FAZ 27.01.2026
19:14 Uhr

Flughafen Frankfurt: 8000 Komparsen testen das neue Terminal 3


Das neue Passagierterminal am Frankfurter Flughafen wäre allein der fünftgrößte Flughafen in Deutschland. Damit zum Beginn im April alles klappt, werden die Abläufe mit tausenden Komparsen getestet.

Flughafen Frankfurt: 8000 Komparsen testen das neue Terminal 3

Knapp drei Monate vor der Eröffnung haben am Frankfurter Flughafen die Ablauftests für das neue Passagier-Terminal 3 begonnen. Bis zu 19 Millionen Fluggäste sollen künftig pro Jahr von hier auf ihre Flugreisen gehen. Damit alles reibungslos klappt, hat der Flughafenbetreiber Fraport über eine Agentur 8000 Komparsen angeheuert, um die Abläufe in dem rund vier Milliarden Euro teuren Gebäude durchzuspielen. Die ersten Flüge sind für den 23. April geplant. Was wird getestet? In den mehr als 20 Testläufen geht es um die einzelnen Prozesse einer Flugreise bis zum Start. Entlang der sogenannten „Customer Journey“ gibt es eine Vielzahl von Einzelschritten von der Ankunft über das Einchecken, die Gepäckaufgabe und Sicherheitskontrollen bis zum Flugsteig. Die Komparsen werden auf verschiedene fiktive Flüge verteilt, erhalten Gepäckstücke und kleine Aufgaben, mit denen die Schnittstellen der beteiligten Dienstleister und Behörden getestet werden.  Tobias Reiter aus Rastatt soll beispielsweise ein Sportgewehr mit auf dem Flug nach Seoul nehmen. Der flugbegeisterte Versicherungskaufmann hat im Vielflieger-Forum von dem Testlauf gelesen und ist froh, dabei sein zu können. Andere Test-Personen müssen Sperrgepäck aufgeben oder sich die Mehrwertsteuer für ihre in Deutschland gekauften Mitbringsel erstatten lassen. Am ersten Testtag wuseln mehr als 200 Freiwillige in grünen Westen durch die neuen Gebäude. Für die Bundespolizei sind bereits die Tests der Ernstfall, denn die Schengen-Außengrenze ist seit Wochen scharf gestellt. Wer nimmt an den Tests teil? Neben rund 7000 Beschäftigten der Behörden, Airlines und weiterer Dienstleister wurden über eine Agentur rund 8000 Komparsen gesucht, um die Abläufe mit echten Laien zu testen. Der Slogan „Terminal 3 als Erstes erleben“ hat offenbar verfangen. „Es haben sich mehr als 100.000 Menschen gemeldet, so dass wir schließlich losen mussten“, berichtet Projektmanager Max Schulze Schwienhorst. An einzelnen Tagen sind bis zu 1000 Testpersonen im Einsatz. Sie erhalten ein Lunchpaket und pro Stunde den gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro. Kinder und Tiere sind bei den Testläufen außen vor, weil die Teilnehmer teils lange Strecken zurücklegen müssen. Auch Rollstuhlfahrer sind bereits am ersten Testtag unterwegs. Laut Fraport sind digital-affine Tester ebenso dabei wie Menschen, die sich eher analoge Informationen wünschen. Muster ist die Passagierstruktur in Frankfurt, bei der 60 Prozent älter als 45 Jahre sind. Was ändert sich künftig für die Passagiere? Noch mehr als bislang müssen sich Passagiere ab April vorab informieren, an welchem Terminal ihr Flug startet oder ankommt. Vor allem mit dem Auto kann viel Zeit verloren gehen, wenn man zum falschen Terminal anreist oder Abholer dorthin bestellt. Denn während das Terminal 1 über Abfahrten an der Autobahn A3 erreichbar ist, führt der Weg zum neuen Gebäude über die Autobahn A5. Die beiden Terminals sind mit der flughafeneigenen „Sky Line-Bahn“ verbunden. Diese müssen Bahnreisende ohnehin benutzen, wenn ihr Flug vom neuen Terminal 3 im Süden startet. Komme ich am neuen Flughafen noch ohne Smartphone klar? Eindeutig ja. Zwar sei jeder Prozess auf digitale Nutzer optimiert, aber es stehe auch immer ein menschlicher Ansprechpartner bereit, verspricht Schulze Schwienhorst. Auch die Gepäckabgabe wird künftig zu großen Teilen über Automaten abgewickelt, die am effektivsten über Smartphone-Apps zu steuern sind. Letztlich entscheiden aber die Airlines, welches Maß an Digitalisierung sie ihren Gästen anbieten. „Einige sind da noch recht traditionell unterwegs“, meint der Flughafentester. Welche Airlines ziehen in das neue Terminal um? Bis zum Sommer sollen in vier Wellen die Fluggesellschaften in das Terminal 3 umziehen, die bislang am sanierungsbedürftigen Terminal 2 beheimatet waren. Es handelt sich im Wesentlichen um Airlines der Bündnisse um British Airways und Air France-KLM sowie die arabischen Anbieter Etihad und Emirates. Die Gesellschaften des Lufthansa-Bündnisses Star Alliance bleiben im Terminal 1. Was müssen Umsteiger am Frankfurter Flughafen wissen? Die allermeisten Umsteiger in Frankfurt sind Kunden der Lufthansa und ihrer Partner in der Star Alliance. Da sie sich weiter allein im Terminal 1 bewegen, ändert sich für sie nichts. Umstiege vom T3 ins T1 kommen selten vor und müssen von den Reisenden selbst organisiert werden. Der Flughafen nennt dafür derzeit keine feste Umsteigezeit. Wer organisiert die Tests? Als internationaler Flughafenbetreiber bietet die Fraport AG den sogenannten ORAT-Prozess (Operational Readiness and Airport Transfer) selbst als Beratungsleistung an. Unter anderem wurden bereits in Lima, Bahrain oder Genf die Flughäfen betriebsbereit gestellt. Wie geht es weiter mit dem Flughafenausbau? Sobald alle Gesellschaften das Terminal 2 verlassen haben, schließt Fraport dieses 1993 in Betrieb genommene Gebäude für eine umfassende Sanierung. Eine exakte Planung liegt nicht vor und eilt auch nicht, weil mit dem neuen T3 die Gebäudekapazitäten nach der Corona-Delle noch lange Jahre ausreichen dürften. Fraport-Chef Stefan Schulte hat mehrfach erklärt, dass dort Erweiterungsflächen für die Lufthansa und ihre Partner entstehen könnten.