FAZ 19.02.2026
14:45 Uhr

Forsa-Umfrage für Frankfurt: Wenig Zustimmung zur Politik gegen das Auto


Die Behinderung des Autoverkehrs in Frankfurt findet nur ein Drittel der Bevölkerung gut. Die Forsa-Umfrage für die F.A.Z. zeigt zugleich: Wichtiger als der Radwegebau sind den Bürgern neue Schienenverbindungen.

Forsa-Umfrage für Frankfurt: Wenig Zustimmung zur Politik gegen das Auto

Welche Vorhaben in Frankfurt halten Sie für wichtig? In einigen Punkten sind sich die Bürger der Stadt, was diese Frage betrifft, sehr einig. Die Sanierung der Schulen, die Anpassung der Stadt an den Klimawandel, der Bau zusätzlicher Wohnungen namentlich im neuen „Stadtteil der Quartiere“ – all dies wird von übergroßen Mehrheiten befürwortet. Bei der Umfrage der Meinungsforscher von Forsa vom 2. bis 10. Februar unter 1014 Bürgern im Auftrag der F.A.Z. gaben 95 Prozent an, die Sanierung der Schulen sei wichtig. Das ist der höchste Wert überhaupt. Mehr als 50 Prozent Zustimmung bekamen auch der Bau weiterer Schienenstrecken, mehr Kontrollen im Bahnhofsviertel, die Schaffung eines Suchthilfezentrums und der Bau weiterer Fahrradwege. Doch nicht alles fand eine Mehrheit. Die Schaffung eines „Hauses der Demokratie“ halten nur 37 Prozent der Befragten für wichtig. Noch weniger Zustimmung erhält mit 36 Prozent die Wegnahme weiterer Fahrspuren für den Autoverkehr und mit lediglich 32 Prozent die Streichung von Parkplätzen, also jene Verkehrspolitik, die die Stadtregierung in den vergangenen Jahren gleichzeitig mit dem Ausbau der Fahrradwege betrieben hat. Noch unpopulärer sind lediglich drei spezielle Investitionsvorhaben: die Errichtung einer Multifunktionshalle und der Bau einer Oper und eines Schauspielhauses, die jeweils nur 31 und 30 Prozent für bedeutsam halten. Die Multifunktionshalle sowie Oper und Schauspiel genießen selbst bei den Akademikern nur vergleichsweise wenig Unterstützung: Wichtig ist dies  auch bei den Befragten mit Abitur nur für 31 und 42 Prozent. Die Anti-Auto-Politik wiederum ist eher ein Projekt der besser Gebildeten: Die Streichung von Parkplätzen etwa finden 36 Prozent der Befragten mit Abitur gut, aber nur neun Prozent der Hauptschulabsolventen. Erst bei den von vielen Frankfurtern als wichtig bezeichneten Vorhaben finden die Bürger mit verschiedenen Bildungsabschlüssen wieder zueinander. Die Sanierung der Schulen halten 95 Prozent der Befragten mit Abitur, aber auch 94 Prozent derjenigen mit einem Hauptschulabschluss für relevant. Auch die Anpassung an den Klimawandel findet unabhängig vom Schulabschluss Unterstützung. Schaut man sich die Zustimmung zu den verschiedenen kommunalpolitischen Themen nach der Parteipräferenz der Befragten an, so fallen die Zahlen zum Teil weit auseinander. Die Sanierung der Schulen, der Bau zusätzlicher Wohnungen und der Bau neuer Schienenstrecken erhalten quer durch die Parteien hohe Zustimmungswerte. Bei der Anpassung an den Klimawandel fallen lediglich die AfD-Anhänger aus der Reihe, von denen dies nur 43 Prozent für wichtig halten. Bei zahlreichen anderen Themen unterscheiden sich die Anhänger der verschiedenen Parteien stark. Mehr Polizeikontrollen im Bahnhofsviertel halten 99 Prozent der CDU-Anhänger für wichtig, auch 69 Prozent der Grünen-Freunde, aber nur 36 Prozent derjenigen, die der Linken zuneigen. Die Schaffung eines Suchthilfezentrums heißen 87 Prozent der Grünen-Anhänger gut, aber lediglich 54 Prozent derjenigen, die sich der CDU zurechnen. Uneinigkeit über Verkehrspolitik Vollends auseinander fallen die Bewertungen der Verkehrspolitik jenseits des Schienennetz-Ausbaus. Der Bau weiterer Fahrradwege hat mit 91 Prozent die größte Unterstützung bei den Grünen, doch nur 32 Prozent der CDU-Anhänger halten ihn für wichtig. Beim Wegfall von Fahrspuren und von Parkplätzen ist es umgekehrt. Nur neun Prozent der potentiellen CDU-Wähler halten das für bedeutsam. Die Zustimmung der Grünen-Anhänger dazu ist deutlich höher, erreicht aber bei Weitem nicht den Wert, den der Ausbau der Radwege erzielt. Lediglich 68 Prozent der Grünen-Sympathisanten wollen weniger Platz für das Auto und nur 63 Prozent den Wegfall von Parkplätzen. Bei den SPD-Anhängern hat diese Neuausrichtung der Verkehrspolitik in den vergangenen Jahren noch weitaus weniger Freunde. Sie sind zwar zu 70 Prozent für mehr Radwege, aber zu nur 37 Prozent für weniger Fahrspuren und zu 41 Prozent für weniger Parkplätze. Bei den Stichworten Multifunktionshalle einerseits und Oper/Schauspiel andererseits ist die Bandbreite kleiner. Die geplante Halle am Waldstadion hat den höchsten Wert bei SPD-Anhängern mit 44 Prozent, doch liegt er bei der CDU mit 42 Prozent fast genauso hoch, während die Grünen-Anhänger dem Vorhaben mit 22 Prozent die geringste Bedeutung zumessen. Auch bei den beiden geplanten Neubauten für Oper und Schauspiel ist der Zustimmungswert bei SPD-Anhängern mit 43 Prozent am höchsten, wiederum gefolgt mit kleinem Abstand von den CDU-Anhängern mit 39 Prozent. Die Zustimmung der Grünen-Anhänger schiebt sich mit 41 Prozent dazwischen. Gedrückt wird in diesem Fall der Durchschnittswert durch die AfD-Anhänger, von denen gerade einmal ein Prozent dieses Vorhaben für wichtig hält. Die allgemeiner gehaltene Frage nach den größten Problemen in Frankfurt, die von Forsa auch vor zehn Jahren schon einmal gestellt worden war, zeigt abermals die große Bedeutung des Verkehrs. Verkehrsprobleme wurden von 56 Prozent genannt und damit so häufig wie kein anderes Thema. Der Wohnungsmarkt und die Mieten liegen auf Platz zwei. Der Themenkomplex „Ausländer, Asylpolitik, Flüchtlinge“ hat an Bedeutung gewaltig verloren. Nach oben geschnellt sind in der Liste der größten Probleme in der Stadt die Drogen, umgekehrt hat das Thema Fluglärm an Bedeutung so weit verloren, dass es in der Befragung gar nicht mehr vorkam. Die Umweltpolitik rangiert auf einem der untersten Plätze. Bei der Frage nach den größten Problemen in der Stadt hatten die Mitarbeiter von Forsa den Befragten nichts vorgegeben, sie sollten einfach die drei größten aus ihrer Sicht nennen.