FAZ 01.02.2026
16:30 Uhr

Frankfurter Fußballkrise: Die Eintracht im Fegefeuer


Alles, was über zehn Jahre gut war, wird hinterfragt. Für Eintracht Frankfurt steht in diesen Tagen viel auf dem Spiel. Der neue Trainer Albert Riera steht gleich zum Start mächtig unter Erfolgsdruck.

Frankfurter Fußballkrise: Die Eintracht im Fegefeuer

Es ist unfassbar, wie schnell im Profifußball Erfolgsstrukturen zerbrechen, die fest gefügt und belastbar erschienen sind. Die Frankfurter Eintracht war bis in den September 2025 der Bundesligaklub, der von allen das meiste Lob für seine positive Entwicklung erhielt. Aus der launischen Diva vom Main, geführt von mitunter halbseidenen Repräsentanten, mit denen die großen Wirtschaftsunternehmen nicht zusammenarbeiten wollten, aus einem Traditionsklub, der begleitet vom Seufzen der Fans finanziell und sportlich von der Hand in den Mund lebte, war in zehn Jahren ein Vorzeigeverein geworden, der sich den Respekt und die Bewunderung der Politik, der Wirtschaft, der ganzen Gesellschaft erworben hatte. Die Eintracht, der Stolz der Frankfurter, der Hessen. Der Blick bei Eintracht Frankfurt geht nach unten Nach dem 5:1 über Galatasaray zum Auftakt der Champions-League-Kampagne stand die Eintracht an der Spitze der Königsklassentabelle, nach dem 1:3 gegen Bayer Leverkusen steht die Eintracht auf Platz acht in der Bundesligatabelle, aus den Pokalwettbewerben ist sie rausgeflogen. Der Blick geht nach acht Spielen ohne Sieg nach unten, nur noch neun Punkte trennen die Frankfurter vom Relegationsplatz. Verläuft die Rückrunde weiter in diesen Bahnen, wird die Abstiegsgefahr in wenigen Wochen greifbar werden, Erinnerungen an die Rückrunde der Schande 2011, die mit dem Absturz in die Zweitklassigkeit endete, werden wach. An diesem Montag übernimmt Albert Riera die Mannschaft. Der 43 Jahre alte Mallorquiner soll die Mannschaft aus ihrer Lethargie und Verunsicherung reißen, die die Interimstrainer Schmitt und Meier nach der Beurlaubung von Cheftrainer Toppmöller nur in ganz wenigen Phasen in den vier Spielen ihres Interregnums durchbrechen konnten. Riera soll emotional und ein leidenschaftlicher Arbeiter sein, der der spanischen Fußballschule mit viel Ballbesitz und Dominanzstreben anhängt. Was mit ihm auf die Eintracht genau zukommt, weiß niemand, der ehemalige spanische Nationalspieler ist in der Bundesliga ein unbeschriebenes Blatt. Immerhin ist einer seiner Ko-Trainer der Cousin des Arsenal-Trainers Mikel Arteta, auch mit Pep Guardiola pflegt Riera engeren Kontakt. Mit ihm, der das Land, die Liga und die Sprache nicht kennt, ist die Eintracht und vornehmlich Sportvorstand Markus Krösche ein großes Risiko eingegangen. Funktioniert Riera nicht, so wie die Interimstrainer zumindest ergebnistechnisch nicht funktioniert haben, dann wird nicht nur die Eintracht, sondern auch Krösche schwer angeschossen sein. Destabilisiert ist die Eintracht schon. Alles, was über zehn Jahre gut war, wird hinterfragt: das unternehmerische Expansionsstreben, mitfinanziert von Kapitalerhöhungen, das auf Transferüberschüssen basierende Konzept im Sport. Die Ultras mit ihrer Ideologie und ihren Werten sind seit der Mitgliederversammlung am vergangenen Montag zu einer ernst zu nehmenden politischen Opposition erwachsen. Sie brachten sogar einen in der Hooliganszene bestens bekannten und bewährten Kandidaten in den Verwaltungsrat der Eintracht. Weiterer Misserfolg wäre nur Wasser auf ihre Mühlen, schon jetzt steht zu befürchten, dass es für auf Seriosität bedachte Firmen in Zukunft schwieriger wird, sich bei der Eintracht zu engagieren. Vor vier Monaten dem Himmel ganz nahe, befindet sich die Eintracht nun im Fegefeuer.