Wissen Sie, was uns bei Trump wundert? Doch, da gibt es noch etwas. Er will ja nicht nur der größte, klügste und reichste Präsident der Menschheitsgeschichte sein, sondern auch sicher, dass die Menschheit sich ewig an ihn als den größten, klügsten und reichsten Präsidenten erinnert. Dafür genügt es aber nicht, Geldscheine mit seinem Konterfei drucken zu lassen, die ständig an Wert verlieren und von Mäusen zerfressen werden. Und beim Anblick des goldenen Ballsaals denkt man im nächsten Jahrhundert vielleicht nur noch an Fred Astaire. Wir würden Trump empfehlen, für sich ein Mausoleum errichten zu lassen. Und zwar eines, in dem man ihn auch noch in tausend Jahren sehen und verehren kann. Die Idee kam uns, als wir kürzlich in Hanoi zusammen mit vielen Vietnamesen zur letzten Ruhestätte Onkel Hos pilgerten. Das müsste Trump doch auch noch im Jenseits gefallen: Mega-Maga-Menschenmassen, die sich ehrfürchtig anstellen, um einen kurzen Blick auf den großen Führer zu erhaschen, in der Hoffnung, dass er nur schläft und wieder erwacht wie Kaiser Barbarossa, wenn das Reich in Not ist. Und man muss sagen: Ho Chi Minh sieht immer noch richtig gut aus, besser sogar als Lenin, der zusammen mit seinem Grabmal gerade generalüberholt werden muss. Man meint beim Blick auf Onkel Ho eine gewisse Ähnlichkeit mit dem sowjetischen Revolutionsführer zu erkennen, was vielleicht daran liegt, dass die Russen den Vietnamesen beim Einbalsamieren geholfen haben. Möglicherweise werden bei den immer wieder nötigen Renovierungsarbeiten auch die gleichen Ersatzteile verwendet. Faustdick hinter den Ohren In jedem Fall aber weiß man, wenn man an so einer Mumie vorbeischreitet, dass da kein Niemand liegt, sondern eine absolute Ausnahmeerscheinung. Womit wir endlich zum eigentlichen Thema dieser Glosse kommen, dem Indefinitpronomen „niemand“, das harmlos wirkt, es aber faustdick hinter den Ohren haben kann. Das musste schon der arme Polyphem erfahren, der, von einem listigen Niemand, Odysseus, getäuscht und geblendet, brüllte, niemand habe ihm etwas getan, worauf die ihm zur Hilfe geeilten Kyklopen wieder abzogen. Auch als Walter Ulbricht behauptete, niemand habe die Absicht, eine Mauer zu bauen, hatte jemand schon den Mörtel dafür angerührt. Sein Name war Nobody Daher haben wir auch nicht ganz die Aufregung verstanden, als Bärbel „Bullshit“ Bas behauptete, niemand wandere in unsere Sozialsysteme ein. Da wusste man doch gleich, dass nicht einmal sie das selbst glauben kann. Inzwischen gab sie ja auch zu, dass ihr das nur wegen der Bedrängung durch die Rechten herausgerutscht sei. Damit meinte sie übrigens die AfD, nicht die CDU, der sie ja nur unterstellt, die Arbeiterklasse „ausquetschen“ zu wollen „wie eine Zitrone“. Ja, Bas feuert eben oft schneller aus der Hüfte, als sie denkt, was uns an einen weiteren Niemand erinnert, der sogar noch schneller zog als die SPD-Vorsitzende. Sein Name war Nobody. Der verhilft in dem nahezu gleichnamigen Film als eine Art Western-Odysseus einem alternden Revolverhelden zu einem würdigen Abgang, indem er ihn in dem Duell am Schluss scheinbar umlegt. Auf dem Grabstein steht dann eine die Legende nicht beschädigende Inschrift: „Nobody was faster on the draw“. Solche Doppeldeutigkeit würde Trump, wenn er sie denn verstünde, auf seinem Grabmal natürlich nicht riskieren, da müssten schon unmissverständliche Würdigungen seiner Duelle in Gold gefasst werden, etwa so: „Der Held von Hormus“, „Der Bezwinger Maduros“ oder „Der Mann, der Liberty Selenskyj erniedrigte“. Wir erwarten jedenfalls nicht, dass die Beschriftung so bescheiden ausfällt wie an Ho Chi Minhs Mausoleum, der dort einfach nur Präsident genannt wird. Onkel Ho wollte auch gar nicht ausgestopft und ausgestellt werden, sondern verbrannt. Die Asche sollte dann nach Nord-, Mittel- und Südvietnam gehen. Vielleicht ist seinem Wunsch ja aber wenigstens in Teilen entsprochen worden. Wie im Falle Lenins sind auch in Hanoi nur der Kopf und die Hände des Verblichenen zu sehen. Niemand, auch ein ganz großer Jemand nicht, bleibt ja für alle Zeit ganz so, wie er war, als er das Zeitliche segnete.
