Frankfurt von oben aus den Fernstern des Fernmeldeturms genießen? Diese Hoffnung schwindet. Der Besitzer des Turms, der DFMG Deutsche Funkturm GmbH, geht davon aus, dass der 1999 für die Öffentlichkeit geschlossene Turm vorerst nicht wiedereröffnet wird. Zuvor gab es im „Ginnheimer Spargel“, wie der offiziell Europaturm getaufte Bau auch genannt wird, ein Drehrestaurant und eine Diskothek. Zusammen mit der Stadt Frankfurt hatte die DFMG vor mehr als fünf Jahren eine Machbarkeitsstudie für die Wiedereröffnung ausgearbeitet. Der Investitionsbedarf wurde auf rund 50 Millionen Euro geschätzt. Der Bund hatte zugesichert, die Hälfte der Sanierungskosten zu tragen, wenn die andere Hälfte vom Land Hessen und der Stadt Frankfurt übernommen würden. Diese Förderzusage hat laut DFMG ein Ablaufdatum Ende 2025. „Aktuell müssen wir davon ausgehen, dass die Fördermittel verfallen und das Wiedereröffnungsprojekt damit nicht umgesetzt wird. Trotz des großen öffentlichen Interesses konnten sich das Land und die Stadt bis heute nicht auf eine gemeinsame Co-Finanzierung verständigen“, sagte DFMG-Sprecher Benedikt Albers der Deutschen Presse-Agentur. Gleiches hatte die F.A.Z. schon im Sommer vom Frankfurter Magistrat erfahren: Es gebe kein „unmittelbar umsetzbares Konzept für eine Wiedereröffnung“. Dass die Förderzusage des Bundes abläuft, wusste man im Römer. Hamburg und Dresden rufen die Bundesmittel ab „Wie es besser gehen kann, sehen wir aktuell in Hamburg und Dresden“, sagt Albers. In beiden Städten liefen Wiederöffnungsprojekte – „unter den gleichen Finanzierungsbedingungen, die auch für Frankfurt angedacht waren“, wie der Sprecher erklärt. In Hamburg stehe der Abschluss des Baugenehmigungsverfahrens bevor, in Dresden bereite man dieses vor. In beiden Städten unterstützt der Bund jeweils mit der Hälfte der notwendigen Sanierungskosten. So ganz will sich die Funkturm GmbH noch nicht mit dem Aus in Frankfurt abfinden: „Wir hoffen, dass diese Beispiele trotz der nun verfallenden Fördermittel positive Impulse nach Frankfurt senden und sich neue Möglichkeiten auftun werden.“ Das Interesse der Bevölkerung sei jedenfalls groß, sagte DFMG-Sprecher Albers. In der Kanzel auf über 200 Metern Höhe könnte man auf 3000 Quadratmetern Nutzfläche „Deutschlands höchste Dachterrasse mit einem einzigartigen Blick auf die Frankfurter Skyline“ einrichten. Die F.A.Z. berichtete kürzlich von den Plänen eines privaten Unternehmers, der im Turm ein „Reallabor der digitalen Entwicklung“ einrichten will. Tech-Unternehmen, Banken, Bauhandwerk und Forschungseinrichtungen sollen nach der Idee des Frankfurters Peter Pawelski dort gemeinsam unter realen Bedingungen neue Lösungen für Mobilität, Energieeffizienz, Klimaschutz, Bildung und digitale Dienstleistungen entwickeln – und auf diese Weise Einnahmen generieren, mit denen sich die Investitionen in Millionenhöhe refinanzieren lassen. Etwa 15 deutsche Fernsehtürme waren laut DFMG für eine Doppelnutzung aus Technik und Tourismus konzipiert. Heute sind noch die Türme in Berlin, Düsseldorf, Dortmund und Stuttgart für die Öffentlichkeit zugänglich; in München werde das nach Abschluss der Renovierung bald wieder möglich sein. In Mannheim hingegen schließt der öffentliche Betrieb Ende des Jahres. In anderen Städten wie Frankfurt, Köln oder Nürnberg sind die Fernsehtürme seit mehr als 20 Jahren geschlossen.
