FAZ 30.12.2025
08:33 Uhr

Forschung an neuen Impfstoffen: Mit Nasenspray gegen Pneumokokken


Pneumokokken können bei immungeschwächten Patienten schwere Infektionen verursachen. Die bisherige Impfung bietet nur begrenzten Schutz. Mainzer Wissenschaftler arbeiten an neuen Wirkstoffen.

Forschung an neuen Impfstoffen: Mit Nasenspray gegen Pneumokokken

Forscher der Mainzer Universitätsmedizin wollen neue Pneumokokken-Impfstoffe entwickeln, die geschluckt oder in die Nase gesprüht werden können.  Pneumokokken können unter anderem Entzündungen der Nebenhöhle, des Mittelohrs, der Lunge oder der Hirnhaut verursachen und vor allem Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährlich werden. Ihnen wird daher eine Impfung empfohlen. Die bisher gebräuchlichen Impfstoffe basieren auf Zuckermolekülen, die auf der Oberfläche der Bakterien sitzen und von der körpereigenen Abwehr erkannt werden. Da diese Moleküle sich jedoch bei verschiedenen Pneumokokken-Typen unterscheiden und die gängigen Vakzine auf bestimmte Untergruppen der Bakterien abgestimmt sind, schützt die Impfung nicht vollständig vor einer Infektion. Die Mainzer Mikrobiologen wollen statt der Zuckermoleküle für die Immunisierung Proteine nutzen, die bei verschiedenen Pneumokokken-Stämmen identisch sind. Die neuartigen Vakzine könnten entweder als lösliche Proteine per Nasenspray verabreicht oder in virusähnliche Partikel verpackt werden, die sich für eine Schluckimpfung einsetzen lassen. Damit könne die Impfung direkt den natürlichen Eintrittsweg der Bakterien schützen und eine bessere lokale Immunität erzielen als die bisherigen Impfstoffe, die injiziert werden müssten, so die Wissenschaftler. Eine wirksamere Pneumokokken-Impfung könne dazu führen, dass weniger Antibiotika für die Behandlung solcher Infektionen benötigt würden. Dies würde die Ausbreitung von Resistenzen bremsen. Außer durch diese werde die Pneumokokken-Bekämpfung durch die begrenzte Wirksamkeit der konventionellen Impfstoffe erschwert. Deren Abstimmung auf die bisher dominanten Bakterientypen führe dazu, dass sich stattdessen andere Stämme ausbreiteten. Das Mainzer Impfstoffprojekt wird von der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung mit 300.000 Euro gefördert.