Diesen Fragebogen hat Marcel Proust nie ausgefüllt. Denn er ist eine auf die Olympischen Winterspiele zugespitze Variante eines zu Zeiten des französischen Schriftstellers beliebten Gesellschaftsspiels. Wir spielen es weiter mit Menschen aus der Welt des Olympischen Wintersports, die bereit sind, die Herausforderung an Geist und Charme anzunehmen: diesmal mit Biathlet Philipp Horn, der an diesem Freitag (14.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zu Olympia 2026, in der ARD und bei Eurosport) im Sprint über zehn Kilometer antritt. Was ist für Sie das größte Glück als Sportler/in? Das Schönste für mich ist, dass ich meine Leidenschaft zum Beruf machen durfte. Ich liebe die Natur und vor allem den Winter und genieße es jeden Tag aufs Neue, wenn ich an verschneiten Wintertagen im schönsten „Büro“ der Welt arbeiten darf. Und was ist für Sie das größte Unglück als Sportler/in? Gesundheit ist unser Kapital, deshalb ist es in der Vorbereitung und in der Saison unglaublich wichtig, gesund zu bleiben. Das bedeutet auch, dass ich meine Familie oft nicht sehen kann, wenn jemand kränkelt. Darauf würde ich gerne verzichten. Woran erkennen Sie eine/n gute/n Gegner/in? Starke Technik, viel Power und eine selbstbewusste Ausstrahlung. Wer ist für Sie der/die beste Gegner/in? Johannes Thingnes Bø ist für mich der GOAT. Welche/r Sportler/in in Ihrem Sport ist besser, als die Allgemeinheit glaubt? Justus Strelow. Oft wird es so dargestellt, dass er läuferisch nicht stark genug sei, dass er deshalb kein Weltklasse-Biathlet ist. Ich bin der Meinung, was Justus am Schießstand zeigt, ist so überragend, so stark, das können die meisten Leute gar nicht einschätzen. Vor zwei Jahren hat er den Allzeit-Rekord gebrochen, das heißt, er ist über die ganze Saison gesehen der beste Schütze gewesen, den es jemals gab, und allein für diese Leistung gehört er für mich zu den absoluten Legenden. Wer ist der/die wichtigste Trainer/in in Ihrer Karriere? Hartmut Gollhardt. Er hat mich meine komplette Schulzeit trainiert und geprägt. Über was möchten Sie vor dem olympischen Wettbewerb nicht sprechen? Über Zweifel, Pessimismus, Angst – alles das, was ich im Rennen nicht gebrauchen kann. Wen bewundern Sie? Meinen Papa. Was bewundern Sie? Positive Lebenseinstellung und lösungsorientiertes Denken. Was fürchten Sie in einem Wettbewerb? Langsame Ski und schlechte Beine. Ein Gedanke, der Sie während eines Wettkampfs überrascht hat? Der Gedanke nach einem schlechten Schuss, wenn die Scheibe aber trotzdem fällt: „Wow, das hätte ich jetzt nicht gedacht, dass der noch trifft.“ Welche Regeln in Ihrem Sport würden Sie ändern? Ich finde unseren Sport gut so, wie er ist. Ich würde keine Regel ändern. Wer führt Ihre Gehaltsverhandlungen? Teilweise ich selbst, teilweise mein Management. Ihr/e Lieblingssportler/in? Justus Strelow Ihre/e Lieblingstrainer/in? Das ist unser Trainergespann im Weltcup, Tobi und Fips (Tobias Reiter und Jens Filbrich, d. Red.). Die beiden machen einen super Job, harmonieren perfekt, und ich könnte mir keine besseren Bundestrainer vorstellen. Eisbad oder warme Dusche? Auf jeden Fall warme Dusche. Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen? „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Teammitglied am meisten? Humor und Ehrlichkeit Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem/er Freund/in am meisten? – Ihr größter Fehler? Dass ich viele Jahre lang zu viel getüftelt habe an meinem Gewehr, dass ich oftmals den Fehler nicht bei mir gesucht habe oder bei meiner Schießtechnik, sondern eher an meinem Anschlag. Das weiß ich heute besser. Das hätte ich damals mit dem Wissen von heute wahrscheinlich anders gemacht. Ihre Helden der Gegenwart? Meine Familie, meine Eltern, meine Schwiegereltern und ganz besonders meine Frau. Ihre Heldinnen der Geschichte? – Was ist der größte Irrtum über das Leben als Wintersportler? Profisport macht immer Spaß, es funktioniert immer alles beim ersten Versuch, und man hat ganz viel Zeit zum Entspannen. Worauf hätten Sie für eine Teilnahme an Olympischen Spielen verzichtet? Sicherlich auf einiges. Aber auch ganz sicher nicht auf alles. Ich weiß, dass Sport nicht alles ist im Leben, und es gibt viele Sachen, die wichtiger sind. Ich bin sehr dankbar, dass ich das jetzt erleben darf, aber es ist auch nicht alles. Worauf würden Sie für eine olympische Medaille verzichten? Auch hier gilt: auf einiges, aber sicher nicht auf alles. Olympisches Gold oder Gesamtweltcupsieg? Gesamtweltcupsieg Was lieben Sie am meisten an Winterspielen? Das werde ich erst nach meinen ersten Spielen beantworten können. Was nervt Sie am meisten an Winterspielen? Es ist etwas schade, dass die verschiedenen Sportarten so weit voneinander entfernt sind. Ich würde gerne die Wettbewerbe der anderen Sportarten anschauen. Ihr bewegendster Moment bei Olympischen Spielen? Da das meine ersten Olympischen Spiele sind, kann ich das leider nicht beantworten, aber ich hoffe natürlich, dass einige bewegende Momente bei diesen Spielen dazukommen werden. Ihre Lieblingsbeschäftigung an einem trainingsfreien Tag? Fußballtennis mit anschließendem Kaffee und Kuchen mit den Jungs.
