weite Strecken auf eigener Trasse unterwegs ist, trifft sie die Verkehrssituation allerdings nicht ganz so stark. Warten auf die neue Straßenbahnserie Die Forderung nach einem Ausbau des Nahverkehrs gehört zu den wenigen verkehrspolitischen Zielen, die in Frankfurt weitgehend unumstritten sind. Er hilft der Umwelt, ist sozial und trägt auch dazu bei, dass Autos überhaupt noch vorankommen. Denn die Stadt wächst und mit ihr die Zahl der Menschen, die von A nach B kommen wollen. Aber die Ankündigungen zum Fahrplanwechsel zeigen: Statt besser fließt der Verkehr schlechter. Weil er zunimmt, aber auch, weil der Weg zur Klimaneutralität mit zahlreichen Baustellen für Fernwärme- und Stromleitungen gepflastert ist. Hinzu kommen äußere Widrigkeiten: Die neuen Straßenbahnen, mit denen zusätzliche Angebote möglich wären, sind wegen technischer Mängel nicht einsatzbereit. Der Zeitpunkt, von dem an neue U-Bahn-Strecken in Betrieb gehen können, verschiebt sich nach hinten. Zugleich muss die Stadt über ihren Konzern ein immer größeres Defizit der VGF ausgleichen, gut 130 Millionen Euro waren es im vergangenen Jahr. In einem Vergleich von Greenpeace lag Frankfurt mit seinen Kürzungen des ÖPNV-Angebots um 2,8 Prozent an vierter Stelle der 30 größten deutschen Städte. Um die klimapolitischen Ziele zu erreichen, müsste es demnach jedoch um 4,5 bis 12,5 Prozent steigen – in jedem Jahr. Im Wettlauf um Kapazität, Technik und Geld nimmt der Nahverkehr unter den gegenwärtigen Umständen keine Fahrt auf.