Auch am Tag nach dem überraschenden Tod des einen von zwei erkrankten Malaria-Patienten im Stadtteil Schwanheim geht das Frankfurter Gesundheitsamt nicht von einer allgemeinen Gefährdung der Bevölkerung im Raum Frankfurt durch infizierte Anopheles-Mücken aus. Die Bürger müssten sich keine Sorgen machen, sagte Gesundheitsamtsleiter Peter Tinnemann. Bei grippeähnlichen Symptomen sollten sie jedoch aufmerksam sein. Dem Amt sind keine neuen Malariafälle im Umkreis des Frankfurter Flughafens gemeldet worden. Die Behörde hatte am Dienstag informiert, dass es zwei Malaria-Patienten gebe, die weder am Flughafen gearbeitet noch eine Fernreise gemacht hatten. Seit Juni waren acht Personen erkrankt, drei von ihnen sind mittlerweile verstorben. Als Ursache der Infektionen geht das Amt weiterhin davon aus, dass Mücken aus einem Malariagebiet in den Tropen im Gepäck oder in der Fracht eines Flugzeugs nach Frankfurt gelangt sind. Dass solche Mücken sich in einem Radius von mehreren Kilometern um einen Flughafen bewegen, „geschieht ganz selten“, teilte Tinnemann mit. Blutproben einiger der Frankfurter Malaria-Patienten werden derzeit im Institut für Tropenmedizin in Antwerpen untersucht. Wann das Ergebnis vorliegt, kann Anna Rosanas-Urgell noch nicht sagen. Das Forschungslabor der Professorin für Malariologie hatte bereits 2022 Fälle von Airport-Malaria in Frankfurt untersucht. Drei Menschen waren damals erkrankt. Die genetische Untersuchung der Parasiten in den Blutproben ergab, dass die Erreger eng miteinander verwandt waren. Das sprach aus Sicht der Wissenschaftler eher für die Infektion durch ein und dieselbe Mücke als durch mehrere. Außerdem konnten die Experten im Abgleich mit einer großen Malaria-Datenbank nachweisen, dass das Insekt wahrscheinlich aus Westafrika stammte. Damit stützte die Untersuchung die Vermutung, dass die Infektion durch den internationalen Flugverkehr eingeschleppt worden war. Wahrscheinlich wurden mehrfach Anopheles-Mücken eingeschleppt Fälle von Flughafen-Malaria sind laut dem Robert-Koch-Institut sehr selten. Seit 2019 sind nur 14 Fälle in Deutschland bekannt. Aber auch andere europäische Verkehrsknotenpunkte werden von den eingeschleppten Insekten heimgesucht. Rosanas-Urgell erinnert auch an einen Fall aus dem Jahr 2020 in Brüssel, als ein älteres Ehepaar, das wenige Kilometer vom Flughafen entfernt wohnte, an Malaria Tropica verstarb. Die Wissenschaftlerin weist die Sorge zurück, dass sich die Anopheles-Mücken, die bereits im Juni dieses Jahres sechs Flughafenmitarbeiter in Frankfurt infiziert haben, vermehrt und in den folgenden Monaten weitere Erkrankungen verursacht haben könnten. „Die Nachkommen einer infizierten Mücke kommen ohne den Malariaerreger Plasmodium zur Welt. Erst wenn sie eine an Malaria erkrankte Person stechen, können sie den Erreger aufnehmen und erneut als Überträger fungieren.“ Außerdem dauere es bei Menschen noch einmal mindestens eine Woche, eher zehn Tage, bis eine Malaria tropica nachgewiesen werden könne. Dann treten erst Fieberschübe oder Schüttelfrost, gelegentlich auch Kopfschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden auf. Es sei also wahrscheinlicher, dass es mehrere weibliche Mücken waren, die im Juni, August und September zugestochen haben, da ihre Lebensdauer ohnehin nur wenige Wochen betrage. Der Parasitologe und Biologe Sven Klimpel von der Frankfurter Goethe-Universität hält es ohnehin für am wahrscheinlichsten, dass Anopheles-Mücken regelmäßig mit Containern oder im Frachtraum aus tropischen Ländern eingeschleppt werden – insbesondere aus Regionen Afrikas und Asiens. Während der Regenzeit vermehren sich die Mücken dort besonders stark. Entsprechend finden sich dann auch an den Flughäfen dieser Länder mehr Tiere, darunter vermutlich auch mehr Mücken, die mit dem Malariaerreger infiziert sind. Im tropischen Asien liege der Höhepunkt der Regenzeit zwischen Mai und Oktober, in den afrikanischen Tropen dagegen zwischen Ende Oktober und März, je nach Region auch zwischen März und Mai. Doch bei kühleren Temperaturen überlebten die Mücken in Deutschland nicht. Auch derzeit wird es Klimpel zufolge für die aus den Tropen stammenden Mücken zunehmend schwieriger. Unterdessen ist die Hotline des Frankfurter Gesundheitsamts weiter besetzt und wird rege genutzt. Derzeit erhalten die Mitarbeiter des Amts rund 50 Anrufe am Tag. Darunter viele Nachfragen, was die typischen Symptome der Malaria tropica seien, aber auch, wie man sich vor Stichen schützen kann. Biologe Klimpel macht deutlich, dass es sich bei den Anopheles-Mücken um dämmerungs- und nachtaktive Tiere handele. Das Gesundheitsamt empfiehlt, in den Abendstunden im Freien ein Mückenschutzmittel auf die unbedeckte Haut aufzutragen und möglichst Kleidung zu tragen, die Arme und Beine bedeckt. Es könne aber auch sinnvoll sein, an Terrassentüren und Fenstern Fliegengitter anzubringen. Die Hotline des Frankfurter Gesundheitsamts ist unter 069/212-30030 zu erreichen. Auch auf der Homepage des Gesundheitsamts gibt es umfassende Informationen zur sogenannten Flughafen-Malaria.
