Nach Umbauarbeiten Platz für 16 neue Stühle zu haben, klingt erst einmal nicht nach einer großen Sache. Schaut man sich aber an, wo diese Sitzgelegenheiten seit Kurzem sind, sieht man nicht nur eine tatsächlich große Sache, sondern auch eine Chance für eine ganze Stadt. Denn die 16 Stühle stehen im Frankfurter Bahnhofsviertel in Hessens größtem Konsumraum und machen ihn damit zu dem größten für inhalative Drogen in ganz Deutschland. Das ist gut. Denn lange schon hat Crack die über viele Jahre hinweg dominierende Droge Heroin in der offenen Drogenszene abgelöst und damit das Suchtverhalten verändert. Crack wird geraucht, nicht gespritzt. Es wirkt anders als Heroin bloß Minuten, nicht Stunden. Oft wird es deswegen schnell auf offener Straße inhaliert; viele Abhängige schaffen es nicht, sich zurückzuhalten, bis einer der bislang wenigen Rauchplätze frei ist. Gut für die Süchtigen und die Stadt Eigentlich soll das geplante „Neue Frankfurter Suchthilfezentrum“ eine Antwort auf den Crackkonsum sein. Anstatt darauf zu warten, sind die Stadt und vor allem der Träger des Konsumraums, die Integrative Drogenhilfe, schon einen wichtigen Schritt nach vorn gegangen. Die gesamte Einrichtung wurde modernisiert, unter anderem wurde eine Klimaanlage eingebaut, und es gibt jetzt Tagesruhebetten, all das soll die Süchtigen bewegen, sich von der Straße weg zu dem betreuten Raum zu begeben. Weitere Einrichtungen sollen laut Integrativer Drogenhilfe ebenfalls modernisiert werden. Das bietet nicht nur den Suchtkranken Chancen. Denn: Wenn sie einen sicheren Ort für ihren Konsum haben, an dem sie willkommen sind, dann sind sie auch ansprechbarer für Sozialarbeit. So haben die Abhängigen, im besten Fall, eine Möglichkeit, einen Weg aus dem Elend des Bahnhofsviertels und der Abhängigkeit zu finden. Das entlastet nicht nur die Straße, sondern kann auch mittel- und langfristig Positives für Anwohner, Touristen, Gewerbetreibende und das Sozial- und Gesundheitssystem bedeuten. Gleichsam ausruhen auf den 16 neuen Stühlen im jetzt größten Konsumraum Deutschlands für inhalativen Konsum sollten sich Frankfurt und auch das Land Hessen aber nicht. Es sind weitere Einrichtungen nötig, um den Drogenkranken zu helfen. Das geplante Suchthilfezentrum könnte ein Anfang sein. Andere Städte sollten nachziehen. Süchtige und Drogen gibt es nicht nur in Frankfurt.
