FAZ 27.12.2025
12:24 Uhr

Frankfurt und Wiesbaden: Städte rüsten sich für die Silvesternacht


Ordnungskräfte werden zum Jahreswechsel im Dauereinsatz sein. Die Polizei in Frankfurt und Wiesbaden bekommt deshalb Verstärkung.

Frankfurt und Wiesbaden: Städte rüsten sich für die Silvesternacht

Alkohol, illegale Polenböller und Aggressionen bis hin zur Körperverletzung: Die Silvesternacht wird für Polizei und Ordnungskräfte im Rhein-Main-Gebiet abermals zur Herausforderung. Größere Städte bereiten sich wie mittlerweile jedes Jahr auf eine turbulente Nacht vor. In Frankfurt und Wiesbaden werden Feuerwerksverbots- und Sicherheitszonen eingerichtet, in denen massiv kontrolliert werden soll. Allein in Frankfurt sind mehrere Hundert Polizisten im Einsatz, während im beschaulichen Taunusstein nicht einmal ein Ordnungsamtsmitarbeiter im Dienst ist. Die Stadt Frankfurt hat ihre Böllerverbotszonen mit einer sogenannten Allgemeinverfügung eingerichtet. Demnach ist es auf dem Eisernen Steg von Mittwoch, 31. Dezember, 20 Uhr, bis Donnerstag, 1. Januar, 3 Uhr verboten, Feuerwerk zu zünden, und es nicht einmal erlaubt, dieses dabeizuhaben. Das gilt unter anderem für Raketen, Böller, Kanonenschläge und Feuerwerksbatterien. Auch das Zünden von bengalischen Fackeln und Lichtern, Feuerfontänen und Raketentreibsätzen ist nicht erlaubt. Die Frankfurter und ihre Gäste dürfen deshalb Taschen, Tüten und Rucksäcke mit einem Fassungsvermögen von mehr als drei Litern nicht auf die Brücke mitnehmen. Die Stadt kündigt an, den Eisernen Steg von beiden Seiten aus zu kontrollieren. Sollten zu viele Menschen auf der Brücke stehen, wird sie zudem gesperrt. Auf der Zeil, inklusive der Hauptwache und der Konstablerwache, gilt in der Silvesternacht von 20 bis morgens um 6 Uhr ein Feuerwerksverbot. Außerdem dürfen Böller und Raketen in der Innenstadt nicht in der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Altenheimen, dem Zoo und Fachwerkhäusern sowie im Stadtwald gezündet werden. Diese Einschränkungen gelten in ganz Deutschland. Autofahrer sollen die Innenstadt umfahren Die Stadt rät Besuchern, die Innenstadt entweder weiträumig zu umfahren oder öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, denn aufgrund umfangreicher Sperrungen müsse mit erheblichen Behinderungen gerechnet werden. „Wir sind für die Silvesternacht wieder mit einer besonderen Aufbauorganisation mit vielen zusätzlichen Kräften aufgestellt“, sagt Patrick Rüter, Sprecher des Polizeipräsidiums Frankfurt. Das Einsatzgebiet ist vor allem die Innenstadt, aber die Polizisten sind auch in den Stadtteilen unterwegs. Ziel ist es, von den frühen Abendstunden an bis tief in die Nacht hinein eine „wahrnehmbare Präsenz“ zu zeigen. Laut Rüter wird das Hessische Polizeipräsidium Einsatz (HPE) die Frankfurter Ordnungshüter unterstützen, sodass mehr Polizisten auf der Straße sein werden. Aus einsatztaktischen Gründen nennt der Sprecher nicht die exakte Zahl der Einsatzkräfte, aber es werden mehrere Hundert Polizisten sein. „An Silvester sind bei größeren Veranstaltungen Körperverletzungsdelikte immer ein Thema, wenn viele Personengruppen aufeinandertreffen und Alkohol getrunken wird“, erläutert Rüter. Zudem schauen die Polizisten, welche Art Böller gezündet werden und ob es sich um illegales Feuerwerk handelt. „Für diese Fälle haben wir die Kriminalpolizei im Einsatz, die fachlich beurteilen kann, ob ein Feuerwerk erlaubt ist“, führt er weiter aus. Gleichwohl räumt er ein, dass es nach dem Zünden eines Böllers kaum möglich ist zu erkennen, ob dieser illegal war. „Die Kollegen achten auch auf Raketen in der Nähe von Hochhäusern“, kündigt Rüter an. Hintergrund ist die Gefahr für Hochhausbewohner auf Balkonen, wenn am Boden gezündete Raketen in deren Höhe detonieren. Zudem, so Rüter weiter, könne das zu Balkonbränden führen. Die Polizei wird sofort aktiv und leitet Ermittlungen ein, wenn sexuelle Belästigungen gemeldet werden. Die ehemalige Weihnachtsmarktwache an der Braubachstraße ist nachts geöffnet und dient als Anlaufpunkt. Spezielle Awareness-Teams für Frauen gibt es nicht. „Wir sind für jeden ansprechbar und bitten darum, die Kollegen in der Innenstadt sofort zu informieren, wenn etwas festgestellt wird“, sagt Rüter. In Wiesbaden hat die Stadt rund um das Bowling Green am Kurhaus eine Sicherheitszone eingerichtet, in der das Zünden von Feuerwerk verboten ist. Vor dem Kurhaus wird es in diesem Jahr eine Drohnenshow geben. Es werden Tausende Besucher erwartet, die weder Böller noch Raketen mitbringen dürfen, ebenso wie Taschen und Rucksäcke, die größer als DIN A4 sind. Die Sicherheitszone umfasst den Kaiser-Friedrich-Platz, die Wilhelmstraße zwischen Kureck und Burgstraße, die Sonnenberger Straße zwischen Kureck und Leberberg sowie das Gebiet, das von der Wilhelmstraße, den Kurhauskolonnaden, dem Kurhaus und dem Hessischen Staatstheater eingeschlossen wird. „Die Sicherheitszone rund um das Bowling Green hat sich auch im vergangenen Jahr bewährt“, sagt Christoph Fink vom Ordnungsamt und ergänzt: „Es gab keine Verletzten mehr, und wir haben viel positive Resonanz aus der Bevölkerung erhalten, weil sich die Menschen darüber freuten, den Jahreswechsel feiern zu können, ohne dass es in der Nähe des Kopfes knallt und Schläge tut.“ In der Sicherheitszone sei ein „sehr entspanntes Feiern“ möglich. Damit das so bleibt, werden die Zugänge von einem privaten Sicherheitsunternehmen kontrolliert. Weil viele Gäste erst nach 23 Uhr kommen, gibt es in diesem Jahr laut Fink mehr Eingänge. Für Menschen, die belästigt wurden, soll es gut sichtbare Anlaufstellen geben. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes helfen bei der Vorbereitung, aber in der Nacht selbst sind die Stadtpolizisten und die regulären Polizisten im Einsatz. Winnrich Tischel, Leiter des zuständigen Amtes für Straßenverkehr und Stadtpolizei, ist in der Silvesternacht selbst auf Wiesbadens Straßen unterwegs. „Wir kontrollieren auffällige Personen mit starkem Alkoholkonsum oder wenn diese aggressiv sind. Die werden dann gegebenenfalls abgewiesen“, kündigt Tischel an. Stadtpolizei rund um das Bowling Green Die Hauptaufgabe der Stadtpolizei ist die Sicherheit rund um das Bowling Green. Die Landespolizei kann sich im Laufe der Nacht auf alle anderen Teile der Stadt konzentrieren und hilft in der Sicherheitszone, sobald dort Schwierigkeiten auftreten. Neben uniformierten Polizisten werden sich Zivilbeamte der Landespolizei unter die Feiernden mischen. Auch die Wiesbadener Polizisten erhalten zusätzliche Einsatzkräfte vom HPE, wie eine Sprecherin auf Nachfrage bestätigt. Die konkrete Zahl der Polizisten will auch sie nicht nennen. Sobald die Feier vor dem Kurhaus beendet ist, werden die Stadtpolizisten bis zum Morgen auf Streife in Wiesbaden unterwegs sein. „Wir werden dorthin fahren, wo es brennt. Im wahrsten Sinne des Wortes, wenn etwa jemand eine Mülltonne angezündet hat“, sagt Tischel. Er berichtet davon, dass auch seine Mitarbeiter in der Vergangenheit schon mit Feuerwerksraketen beschossen wurden. „Ich bin der Überzeugung, dass privates Böllern in der Innenstadt verboten werden sollte“, sagt er. „Der Einsatz ist auch für uns nicht ungefährlich.“ In der Tat wurden in der vergangenen Silvesternacht beispielsweise auf dem Kranzplatz illegale Böller gezündet, deren Druckwellen noch in mehr als 50 Meter Entfernung deutlich zu spüren waren. „Wenn meine Leute nur den Verdacht haben, dass Menschen gefährdet werden, greifen sie sofort ein“, verspricht er. Entspannter verläuft die Nacht erfahrungsgemäß in Taunusstein, der größten Stadt im Rheingau-Taunus-Kreis. Einen Kriminalitätsschwerpunkt gibt es nach Auskunft von Michael Kleiber, Abteilungsleiter für öffentliche Sicherheit und Ordnung, in der Kommune nicht. „Die Jahreswechsel sind bei uns in Taunusstein immer ruhig verlaufen, und ich meine, die grundsätzliche Bereitschaft zum Böllern hat über die Jahre abgenommen“, sagt er. Folgerichtig gibt es in keinem der zehn Stadtteile eine Feuerwerksverbotszone. „Die Bürger feiern in den Straßen vor ihren Häusern und böllern dort“, berichtet Kleiber. Da es bislang keine größeren Probleme gab, ist die städtische Ordnungspolizei laut Kleiber in der Silvesternacht auch nicht im Dienst. „Ansprechpartner ist unsere örtliche Landespolizei in Taunusstein“, stellt er klar. Zuvor spreche sich die Verwaltung mit der Polizei ab. „Sofern es um Straftaten geht, sind wir ohnehin außen vor, und die Polizei übernimmt“, erläutert Kleiber.  „Wenn wir Hinweise bekommen, dass etwa Jugendliche zu früh böllern, kontrollieren wir natürlich.“ Es komme jedoch darauf an, dass sich Bürger melden, denn eine flächendeckende Kontrolle in den zehn Stadtteilen sei kaum möglich. „Wir kennen zwar die Hotspots, an denen sich Jugendliche gerne versammeln, aber es ist nicht so, dass die einen bestimmten Platz haben und da alles abfackeln.“ Hinweise, dass illegale Böller gezündet wurden, hat es laut Kleiber in der jüngeren Vergangenheit nicht gegeben. „Es ist schwierig, jemanden auf frischer Tat zu ertappen, da muss man schon gefühlt nebendran stehen“, gibt er zu. In Eltville im Rheingau gab es vor Jahren einen Brand in der Altstadt, den ein fehlgeleiteter Feuerwerkskörper ausgelöst hatte. Bürgermeister Patrick Kunkel (CDU) bittet die Bürger daher, ihre Raketen bei der gemeinsamen Feier am Rheinufer abzufeuern. In der Altstadt, der Kernstadt und in den Stadtteilen Erbach, Hattenheim und Martinsthal gibt es Feuerwerksverbotszonen. Die Raketen, so empfiehlt Kunkel, sollen in Richtung Rhein abgeschossen werden. Das sei ungefährlich.