FAZ 28.02.2026
12:58 Uhr

Frankfurt vor der Wahl: Mehr Baustellen als Geld


Seltene Einigkeit im Kulturausschuss der Frankfurter Stadtverordneten: Alle wollen einen Haushalt beschließen – mit wohl unbezahlbaren Extrawünschen und allerhand großen Baustellen.

Frankfurt vor der Wahl: Mehr Baustellen als Geld

Wenn der Frankfurter Kulturausschuss in seiner letzten Sitzung ein Vorbild für die letzte Stadtverordnetenversammlung vor der Kommunalwahl ist, dann wird auch dort am 5. März Frieden herrschen wie nie. Alle werden einen Antrag nach dem anderen abstimmen, mit guten Argumenten und Kompromissen, wo es nottut. Ein Paradies der Kommunalpolitik: sachkundig, diszipliniert, leidenschaftlich in der Sache, effizient. Wenn auch die CDU im Wahlkampf immer wieder auf die Langsamkeit der Koalition und ihrer Beschlüsse hinweist: Im Endspurt der Kulturpolitiker geht dann alles sehr schnell und in großer Einigkeit auch jenseits der Rest-Koalition im Römer – Realisierungswettbewerb für das Haus der Demokratie, Gründung einer Bühnenbaugesellschaft, Eilhilfe für die marode Maschinerie der Oper. Sympathien für das Papageno Theater, dem geholfen werden soll, die fehlenden 250.000 Euro für die Dachsanierung aufzutreiben,  Unterstützung für das Theater in der Sindlinger Engelsburg und noch ein paar Dutzend Anträge mehr. Nicht nur im Kulturausschuss wird mehrfach beschworen, in der letzten Sitzung des Stadtparlaments am 5. März gelte es unbedingt, den Haushalt über die Bühne zu bekommen, um Stillstand und Verluste zu vermeiden.  Beim Blick ins Detail, auf die Etatanträge der Fraktionen, offenbart sich allerdings: Es gibt weit mehr Wünsche für die Kulturszene der Stadt, als man mit dem vorhandenen Geld je finanzieren könnte. Manche sind „nice to have“ oder regelrecht nassforsche Übertreibungen – aber noch viele mehr sind überfällig oder müssen existenzbedrohende Finanzierungslücken schließen. Preissteigerungen, Entmietungen, Sanierungsstaus bedrohen gewachsene Strukturen. Und viele Kultureinrichtungen haben nicht nur symbolisch, sondern ganz handfest Baustellen zu erledigen. Der Verweis einiger Antragsteller darauf, Frankfurt sei „wohlhabend“ oder „reich“, geht ebenso fehl wie die Forderungen der rechten Fraktionen, ganze Programme, zumal für Kinder und Jugendliche, zu streichen. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) wünscht sich künftig einen Notfallfonds in ihrem Etat für eilige Sanierungsfälle bei den freien Theatern. Doch auch der Eilantrag, mit dem nun der Spielbetrieb in der Oper gesichert werden soll, zeigt: Die Baustellen im Kulturbetrieb müssen auch nach der Kommunalwahl zügig und effizient abgearbeitet werden.