FAZ 11.02.2026
19:55 Uhr

Frankfurter Dax-Konzern: Die Commerzbank bleibt unter Druck


Die Commerzbank legt abermals gute Zahlen vor. Doch der Kampf um ihre Eigenständigkeit ist damit noch nicht gewonnen.

Frankfurter Dax-Konzern: Die Commerzbank bleibt unter Druck

Beinahe wäre Bettina Orlopp die Frage durchgerutscht. „Das Italien-Thema“, wie die Chefin der Commerzbank die Diskussion um eine etwaige Übernahme des Frankfurter Konzerns durch die italienische Unicredit nannte, sei bei ihr derzeit so gar nicht präsent, deshalb habe sie bei der Vorlage der Bilanzzahlen für 2025 am Mittwoch beinahe vergessen, die Frage eines Journalisten dazu zu beantworten. Doch vermutlich ist diese Italien-Frage das, was Mitarbeiter, Investoren und auch die Beobachter am Frankfurter Finanzplatz am meisten interessiert, denn die Antwort hat erhebliche Folgen. Das gute Ergebnis der Commerzbank im Geschäftsjahr 2025 ist vor diesem Hintergrund zwar ein Signal von Stabilität und Ausdruck der guten Arbeit, die Orlopp und ihr Team in der jüngeren Vergangenheit geleistet haben. Die Bank steht ordentlich da, schreibt gute Zahlen, hat gewisse Perspektiven – und sendet mit der erhöhten Dividende eine klare Botschaft im Kampf um die Eigenständigkeit. Und doch könnte das zu wenig sein. Schließlich hat die Unicredit, die seit geraumer Zeit offen darüber spricht, eine Übernahme der Commerzbank anzustreben, die bereits 26 Prozent der Anteile hält und auf 29 Prozent aufstocken könnte, diese Woche ein Rekordergebnis vorgelegt, das es ihr ermöglichen würde, wie geplant das Übernahmeangebot in weiten Teilen mit eigenen Aktien zu begleichen. Darüber hinaus hat Unicredit-Chef Andrea Orcel zuletzt deutlich gemacht, an den Plänen festzuhalten, wonach die Übernahme, wenn der richtige Zeitpunkt komme und die Konditionen stimmten, passieren werde. Mit Blick auf das Ergebnis der Italiener könnte dieser Zeitpunkt bald gekommen sein. Für Frankfurt wäre eine Übernahme ein herber Rückschlag Auch wenn es gute Argumente zugunsten eines solchen europäischen Bankenchampions gibt: Für Frankfurt wäre das ein erheblicher Rückschlag. Die Commerzbank ist ein Anker im Bankensystem der Stadt, ein Aushängeschild mit langer Tradition und natürlich ein wichtiger Arbeitgeber. Würde die Bank künftig aus Mailand geführt, wäre Frankfurt nur noch ein Standort eines globalen Players – mit allen Folgen für Arbeitsplätze oder das Engagement am Ort. Was passieren würde, käme die Unicredit bei der Commerzbank zum Zug, zeigt der Fall der Hypovereinsbank, die 2005 übernommen wurde. Seitdem hat sich die Zahl der Mitarbeiter dort mehr als halbiert. Für Frankfurt wäre eine Übernahme der Commerzbank mehr als ein Symbolverlust. Eine Integration in einen ausländischen Konzern würde strategische Funktionen, Entscheidungskompetenzen und langfristig auch Wertschöpfung vom Main wegverlagern. Das muss kein sofortiger Kahlschlag sein – aber es wäre ein schleichender Bedeutungsverlust einer der letzten großen Bankzentralen Deutschlands. Die guten Zahlen der Commerzbank sind ein Hoffnungsschimmer mit Blick auf die Eigenständigkeit der Bank. Aber die Gesamtlage zeigt: Der Kampf der Bank gegen eine Übernahme ist noch lange nicht gewonnen.