FAZ 06.02.2026
15:09 Uhr

Fraktur: Ein Lächeln darf kein Luxus sein


Recht hat Matthias Miersch! Deshalb sind wir dankbar, wenn die Parteien und Lobbyisten uns Stoff zum Lachen liefern - auch wenn sie sich selbst dabei die Zähne ausbeißen.

Fraktur: Ein Lächeln darf kein Luxus sein

Was ist bloß mit Donald Trump los? Schon seit Tagen warten wir vergeblich darauf, dass er es wieder krachen lässt, wenn schon nicht mit den größten und schönsten Schlachtschiffen, die die Welt je gesehen hat, so doch wenigstens mit dem größten und schönsten Mundwerk, das die Welt je hörte. Gab es vielleicht eine geheime Vereinbarung zwischen Trump und Putin nach dem Muster „Wenn du bei deinem Vorhaben, die Ukraine in die Eiszeit zurückzubomben, eine Woche lang pausierst, dann halte ich ein paar Tage lang meine Klappe“? Das klingt zwar nach „The Art of the Deal“. Doch warum sollte Putin ein Interesse daran haben, uns mit Trump zu verschonen? Für plausibler halten wir, dass sich bei Dozing Don nun eben auch wie bei Sleepy Joe langsam das Alter zeigt. Nach all den Aufregungen und Anstrengungen der vergangenen Wochen wäre das kein Wunder. Schaut Trump nur noch den Melania-Film? Es könnte aber natürlich auch sein, dass Trump nicht mehr aus dem Heimkino im Weißen Haus herauskommt, weil er in einer Endlosschleife diesen phantastischen Film über seine phantastische First Lady anschaut, der ja auch überall sonst im Land die Lichtspieltheater füllt bis auf den letzten Platz. In diesem Fall müsste wenigstens Melania den Friedensnobelpreis kriegen, denn wer im Kino schläft, kann im War Room nicht schon den nächsten Militärschlag planen, woran Trump erkennbar Freude entwickelt hat. Uns bleibt wegen der (sicher nur vorübergehenden) Sendepause in Washington heute aber nichts anderes übrig, als uns auch an dieser Stelle wieder einmal mit unseren eigenen Politikern und Funktionären zu befassen. Die erreichen zwar meistens nicht Trumps Niveau, doch gelegentlich gelingt auch ihnen wenigstens ein Schuss in den Ofen. Wie jetzt mit dem Angriff auf das Gebiss der Kassenpatienten, die, das ist den vermutlich privatversicherten Leuten vom CDU-Wirtschaftsrat offenbar immer noch nicht ganz aufgegangen, trotz ihrer nachrangigen und natürlich bedauernswerten Versicherungsklasse auch an Landtagswahlen teilnehmen dürfen. Es stimmt natürlich, dass die Politik dem Volk nicht nach dem Mund reden sollte, wie es einst Franz Josef Strauß postulierte. Aber auch er forderte, dem Volk aufs Maul zu schauen. Und wollen wir wirklich mit Zuständen im Volksrachen konfrontiert werden, die an die Ruinen von Mariupol erinnern? Ein Gebiss wie der Beißer bei James Bond? Denn nicht einmal die Sozis glauben ja, dass die Leute ihre Zähne spiegelblank bürsten würden wie der Beißer in den James-Bond-Filmen, wenn sie den Zahnarzt selbst bezahlen müssten. Die schon mehr als zwanzig Jahre alte und nun wieder aufgewärmte Erklärung der SPD, man wolle nicht, dass Reiche und Arme am Lächeln zu erkennen seien, geht ja eindeutig davon aus, dass nur der regelmäßige – und vermeintlich kostenfreie – Besuch beim Klassenfeind die Zähne des Proletariats in einem vorzeigbaren Zustand halten kann. Das ist im Unterschied zu anderen Ansichten der Sozis nicht lebensfremd. Denn wer geht schon gern zum Zahnarzt? Und zahlt dann für die Tortur auch noch extra? Das machen nur Masochisten. Der normal veranlagte Bürger hat jedoch keinen Spaß an Tiefenbohrungen im Kiefer. Dass die sich aus natürlichen Gründen fernstehenden Lager der Dentisten und der Patienten im Protest gegen den Vorschlag des CDU-Wirtschaftsrats zusammenfinden, sollte mehr gewürdigt werden, als dies in der aktuellen Debatte der Fall ist. Nun muss „die Stimme der Sozialen Marktwirtschaft“ aber selbst erst einmal zum Zahnarzt, weil ihr die Gesundheitsministerin, ebenfalls CDU, gleich das Maul stopfte. Nina Warken wusste, dass man sich an so einer Reform nur die Zähne ausbeißen kann. Denn im egalitaristischen Deutschland gilt natürlich, was der SPD-Fraktionschef Matthias Miersch äußerte: Ein Lächeln darf kein Luxus sein. Um die schönen Beißerchen vorzuzeigen, muss man freilich auch erst einmal etwas zum Lachen haben. Wir danken den deutschen Politikern und Lobbyisten, dass sie uns, wenn Trump Sendepause hat, dafür immer einen Grund liefern, wenn auch wohl meistens eher unfreiwillig.