FAZ 23.02.2026
17:43 Uhr

Frankfurter Flughafen: Ein Erlebnis für Besucher und Umsteiger


500 Millionen Euro hat die neue Skyline-Bahn am Frankfurter Flughafen gekostet. In acht Minuten bringt sie künftig Passagiere von Terminal 1 zu Terminal 3 – interessante Blicke auf das Rollfeld inklusive.

Frankfurter Flughafen: Ein Erlebnis für Besucher und Umsteiger

Die neue Skyline-Bahn am Frankfurter Flughafen nimmt Fahrt auf. Zwei Monate vor der Eröffnung des Terminals 3 sagte der Chef des Flughafenbetreibers Fraport, Stefan Schulte, am Montag im Übergangsgebäude am Terminal 1, von dem aus man zur neuen Bahn kommt: „Wir sind ready. Es ist alles abgenommen.“ Die Fahrt mit dem Zug sei ein Erlebnis für Besucher und Umsteiger. „Das ist eine gute Aufwertung der Infrastruktur mit modernster Technik.“ Die neue Station der Skyline-Bahn liegt nördlich vor dem Terminal 1, ist direkt über den Übergang zum Fernbahnhof zu erreichen und soll der zentrale Knotenpunkt werden zwischen den Terminals 1 und 3 sowie zu den Bahnhöfen. Projektleiterin Stefanie Plesmann beschreibt das Gebäude als präzise gefügtes Stück Ingenieurbaukunst, das trotz des engen Raums und herausfordernder Baubedingungen einladende Klarheit ausstrahlen soll. Nördlich und südlich des Stationsgebäudes schließen die Fahrbahntrassen an, die in Richtung Osten zu den Terminals 2 und 3 führen. Unter der Station entsteht ein neuer Busbahnhof mit elf Haltestellen. Darunter liegen die Läden im Terminal 1, darunter noch der Regionalbahnhof. Die Station der Skyline-Bahn steht auf 22 Stützen aus Stahl, die jeweils mehr als 15 Tonnen wiegen. Rund 1820 Tonnen Stahl sind allein für das Stationsgebäude verbaut worden, sagt Plesmann, das sind 73 Lastwagenladungen, die im laufenden Betrieb hertransportiert werden mussten. „Das war wie Tetris spielen“, sagt sie. Einhubgewichte bis 180 Tonnen Die Stützen seien in Einzelteilen angeliefert und vor Ort verschweißt worden. Die Architektur folgt einer frühen Vorplanung des Londoner Büros Nicholas Grimshaw; die genaueren Entwürfe übernahm das Frankfurter Büro Albert Speer und Partner. Die neue Skyline-Bahn verbindet schon seit diesem Montag die Terminals 1 und 2. Wenn sie in zwei Monaten in den Regelbetrieb geht, verbindet sie im Zweiminutentakt die Terminals 1, 2 und 3. Dabei können die vollautomatischen Züge, die Siemens Mobility individuell für Fraport hergestellt hat, jeweils rund 140 Passagiere transportieren – das sind 4000 Menschen in der Stunde je Richtung. Die Züge wurden 2022 ausgeliefert, seit 2023 werden sie eingesetzt und intensiv getestet. Bei Bedarf kann an die zwei Waggons je Zug noch ein dritter angebaut werden. Neun Züge werden gleichzeitig auf dem Streckennetz unterwegs sein. Drei dienen als Reserve. Die Bahn fährt autonom, ohne Zugführer. Die 5,6 Kilometer lange Strecke schafft die Bahn in knapp acht Minuten bei Geschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern in der Stunde. Dreieinhalb Kilometer der Strecke verlaufen in sogenannter Hochlage. Im Norden ist der Fahrweg besonders eng geführt. Wolfgang Holzhausen, für den Bau der Trassen zuständig, spricht von einer logistischen Meisterleistung. „Alle Fahrwegträger mussten mit Kränen eingehoben werden. Wir hatten Einhubgewichte bis zu 190 Tonnen“, sagt er. Die erste Stütze im Norden setzte das Bauunternehmen Max Bögl im Juli 2019 ein, der erste Fahrwegträger wurde 2021 eingesetzt, der letzte im Oktober 2023. „Wir haben praktisch keine Wartezeiten für die Passagiere.“ Die Skyline-Bahn fährt auf ihrer Route auf und ab. Die Fahrt beginnt auf Höhe des Übergangs zum Fernbahnhof, das Terminal 2 erreicht sie nach zwei Minuten, zum dritten Terminal fährt die Bahn (mit einem wunderbaren Blick auf das Rollfeld, der auch Nichtpassagiere zu einer unentgeltlichen Fahrt motivieren dürfte) entlang der Autobahn A 5 zeitweise ebenerdig. Das liegt daran, dass die Bahn die in Richtung Westen einfliegenden Piloten nicht irritieren darf und Sichtachsen eingehalten werden müssen. Auf dem Weg zum Terminal 3 fährt die Bahn auch am „Herzstück“ vorbei, wie Holzhausen es nennt: dem Werkstattgebäude. Hier werden die Züge gewartet, und dort sitzt auch die Fahrdienstleitung der neuen Skyline-Bahn. Am Terminal 3 selbst hebt sich die Anlage durch außenliegende Bahnsteige und eine klare Trennung der Passagierströme von der Station am Terminal 1 ab. Im Probebetrieb pendeln seit längerer Zeit Mitarbeiter und „Probepassagiere“ zwischen Terminal 1 und 2 und dem neuen Terminal 3. Timo Pfannmöller, verantwortlich für den Personenbetrieb der Skyline-Bahn, beurteilt den Anlauf positiv. „Wir haben praktisch keine Wartezeiten für die Passagiere.“ Derzeit laufen im Terminal Massentests an der Gepäckförderanlage – mehr als zehn Kilometer Bänder müssen kalibriert werden. „Verschiedene Software muss exakt zusammenspielen, die Gepäckorganisation ist komplex“, sagt Schulte. Die Investitionen für die neue Bahn samt Station beziffert Fraport auf rund eine halbe Milliarde Euro. Die Modernisierung dient auch der Neuordnung der Passagierströme, weil das Terminal 3 im Wesentlichen Airlines außerhalb der Star Alliance um die Lufthansa aufnimmt und die Umsteigebeziehungen künftig stärker innerhalb des jeweiligen Terminals stattfinden sollen. Das soll auch dazu führen, dass es kaum Umsteiger vom Terminal 1 ins Terminal 3 oder andersherum geben wird, weil Codeshare-Flüge, bei der mehrere Fluggesellschaften denselben Flug unter eigenen Flugnummern vermarkten, in der Regel am selben Terminal abgefertigt werden. Das hat auch Vorteile für die Linien, die nicht ins neue Terminal einziehen. „Mit den Airlines, die ins Terminal 3 gehen, entsteht im Norden mehr Platz für Lufthansa und Star Alliance“, sagt Schulte. Mit den neuen Nordpositionen und zentralen Vorfeldpositionen verkürzten sich für Fahrgäste zudem Busfahrten im Nordbereich des Flughafens.