FAZ 13.02.2026
10:08 Uhr

Frankfurt-Rödelheim: Gericht erlaubt Protest vor geschlossener Moschee


Das Verwaltungsgericht Frankfurt hat entschieden: Vorerst dürfen sich die Gläubigen weiter vor ihrer geschlossenen Imam-Ali-Moschee treffen – und dabei den Verkehr behindern. Die Stadt will dagegen Widerspruch einlegen.

Frankfurt-Rödelheim: Gericht erlaubt Protest vor geschlossener Moschee

Die umstrittenen Zusammenkünfte der Gläubigen vor der geschlossenen Imam-Ali-Moschee in Rödelheim können weiter abgehalten werden – jeweils donnerstags und freitags. Die Eschborner Landstraße wird dann einspurig stundenweise von der Polizei gesperrt. Das Ordnungsamt hatte die Zusammenkünfte vor wenigen Tagen als religiöse Feier eingestuft, weil dort hauptsächlich gebetet werde. Für einen Gottesdienst im Freien wäre aber eine Sondererlaubnis nötig. Dagegen hatte die Gemeinde einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht eingereicht – dessen aufschiebende Wirkung am späten Donnerstagnachmittag bestätigt wurde. Damit gilt weiterhin Versammlungsschutz für die Treffen von mehreren Dutzend Gläubigen, die sich unmittelbar vor dem Moschee-Eingang auf der Fahrbahn unter einem mobilen Pavillondach zum Gebet und zum Protest versammeln. Die Polizei sichert die angemeldete Veranstaltung mit Sperrgittern ab, die Straße ist dann in Richtung Osten für alle Fahrzeuge gesperrt, einschließlich der Buslinie 60, die umgeleitet werden muss. Die Mitglieder der schiitischen Gemeinde protestieren gegen die Schließung ihrer Moschee durch das Bundesinnenministerium im Juli 2024. Das Zentrum der Islamischen Kultur, zu dem die Imam-Ali-Moschee gehört, gilt als abhängiger Teil eines verbotenen islamistischen Vereins. Ein Widerspruch gegen die Schließung ist seit anderthalb Jahren beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig anhängig. Seitdem stehen die Gebäude leer, das Gelände darf nur von Mitarbeitern des Bundes betreten werden. Am Donnerstagabend waren auch Anwohner erschienen, die auf ein Ende der Verkehrsbehinderungen gehofft hatten. Anfang Januar hatte sich eine Bürgerinitiative formiert, die gegen die wiederholte stundenlange Sperrung der Eschborner Landstraße protestiert. Anwohner, Gewerbetreibende und Besucher eines Altenheims müssten weite Umwege in Kauf nehmen, um während der Straßengebete zu ihrem Ziel zu gelangen. Nach anderthalb Jahren sei die Geduld der Anwohner erschöpft. Die Teilnehmer dieser Gegendemonstration zeigten sich enttäuscht von dem jüngsten Gerichtsentscheid zugunsten der muslimischen Gemeinde. Holger Habich, Leiter des Frankfurter Ordnungsamtes, hat wiederholt Wege gesucht, um die fortdauernden Verkehrsbehinderungen an zwei Tagen in der Woche zu verhindern. Eine Verlegung der Versammlung auf einen Grünstreifen lehnte die Gemeinde ab und bekam dabei ebenfalls vor Gericht recht. Gegen die neuerliche Entscheidung will Habich allerdings mithilfe des Rechtsamts der Stadt in weiteren Instanzen vorgehen. Bereits am Freitag will er Widerspruch einlegen.