Frau Brantner, Obergefreiter Kohler a. D. meldet sich zur Stelle! Und das nicht nur gehorsamst, sondern auch freudigst! Endlich ruft das Vaterland noch einmal nach uns, wir hatten nach dem jahrzehntelangen Schweigen nicht mehr darauf zu hoffen gewagt. Von einer Grünen-Vorsitzenden zur Freiwilligenmeldung für den Volkssturm aufgefordert zu werden, betrachten wir als besondere Ehre. Dass es noch zu unseren Lebzeiten dazu kommen würde, hätten wir uns damals, als sogar sauber frisierte Wehrdienstleistende von langhaarigen Friedensbewegten als Mörder beschimpft wurden, nicht in den wildesten Träumen vorstellen können. Jetzt sind auch die Grünen lieber tot als rot Angesichts der damaligen Anfeindungen können wir nun nicht völlig eine gewisse Genugtuung darüber unterdrücken, dass Sie und Ihre FreundInnen auf unsere Seite der Barrikade gewechselt sind und jetzt offenbar auch lieber tot als rot sein wollen, wenn der Russe kommt. Das sollte sich Putin aber noch einmal gut überlegen, jetzt, da selbst die Grünen alles einberufen wollen, was nicht schon im Rettungswagen zur Front gefahren werden muss. Weil in Ihrem linksgrün versifften Haufen immer noch ein paar ewiggestrige pazifistische Elemente herumhängen, verstehen wir natürlich, dass Sie uns erst einmal an die Gulasch- beziehungsweise Grünkernkanone stellen wollen. Aber ein Küchenbullen-Bataillon reicht nicht, um Putin die Suppe zu versalzen. Mit Freude haben wir daher vernommen, dass Sie den in dieser Kolumne gemachten Vorschlag aufgegriffen haben, auch fortgeschrittene Semester als Drohnenpiloten einzusetzen. Wer einen elektrischen Rollstuhl oder einen Treppenlift steuern kann, kann auch eine Drohne lenken. Mit ihr auf einen Russenpanzer zuzustürzen wie seinerzeit Rudel mit seinem Stuka, bringt sicher auch reife Kreisläufe wieder in Schwung. Wir sehen schon vor uns, wie in den Altenheimen in verdunkelten Gymnastikräumen Opas und Omas an den Bildschirmen wetteifern, wer von ihnen das größte Flieger-Ass ist. Bingo ist out, Bombardieren ist in! Sollte im Berufsleben der Traum vom Ritter der Lüfte geplatzt sein, dann kann er jetzt doch noch in Erfüllung gehen. Auch Franz Josef Strauß ist ja erst im fortgeschrittenen Alter eigenhändig nach Moskau geflogen, das er als junger Soldat zu Fuß nicht ganz erreicht hatte. Ach, hätten wir doch noch Politiker, die Putin damit drohen könnten, ihm höchstpersönlich was aufs Haupt zu werfen! Sie meinen, einen hätten wir? Stimmt, der Kanzler hat sogar die Blindfluglizenz. Und er lässt auch gerne hin und wieder eine Bombe platzen. Nur sollte er dabei wegen der Eigengefährdung durch Sekundärexplosionen nicht ganz so belémert tief über den Dschungel düsen wie in Brasilien. Söder will Merz nicht in den Rücken fallen Weil ältere Menschen nicht mehr ganz so gut sehen und hören, müssen für sie natürlich besondere Vorkehrungen gegen „friendly fire“, den Beschuss aus den eigenen Reihen, getroffen werden. Wir fanden es beruhigend, dass Söder bei der Jungen Union bekannte, er werde Merz und Spahn „definitiv nicht in den Rücken fallen“. Doch warum bat er die Rekruten dafür ausdrücklich um Verständnis? Das deutet darauf hin, dass Merz weiterhin mit einem Zweifrontenkrieg rechnen muss. Das Feindbild, Frau Brantner, ist also nicht ganz so klar, wie Sie glauben. Übrigens, sind Sie entfernt verwandt mit dem Hauptfeldwebel Brandtner, der uns damals auch hin und wieder aufforderte, uns freiwillig zu melden? Oft ging es um den Küchendienst. Der ist enorm wichtig für die Kriegstüchtigkeit einer Armee. Ohne Mampf kein Kampf, heißt es bei der Truppe, und: Keine Bewegung ohne Verpflegung. Dass die stimmt, dafür müssen Sie unbedingt sorgen, Frau Brantner. Also auch, dass der Mampf für die Boomer-Bomber seniorengerecht ist.
