FAZ 24.01.2026
20:24 Uhr

Frankfurt: Kurden und Iraner demonstrieren friedlich


Für die Freiheit in Rojava und Iran. Dafür sind mehrere tausend Menschen am Samstag in Frankfurt auf die Straße gegangen. Außerdem wurde eine Lichterkette am Mainufer gebildet.

Frankfurt: Kurden und Iraner demonstrieren friedlich

Am Samstag haben kurdische und iranische Gruppierungen friedlich in der Frankfurter Innenstadt demonstriert. Laut Polizei beteiligten sich rund 4500 Menschen am kurdischen Protestzug, der vom Kaisertor am Hauptbahnhof bis zum Roßmarkt verlief. 3800 Menschen wurden beim iranischen Demonstrationszug vom Rathenauplatz bis zum Römer gezählt. Außerdem folgten rund 150 Menschen einem Aufruf der Frankfurter Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne), eine Lichterkette am Mainufer zu bilden. Bis auf das Anzünden von Pyrotechnik bei der kurdischen Demonstration und einer Ordnungswidrigkeitsanzeige wegen eines Drohnenflugs ohne Genehmigung, gab es laut Polizeisprecher keine Vorkommnisse. Die kurdischen Gruppierungen demonstrieren seit Tagen täglich in Frankfurt, um auf die Situation im Norden Syriens aufmerksam zu machen. Dort vertreibt die syrische Armee die kurdischen Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) aus den kurdisch dominierten Gebieten im Nordosten des Landes. Die Demonstranten befürchten, dass der Islamische Staat (IS) in der Region wieder zurück an die Macht kommt. „Schluss mit dem Massaker in Kurdistan“, rufen sie am Samstagmittag. Oder: „Es lebe der Widerstand in Kobane.“ „Dieser Krieg wird von hier unterstützt und finanziert“ In der ersten Reihe stehen zwei Frauen, die sich rote Farbe ins Gesicht und auf weiße T-Shirts geschmiert haben. Sie halten Plakate in die Höhe mit den Parolen: „Kurdisches Leben zählt.“ Und: „Mein Herz und meine Augen wurden rausgenommen, weil ich Kurde bin.“ Die Kritik der Demonstranten richtet sich in erster Linie an den Präsidenten der syrischen Übergangsregierung, Ahmed al-Scharaa. Sie nennen ihn nur bei seinem Kampfnamen „al-Dscholani“, den er als Anführer der Islamistenmiliz HTS getragen hat. Sie werfen ihm vor, die Angriffe auf die kurdischen Städte wie Kobane zu koordinieren und die Menschen dort aushungern zu lassen, während gleichzeitig IS-Kämpfer aus den Gefängnissen befreit würden. „Dieser Krieg wird von hier unterstützt und finanziert“, ruft eine der Rednerin. Deutsche Politiker würden die Hände von Islamisten schütteln, an denen Blut klebe. Auf dem Roßmarkt werden Reden auf Kurdisch, Arabisch und Deutsch gehalten. „Wo sind die Menschen, die für Palästina demonstriert haben?“ Gegen 15.30 Uhr dringt Musik von der nur 100 Meter weiter stattfindenden iranischen Demonstration rüber. Auf dem Rathenauplatz ist ein Bereich mit Absperrband für die Redner eingerichtet worden. Ein Mann steht dort in Anzug und Schärpe und schwingt die grün-weiß-rote Flagge mit dem Löwen darauf. Es ist das Symbol der Anhänger von Reza Pahlavi, der Sohn des 1979 von der Islamischen Revolution gestürzten Schahs von Persien, Mohammad Reza Pahlavi. Laminierte DIN-A3-Bilder mit Aufschriften: „Reza Pahlavi King“ werden an die Demonstranten verteilt. Immer wieder wird der Name des in den USA lebenden Pahlavi gerufen. Unter die Löwenflaggen haben sich auch einige Israel- und USA-Fahnen gemischt. „Mister Trump act now“, wird gerufen, also ein Handeln vom US-Präsidenten gefordert. „Weg, weg, weg die Mullahs müssen weg“, hallt es unentwegt im Chor, als sich der Demonstrationszug zum Römer begibt. Am Mainufer wartet die Frankfurter Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne), die zuletzt auf ihrem Instagramkanal von verschiedenen iranischen Gruppen attackiert worden ist. „Es ist mir unglaublich wichtig, dass alle Menschen auf der Straße sind. Ich möchte nicht spalten“, sagt Eskandari-Grünberg. Ihr Ziel sei es, dass das iranische Terrorregime endlich verschwinde. Der jüdische Publizist Michel Friedman forderte von der Bundesregierung und der Europäischen Union ein Ende der Diplomatie mit der iranischen Regierung, die ihr eigenes Volk ermorde. Und er stellte die Frage: „Wo sind die Menschen, die nach dem 7. Oktober für Palästina demonstriert haben?“ Diese hätten nicht für die Freiheit, sondern für die Unterdrückung im Namen eines islamistischen Staates demonstriert.